Ludwigshafen: Die Daily Kunst-Soap im Klinikum

Am Eingang hängt ein Schild: „Die gesamte HNO-Klinik ist umgezogen“. Aber in dem verlassenen Altbau inmitten des Ludwigshafener Klinik-Geländes regt sich Leben. Von 1. bis 31. August 2002 beherbergt „Haus E“ eine Kunstschau unter diesem Titel. 12 Künstler haben eigens für „Haus E“ Arbeiten konzipiert: Bilder, Wandbehänge, Installationen, Medienkunst. Eric Carstensen und Michael Volkmer sind dabei besonders ehrgeizig: An jedem Öffnungstag der Ausstellung produzieren sie in originalen Klinikräumen eine Daily Soap von 15 Minuten – pausiert wird nur am Museumsmontag. Kameraleute, Schauspieler, Tonassistenten, Cutter und Regisseur sind Profis aus dem Bekanntenkreis, viele nehmen sich für die abenteuerliche Produktion Urlaub. Ärzte, Schwestern und Patienten des Klinikums und Ausstellungsbesucher von außerhalb werden in die Handlung integriert. Also Vorsicht: Wer „Haus E“ im August besucht, läuft Gefahr, sich als Aushilfspfleger oder OP-Patient im Klinikfernsehen oder im Offenen Kanal Ludwigshafen bewundern zu können.
Im Juli sind die beiden Künstler damit beschäftigt, die teilweise leergeräumten Arztbüros, Patientenzimmer, Behandlungsräume wieder einzurichten. Es wird geprobt, einige Szenen werden auf Vorrat gedreht. Am 1. August startet der tägliche Produktionsstress: Morgens wird gedreht, mittags geschnitten, jeweils um 19 Uhr läuft die neue Folge von „Krankenhausreif: Klinikum Lu-Mitte“ im internen Klinikfernsehen und im Offenen Kanal. Eric Carstensen und Michael Volkmer verarbeiten die Klischees der großen TV-Soaps und überdrehen sie, aber Parodie ist nicht ihr Anliegen: Kern des Projekts ist das Kommunikationsangebot an Klinikangehörige, Patienten und Besuchern: Es geht um Kunst und Krankheit, um Schicksal und Alltag, um Medien und Realität. Die Klinik unterstützt das Projekt und wirbt dafür, dass sich die Menschen im Großbetrieb Krankenhaus aktiv in das Experiment einschalten. Der Weg zum TV-Auftritt ist kurz: „Haus E“ ist gerade über den Hof.
Bereits beim Besuch der halbfertigen „Soap-Studios“ wird deutlich, dass Eric Carstensen und Michael Volkmer mit Spaß bei der Sache sind. Auch den Menschen, die in der Umgebung arbeiten oder behandelt werden, soll die Kunstsoap Spaß machen. Auf Empfindlichkeiten wollen die Produzenten Rücksicht nehmen: „Es darf nicht zu trashig werden. Aber bei der ersten OP-Szene, die wir gedreht haben, hat das Kunstblut ganz schön gespritzt“, meint EricCarstensen.

Author: Hans-Uwe Daumann
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