Medienprojekt Wuppertal: „borderline“ 10 Jahre alt

Die Initiatoren des Wuppertaler Medienprojektes können seit 1992 auf eine lange Liste von Filmpreisen und Festivalteilnahmen zurückblicken. Darunter sind unter anderem der Medienpädagogische Dieter-Baacke-Preis 2001 und der Journalistische Sonderpreis des Kölner Jugend-Video-Filmfests 2001. Am 11. Dezember feiert die 50. Ausgabe des Videomagazins „borderline“ Premiere, am 13. Dezember wird der 10. Geburtstag des Medienprojekts mit einem Filmfest begangen.


Nach dem Motto: Das bestmöglichste Video für das größtmögliche Publikum, nutzt der Wuppertaler Ansatz von aktiver Jugendarbeit Video nicht (vorrangig) als zeitgemäße, pädagogisch wirksame Methode der Freizeit- oder Bildungsarbeit, sondern will Jugendlichen durch selbstproduzierte Filme die Möglichkeit zur kreativen Artikulation ihrer Ästhetiken, Meinungen und Lebensinhalte geben. Video wird als kommunikative, neue Kulturtechnik gesehen, die Lust am Film und am künstlerischen wie inhaltlichen Ausdruck stehen bei den TeilnehmerInnen wie den MitarbeiterInnen im Vordergrund.
Die dominierenden Themen der Jugendlichen in ihren Kurzfilmen, Reportagen, Trickfilmen und Musikvideos sind – wie bei ihren „großen“ Vorbildern im Kino und Fernsehen – Liebe bzw. Sex und Gewalt; nicht weil sie dort abgucken würden, sondern weil beide mit ihren lustvollen und problematischen Anteilen in dieser Lebensphase eine besonders dynamische Rolle spielen und außerdem kreativ unerschöpfliche Themen sind.
Das Medienprojekt Wuppertal unterstand bis Ende 2001 dem Jugendamt und ist nun seit dem 1.01.2002 als eingetragener Verein tätig. Jugendliche zwischen 14 und 28 Jahren werden hier nach dem Motto: „learning by doing“  produktorientiert bei ihren Videoproduktionen unterstützt.  Die Kurzfilme werden im Kino, in Schulen und Jugendeinrichtungen präsentiert und erreichen darüber 5.000 bis 8.000 Zuschauer. Kassetten werden in einer eigenen Edition und diversen Fremdverlagen bundesweit vertrieben. Durch den Vertrieb wird die, für die Jugendlichen kostenlose, Produktion finanziert. 1/3 der jungen VideomacherInnen (Schwerpunkt 16-20 Jahre) produzieren hier privat in Freundesgruppen, der Großteil filmt im Rahmen von Schulprojekten, Jugendtreffs, Vereinen und Beratungsstellen. Die Videos werden, soweit notwendig, von professionellen FilmemacherInnen und MedienpädagogInnen aus der Region angeleitet. Produktive Standbeine des Medienprojektes sind:
o Das regelmäßig erscheinende Videomagazin „borderline“, das in einem Wuppertaler Kino alle 2 Monate die neuesten Kurzfilmproduktionen ausgestrahlt. „borderline“ erscheint fünfmal im Jahr und ist mit ca. 14 Beiträgen pro Ausgabe ca. 70 – 80 Minuten lang. Diese Beiträge können Reportagen, Kurzspielfilme, Musikclips, Experimentalvideos, Trickfilme sein. Sie werden von einer jungen Filmemacherin anmoderiert.
o Thematische Videoworkshops (z.B. „Mörder“, „Anarchie&Liebe“, etc.)
o Videoaktionswochen (Themen z.B. „Weine“, „Liebe&Sexualität“, etc)
o Dokusoaps ( z.B. das Serienprojekt „Liebe im Regen“, bei dem 2 heterosexuelle, ein schwules und ein lesbisches Pärchen 9 Monate ihr Beziehungsleben dokumentieren).
o Politische Dokumentationen (z.B. zum Castortransport nach Ahaus, oder über den Weltwirtschaftsgipfel in Köln).
o Europäische Videoprojekte (z.B. das europäische Kettenvideoexperiment „Bewegung. Movement“ mit 34 Gruppen junger FilmemacherInnen aus 12 Ländern Europas).
Innerhalb der Videoproduktionen wird ausschließlich in Projektform gearbeitet (i. d. R. über mehrere Wochen), manchmal in der Form von mehrtägigen Workshops. Leiter des Medienprojekts Wuppertal ist Andreas von Hören. Für die Anleitung spezifischer Projekte werden freie MitarbeiterInnen eingestellt.  Von ihnen werden filmische (künstlerisch und handwerklich gleichermaßen) und pädagogische Fähigkeiten erwartet.  Im Regelfall wird mit homogenen Gruppen eines Alters gearbeitet. Wobei eine Mischung von Geschlecht, ethnischer Herkunft, Bildungsgrad, sozialem Status, Peergroupzugehörigkeit oder Subkultur sich „natürlich“ in den Gruppen, themenbezogen oder zwischen den Gruppen vollzieht. Durch die gemeinsame Präsentation einer größeren Anzahl von Kurzfilmen verschiedener Genres, Themen und Produktionsgruppen in den Kinopremieren wird hier in einem heterogenen Publikum eine Auseinandersetzung mit den Ideen und Gedanken anderer Jugendlicher erreicht, und durch die gemeinsame Rezeption des eigenen Filmes reflektiert. Am dynamischsten und produktivsten sind nicht die durch PädagogInnen motivierten Projektgruppen sondern künstlerisch ambitionierte (der junge Filmnachwuchs, der mit oder ohne Chancen die filmischen Berufe ansteuert), oder inhaltlich involvierte Jugendliche (die Video in erster Linie als Mittel zum Zweck der Kommunikation, Agitation und Selbstdarstellung begreifen, wie z.B. lesbische oder schwule Gruppen, politische Jugendliche, MigrantInnen, Musikbands, subkulturelle Peergroups).

Am 13. Dezember 2002 ab 20 h feiert das „Medienprojekt Wuppertal“ mit einem großen Event in der Fabrik Huppertsberg (Hagenauer Str. 30, Wuppertal-Elberfeld) sein 10jähriges Bestehen.
Zu sehen und zu erleben gibt es dort:
o        Filmprogramm „Best of 10 Jahre Medienprojekt Wuppertal“: Verliebte, böse, witzige, künstlerische, coole, freche, verrückte und politische Filme aus 10 Jahren von jungen WuppertalerInnen;
o        Multivision „Young Visions“;
o        40 Super8-Filme „Verliebt in Wuppertal“ in einer 3-Leinwände-Parallelprojektion;
o        Videoinstallationen aus der Werkschau: Musikvideos, Trickfilme, Crime&Trash
o        Theateraktionen durch „Brot& Spiele“;
o        Lifemusik von Skampi-Royal und Sascha Gutzeit;
o        Party.
 Das Programm startet pünktlich (!) um 20.30 h. Der Eintritt ist frei.

Author: Stefanie Werner
E-Mail: buffy_st@web.de

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