Per Kabel, Internet und UKW: Hochschulen senden Radio

An ihren Namen sollt ihr sie erkennen: „RaDau“, „Asta La Vista“, „Mikrowelle“, „Studentixx“ – klar, hier haben Studierende ihrem Spaß am Radiomachen Ausdruck verliehen. „LernRadio“, „Aus- und Fortbildungskanal“: Hier ist der Sender Teil des Lehrbetriebs. „Uniwelle“, „Univox“, „Campus Report“: Hier wendet sich die Pressestelle der Universität offiziös an die lokale Öffentlichkeit.


Ganz unterschiedliche Motive haben dazu beigetragen, dass Hochschulradio in Deutschland in den vergangenen 10 Jahren fast zu einem flächendeckenden Phänomen geworden ist. Wenige Veteranen sind schon länger im Geschäft: Das 1950 gegründete „hsf-Studentenradio“ in Ilmenau hat nicht nur die Wende überlebt, sondern bald danach als eingetragener Verein eine UKW-Frequenz erobert und ist zum Zentrum der Campusradio-Bewegung in Deutschland avanciert. Der Bochumer Sender „c. t.“ startete bereits 1990 mit Einzelsendungen im lokalen Bürgerfunk und beschickt seit 1997 seine eigene 24-Stunden-UKW-Frequenz.
Hochschulradios in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg – den beiden Vorreiterländern – haben gute Aussichten, mit Low Power terrestrisch senden zu können. Andere Campussender sind sich nicht zu schade, ihre Verbreitung als Untermieter Offener Kanäle („ju N ai“ in Magdeburg per TV-Kanal!) im Kabel oder gänzlich per Internet zu suchen. In der Regel nicht ganz glücklich sind lediglich die Initiativen, die über ein Dasein als „Pausenradio“ per Lautsprecher in der Mensa bisher nicht hinaus gekommen sind (z. B. „RaDau“ in Landau). Der Sendedrang von Studierenden und Lehrpersonen ist ungebrochen; jeder Kooperationspartner ist willkommen: Neben Bürgerfunk und Offenem Kanal kommen das Freie Radio am Ort, aber auch der kommerzielle Lokalsender (z. B. Radio Regenbogen in Baden) oder das öffentlich-rechtliche Kulturprogramm (ehedem: Radio Bremen 2) in Frage. Nicht immer stößt universitärer Sendewille auf dauernde Gegenliebe: Im „Verzeichnis der Hochschulradio-Initiativen“ finden sich einige Leidensgenossen der „Mikrowelle“ in Regensburg und des Campus-Radios Bremen-Oldenburg, deren Partnersender sich umstrukturiert und das Uni-Fensterchen herausstrukturiert haben.

Aber etliche der Campusradio-Initiativen nehmen auch wechselnde Rahmenbedingungen in Kauf und senden unverdrossen weiter. Der Aufschwung des Hochschul-Hörfunks hat wohl verschiedene Gründe: Die amerikanischen Vorbilder finden endlich Nachahmer im „alten Europa“, das studentische Kulturleben hat sich verlagert – wobei die Radios gerade auch den DJs und Musikern unter den Hochschulangehörigen ein Betätigungsfeld bieten. Die journalistische Ausbildung findet inzwischen an sehr viel mehr Standorten statt als noch vor wenigen Jahren, und Deutschlands Universitäten und Fachhochschulen öffnen sich zunehmend nach außen und haben ihr Eigeninteresse entdeckt, in der regionalen Öffentlichkeit präsent zu sein.
Das von Matthias Felling herausgegebene „Verzeichnis der Hochschulradio-Initiativen“ ist unter dem Titel „Hochschulradio in Deutschland“ als Band 30 der LfM-Materialien erschienen und kann über die LfM bezogen werden.

Author: Hans-Uwe Daumann
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