Stuttgart: Stotterfunk – für Stotterer und Nichtstotterer

Es ist immer noch ungewöhnlich, dass Stotterer sich öffentlich äußern – und dies gar in einem rein akustischen Medium, im Hörfunk. Das lässt sich auch daran messen, dass über den Stuttgarter Stotterfunk sogar in der Österreichischen Abendschau ein Bericht zu sehen war und dass es  bundesweite Anfragen von Stotterer-Selbsthilfegruppen gibt, mit der Bitte um Kopien von Sendungen auf Kassette. Diese Resonanz macht deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten ist. Isolation erst gar nicht aufkommen zu lassen, den Kontakt zur Öffentlichkeit nicht zu scheuen, das ist das Beispiel der Stotterfunker. Gerade in den Freien Radios sind solche Sendungen machbar, und diese Chance sollte genutzt werden.
An jedem 5. Donnerstag im Monat von 19.00 bis 21.00 Uhr sendet die Stuttgarter Selbsthilfegruppe unter wechselnder Regie im Freien Radio für Stuttgart FRS. Die Anzahl der Mitwirkenden richtet sich nach den behandelten Themen und beziffert sich zwischen 7 und 15 Leute. Gerade lief die 25. Sendung: Rückblicke auf vergangene Sendungen, aber auch Zukunftsorientiertes, waren die Schwerpunkte. In der nächsten Zeit soll die Homepage mit mehr Informationen ausgebaut werden und für die Radiosendung ist ein Telefonkontakt geplant.
Angefangen hat alles mit der Einladung von KISS (Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen e. V.), die jeden 1. Donnerstag im Monat das „Selbsthilfemagazin“ im Freien Radio verantwortet.
Die ersten Sendungen waren noch zu 100% vorproduziert, um die lästigen „Blocks“, wie Sprachverzögerungen in Stottererkreisen genannt werden, zu verbergen. Mittlerweile wird überwiegend live gesendet, was jeder Sendung eine besondere Spannung verleiht. Ein auf den ersten Blick mutiger Schritt, der aber bei genauer Überlegung vollkommen konsequent erscheint.
Stotterfunk möchte kein „Problemfunk“ sein, vielmehr ist es ein erklärtes Ziel, einen normalen Umgang mit der Sprachbehinderung zu fördern. Stottern ist nichts, was man verstecken muss. Mit den Sendungen, die viele Informationen wie z. B. Kontaktadressen, Gespräche u. a. mit Logopäden, aber auch Alltägliches beinhalten, soll den Betroffenen wie auch den nicht stotternden Gesprächspartnern die Angst vorm Stottern genommen werden. 

Author: Stefanie Werner
E-Mail: buffy_st@web.de

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