Hamburg: Bürgermedien diskutieren mit Bürgernetzen

Attac und das Prinzip der Schlange – wie verträgt sich das ? VertreterInnen der Antiglobalisierungs- und Friedens-bewegung haben Probleme mit der Kultur Offener Kanäle – in Hamburg diskutierten sie Kooperationsmöglichkeiten.
„Ich überlege gerade, ob ich hier nicht in der falschen Veranstaltung bin“, begann Ellen Diederich, Podiumsgast beim Workshop „Bürgermedien und Bürgernetze“ des GMK-Forums am 1. Oktober in Hamburg. Die Vertreterin von „FrauennetzATTAC“ trug dem Publikum ein Manifest der Antiglobalisierungsbewegung vor und untermalte dies mit eigenen Erfahrungen, die sie an den Konfliktschauplätzen der Welt wie El Salvador, Chiapas und Bosnien gesammelt hat. In dem nicht allzu gut besuchten Workshop im Rahmen des „Hamburger Medienkongresses 2000“ wurden die Sprachschwierigkeiten zwischen öffentlich-rechtlich getragenen Bürgermedien und Basisinitiativen wie Attac schnell deutlich, ebenso aber das von gegenseitiger Sympathie getragene Bemühen, Brücken zu bauen.
12 Live-Fernsehsendungen hat die von Pablo Rondi vertretene Hamburger Friedensinitiative aus Anlass des Kosovo-Konflikts im Offenen Kanal Hamburg produziert. Neben der „eigentlichen Arbeit“ gegen den NATO-Einsatz in Jugoslawien nahmen die Fernsehsendungen breiten Raum ein. Die Resonanz war durchweg positiv, jeweils 30 bis 60 ZuhörerInnen zogen die Sendungen ins Studio. Die Sendetätigkeit hat der Initiative aber keinen einzigen neuen Mitstreiter gebracht, fasst Pablo Rondi zusammen. Für die Aktionsgruppen wünscht er sich einen professionellen, bezahlten „Medienbeauftragten“, der die organisatorische und praktische Last bei der Produktion von Fernseh- und Radiosendungen weitgehend übernimmt.
Ellen Diederich lobte die vernetzte Arbeit, wie sie z. B. „Let the people speak“ in den USA praktiziert. Die von ihr so genannten alternativen Medien würde sie gerne für eine „Alfabetisierungskampagne“ in Sachen Globalisierung nutzen. Ehrenamtlich getragene Bewegungen wie ATTAC stoßen sich nicht nur am Arbeitsaufwand der Bürgermedien-Produktion, sondern auch an der mangelnden technischen Kapazität Offener Kanäle. Nicht immer sind für die aktuelle Berichterstattung gerade Kameras frei. Auch die Frage, wie Bürgergruppen möglichst kostenfrei an Bildmaterial von internationalen Ereignissen kommen können, wurde aufgeworfen.
Die rhetorischen Forderungen nach besserer Unterstützung beantworteten die anwesenden OK-Vertreter mit pragmatischen Vorschlägen, die aus der Zusammenarbeit mit Gruppen wie den „HeldInnen der Nicht-Arbeit“ (in Berlin) resultieren. ATTAC und Friedensbewegung sind durchaus nicht aussichtslos bei dem Versuch, in ihren internationalen Netzen Ressourcen für die eigene Medienarbeit zu aktivieren. Der Beitrag der Bürgermedien besteht im Wesentlichen darin, ein Sendernetz zur Verfügung zu stellen. So klang es auch gar nicht resigniert, sondern fröhlich, als Ellen Diederich abschließend sagte: „Arbeiten, kämpfen singen: Alles müssen wir selber machen!“

Author: Hans-Uwe Daumann
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