OK Kassel: Die interkulturelle Redaktion wird e. V.

Wer Interkulturalität darauf verkürzt, dass Deutsches und Ausländisches aufeinander treffen, der sollte bei den Sendungen der Kasseler „Interkulturellen Redaktion“ genau hinsehen: Der Moderator ist Türke, der Regisseur Eritreer, Deutsche stehen an der Kamera. Die gemeinsame Sprache ist (weitgehend) deutsch, von Zeit zu Zeit sind türkische und eritreische Untertitel im Bild. Der „Trialog“ ist Programm und wird bei Gelegenheit noch um weitere Sprachen und Ethnien erweitert.

Die interkulturelle Redaktion im Offenen Kanal Kassel geht auf einen Vorschlag der OK-Mitarbeiter zurück: Ein arbeitsfähiges Liveteam braucht eine Mindest-Kopfzahl, und die bunt gemischte Gruppe der Interkulturellen Redaktion hat etwa ein Dutzend Mitglieder. Suayip Günler ist ein geborener Moderator; ohne Ähs und Räusperpausen kann er vom Fleck weg alles Mögliche erzählen und fast jeden Interviewpartner befragen. Sein Moderationstalent tobt er daher in verschiedenen Sendungen aus, auch beim Jubiläum des Offenen Kanals war er auf der Bühne zu sehen. Die Sendungen heißen wie ihre Themen: „Sport interkulturell“, „Urlaub im Ausland“, „Alt werden in Deutschland“, „Ausländische Frauengruppen in Kassel“, „Kommunalwahlrecht für Alle – warum nicht?“ und, nach dem 11. September 2001, „Islam und Terrorismus – eine Schublade?“ Zum Thema Islam diskutierten ein Hodscha mit dem katholischen Islambeauftragten, die Zuschauer konnten per Telefon in ihrer Heimatsprache Fragen stellen, die dann ins Deutsche übersetzt wurden. Telefonzentrale, Untertitel, Ton- und Bildregie, Kameraführung liegen in der Hand eines gemischtnationalen Teams. Temesgen Tewolde, der die „Interkulturelle Redaktion“ neben Suayip Günler am 7. September beim OK-Jahrestreffen in Berlin repräsentierte, strahlt die Ruhe aus, die man für diesen stressigen Job benötigt. Etwa einmal im Monat ist die Interkulturelle Redaktion live auf Sendung, mit Themen und Gesprächen, die sich am Stadtgeschehen und am Zuschauerinteresse orientieren. Und weil die Mitglieder vor allem Kasselaner sind, gründen sie jetzt ihren eigenen Verein. Der soll Träger eines medienpädagogischen Schulprojektes in der Nordstadt werden.

Wenn es keine Interkulturelle Redaktion gäbe, müsste/sollte man sie erfinden. Denn, wie Suayip Günler sagt, „wir sind Zucker und Milch im Kaffee. Wir versüßen ihn und geben ihm eine hellere Farbe.“  

Author: Hans-Uwe Daumann
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