Bermuda.funk: Ein Porträt in 3 Teilen (Teil 3)

Im Bermudafunk gibt es sie, vielleicht sogar häufiger noch als bei anderen freien Radios: Sendungen und Sendende, die sich keinem der gängigen Ressorts zuordnen lassen. Nicht in Info & Politik, weil zuviel geplaudert wird über scheinbar unpolitische Alltagsthemen, nicht in Kultur, weil man nicht zusammen mit der Bildungselite in die Kunstschublade gedrängt werden will, auch nicht in Musik, weil hier keineswegs nur über Musik gesprochen wird, und schon gar nicht in all die anderen Ressorts. So entstanden die Seltsamen Dinge. Ein lockerer Zusammenschluss von Radiosendungen, deren Konzeption sich eben nicht auf ein bestimmtes Themengebiet beschränkt, sondern sich selbstbewusst zwischen alle Stühle setzt. Seltsame Dinge eben.

Konzeptionelles: Anderen Leuten mal über die Finger schauen. Deren Sendungen wohlwollend prüfen und vielleicht ein paar gut gemeinte Ratschläge geben, was man noch besser machen kann. Oder eben deren komplette Konzeption in Frage stellen, weil „das doch alles Scheiße“ ist. Und dann dafür sorgen, dass so was im bermudafunk keinen Platz hat. So schafft man sich Freunde fürs Leben. Haaalt, weiterlesen, war doch nur ein Scherz. Genau das ist nicht Sinn und Zweck dieses Ressorts. Senden sollen weiterhin alle, wie sie wollen. Eben seltsame Dinge.

Allgemeines Kennen lernen: Da der Empfang des Bermudafunk in Mannheim noch immer nur beschränkt möglich ist, kennen viele RadiomacherInnen nur die Sendungen, die direkt vor bzw. nach ihren eigenen Einsätzen laufen. Darüber hinaus weiß man von einigen Leuten, dass sie auch Radio machen, aber schon, wie deren Sendung heißt, ist oft nicht mehr bekannt. Dies ist dann auch Sinn und Zweck Nummer eins des Ressorts: Über die eigene Sendung reden, erklären was warum gemacht wird, wie man das vorbereitet („alla, isch überleg mer dann ä vertel stunn vorher welli musik isch mitnemme du unn dann mal sehe“) und welche Sternstunden die eigene Sendung bereits hatte.

Themen: Gegenseitige Anregungen „Wir machen als nächstes eine Sendung zum Thema Tiere“. „oh Klasse, das ham wir vor 4 Monaten auch schon mal gemacht“ „Um was ging’s denn bei euch?“ „Naja, Tierrechte, Veganismus und so, und was macht Ihr?“ „Kochrezepte für Hamburger“. Tja, Pech. Aber nicht jeder Dialog muss so enden.

Einladungen: A ist zu Gast bei B, C macht eine Umfrage, die auch ins Konzept von der Sendung von D passen, B leiht C Platten zum Thema und F macht mal die Sendung von K, weil der oder die gerade in Urlaub ist. So einfach geht das. Und so kommt auch wieder frisches Leben in eingefahrene Schienen.

Programm: Anspruchsvolle Idee. Der Programmflyer des Bermudafunk gibt bereits einen groben Überblick, welche Sendung wann läuft. Das Programm der seltsamen Dinge zeigt dann auch, welches Thema die einzelnen Sendungen haben, welche Studiogäste sich angekündigt haben und andere Details („Hat irgendwer ein Lied über die Ernte?“). Ob ein solches Programm als Handzettel oder ein Aushang an zentralen Stellen ist, ist da noch völlig offen.

Gemeinsame Aktionen: Nachtsendungen der seltsamen Dinge, Aktionswochen, in denen sich mehrere Sendungen einem speziellen Thema widmen. Benefiz-Partys (nein, verehrte Ordnungshüter, nicht im Sendestudio), Pubquiz über mehrere Stunden, in dem die Gäste verschiedener Kneipen gegeneinander antreten. Kneipentests im Radio. Und all die anderen Dinge, die anderen Leuten noch einfallen sollen.

Treffen: Regelmäßige Termine mit fester Uhrzeit, Anwesenheitsliste und Tagesordnung, erst mal einen Vorstand wählen, dann intensive Grundsatzdiskussion über die vorliegenden Sendekonzepte, folgend aufwendige Finanzdebatten über zu vergebende Mittel und dann handfester Streit über einige Formulierungen im Protokoll vom vorletzten Mal. Super, so einen Arbeitskreis haben wir schon immer gewollt. Aber Spaß beiseite, die Treffen sollten so funktionieren, wie sie ja jetzt schon stattfinden. Täglich ab 22.00 Uhr im Blau, Gespräche zwischen dem 3. und 4. Bier, die sich auch schon jetzt ab und zu ums Radio drehen. Und ab und zu eine Verabredung zu gemeinsamen Aktionen. Ohne Vorstand und Protokoll. Eben seltsame Dinge.

Kontakt: Helmut van der Buchholz. Seilerstr. 22, 67063 Ludwigshafen, Tel: 0621 518529  Fax: 0621 625411 mail: realismus@t-online.de

Author: Stefanie Werner
E-Mail: buffy_st@wweb.de

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