Kassel: Offener Kanal feiert 10. Geburtstag

Ein Offener Kanal wird nicht an einem Tag erbaut: Wie Angelika Jaenicke, erste Leiterin des OK Kassel, in ihrer Chronik ausführt, hat das Gründungsteam seine Arbeit im September 1991 aufgenommen und im November ein provisorisches Büro bezogen. Am 1. Juli ging der Offene Kanal Kassel „inmitten der Großbaustelle“ seines endgültigen Domizils im Hauptbahnhof auf Sendung, am 17. August 1992 wurde er feierlich eröffnet. Mit der Jubiläumssendung am 16. August 2002 in der ehemaligen Schalterhalle des Kasseler Hauptbahnhofs bezogen sich die Veranstalter auf den vorläufigen Abschluss der Gründungsphase vor 10 Jahren.

 

Im August 2002 hat die Kasseler Großausstellung „documenta 11“ Hochkonjunktur. Wer im historischen, nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebauten Hauptbahnhof ankommt, kann im Bahnhofsgebäude Kunst besichtigen. Das Haus ist einer der Documenta-Standorte, auf dem Bahnhofsvorplatz steht die „Skywalker“-Skulptur der Documenta 9; bereits seit 1995 haben sich im „Kulturbahnhof“ neben Zeitungsladen und DB-Reisecenter ein Kino und mehrere Galerien nieder gelassen. Der Offene Kanal bezog vor zehn Jahren die ehemaligen „Henkelsäle“, in denen in den Fünfzigern etliche Kasselaner Tanzstundenerlebnisse hatten. Durch die Fenster sind die Zugansagen zu hören. Bürgermedium, Bahnhofsatmosphäre, Gastronomie und Kunst unter einem Dach vertragen sich augenscheinlich recht gut. Die Bühne der großen Livesendung zum zehnjährigen Bestehen des Offenen Kanals ist in der ehemaligen Schalterhalle aufgebaut. In knapp 2 Stunden Sendezeit präsentieren sich die MacherInnen einiger OK-Klassiker: „Schnuddeln am Herd“, „Skat live“, „Medizin transparent“, „OB live“ usw. usf.. Nach zahlreichen erinnerungsgetränkten Zusammenschnitten und Gesprächsrunden wird am Jubiläumstag getanzt und gefeiert: Auch der Kasseler Weltmusiker Hamid Baroudi, der mit seiner Band zum Jubiläum aufspielt, ist Nutzer des Offenen Kanals.

 

Was von der Feier am 16. August nach den Aufräumarbeiten bleibt, ist die instruktive und auch für Nicht-Kasselaner vergnüglich zu lesende Broschüre „DOKuMomente“, die über den Offenen Kanal erhältlich ist.

Für Fremde nur eingeschränkt verständlich sind darin allein die Mundarteinsprengsel, wie etwa das kurze Gedicht von Ria Ahrend: „D’r Offene Kanal im KulturBahnhoob äss de richtige Stelle: Kompetente unn nette Helfer ferr dich – ferr alle Fälle.“

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

Kommentare sind geschlossen.