Bermuda.funk: Ein Porträt in 3 Teilen (Teil 2)

Einmal im Monat gehen für zwei Stunden die Radiotrinker auf Sendung. Das Konzept ist recht einfach: Zwei stadtbekannte Personen aus dem kulturellen Leben sprechen einerseits Kommentare zu mehr oder weniger aktuellen Themen und andererseits alkoholischen Getränken zu. Der Rest ergibt sich in aller Regel von selbst. Dass der Titel der Sendung kein eigener Einfall war, sondern bei Max Goldt geklaut wurde, gibt man gerne zu, als Trinker hat man durchaus das Recht, nicht mehr ganz taufrische Ideen zu wiederholen, und sei es zum hundertsten Male. Angereichert wird das Konzept durch Studiogäste, einige Running Gags und ein Thema, welches sich als roter Faden durch die jeweilige Sendung zieht.

Studiogäste sind immer willkommen. Sicherheitshalber wird im Vorfeld der Sendung das eine oder andere Bier für die Gäste eingekauft, falls diese vergessen sollten, ihre eigenen Getränke mitzubringen. Und bei der Auswahl der Gäste ist man auch nicht wählerisch: Sowohl schüchterne Menschen, die sich nur mal das Radio anschauen wollen, sind hier willkommen, als auch die KollegInnen der anderen Sendungen oder „wirkliche“ Prominenz wie überregional bekannte Musiker oder der OB-Kandidat aus der Nachbarstadt Ludwigshafen.

An Running Gags, also sich wiederholenden Elementen, hat sich im Laufe des mittlerweile dreijährigen Bestehens der Sendung einiges angesammelt. Da ist das gemeinschaftliche Ansagen der Studiotelefonnummer („jetzt hast du das schon wieder vermasselt“), humoristische Gewinnspiele mit nicht minder spaßigen Preisen („Du hast ein Buch aus dem Lucy Körner Verlag gewonnen“), das Lamentieren über abwesende Studiogäste („Ja, und Volker H. ist wieder einmal eingeladen“) und das gegenseitige Vorwerfen eines schlechten Musikgeschmacks. Daraus wird dann eine Sendung, die ihre HörerInnen nur selten überfordert.

Das jeweilige Thema der Sendung wird in der Regel gegen Ende der vorangehenden festgelegt. Zum Teil bedient man sich aktueller Anlässe: Eine Sendung an Allerheiligen befasst sich dann mit Heiligtümern. Aber eben nicht nur mit denen der strenggläubigen, katholischen Heilslehre, sondern auch mit den heiligen Kühen des Alltags wie Auto und Fernseher, mit den Legenden der Popmusik oder einfach mit der Frage, warum man über Heilige keine Witze machen soll. An anderen Tagen bedient man sich zeitloser Themen wie Brücken, Germanistik oder Intoleranz.

Zwischen den Diskussionsrunden läuft dann der Soundtrack zum Thema. Da beide Redakteure über eine Tonträgersammlung von nicht unbeträchtlicher Größe verfügen, ist man stets bemüht, sich musikalisch nicht allzu weit vom Thema zu entfernen. Ansonsten ist die Herangehensweise der beiden Redakteure an das Musikangebot von Gegensätzen geprägt. Während es das Ziel des einen Redakteurs ist, dem geneigten Publikum seinen individuellen Musikgeschmack vorzustellen, versucht der andere sich gern in musikalischen Grenzerfahrungen, was ersteren nicht selten dazu veranlasst, „mal draußen eine rauchen“ zu gehen.

Einen speziellen Platz in der Sendung nimmt die Serie „Auf Wunsch Zerriss“ ein. Alle Musiker sind aufgefordert, ihre Tonträger einzuschicken. Die Radiotrinker garantieren, dass diese in der Sendung dann angespielt und besprochen werden. Allerdings, so das weitere Versprechen, wird das Werk keine wohlwollende Würdigung erfahren, sondern eine möglichst gnadenlose Demontage, die an dem musikalischen Werk nichts Gutes lässt. Solch ehrliche Kritik macht sich in einem Bandinfo ohnehin besser als falsche Lobhudelei.

Zu guter letzt sei nochmals erwähnt, dass Studiogäste stets willkommen sind, dass man sich über Briefe, Postkarten und Anrufe während der Sendung sehr freut und dass auch Präsentpäckchen mit Tonträgern oder Alkoholika eine willkommene Bereicherung einer Sendung der Radiotrinker sind. Kontakt: Die Radiotrinker, c/o Bermudafunk, Brückenstraße 2-4, 68167 Mannheim, fax 0621 3368863 oder realismus@t-online.de . Sendung ist jeweils am 1. Donnerstag im Monat von 20.00 bis 22.00 Uhr, und dann hört das Telefon auf die Nummer 0621 33939801. Keine Angst. Alles wird gut.

Author: Stefanie Werner
E-Mail: buffy_st@web.de

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