„Die Stadtdetektive“ haben keine Expo-Visionen

„H1“ heißt der ehemalige „Offene Kanal Hannover“ seit 2002. Die Umbenennung des lokalen Fernsehsenders ist die Konsequenz der mediengesetzlichen Neuregelung in Niedersachsen, die keine Offenen Kanäle und keine Nichtkommerziellen Lokalsender mehr kennt, sondern nur noch Bürgerrundfunk. Drei Projekte, die Georg May von „H1“ bei der Tagung „Sendeauftrag: Zukunftsfähigkeit“ in Weimar vorstellte, belegen eindrucksvoll, dass der Sender seinen lokalen Kommunikationsauftrag bereits seit seiner Gründung 1996 wahrnimmt.

„Die Stadtdetektive“ sind 8 – 12-jährige Kinder in der Kleinstadt Lehrte bei Hannover. 6 Orte in der Stadt haben sie sich ausgesucht, über jeden Ort produzierten sie innerhalb eines Jahres einen Film. Einen Spielplatz und das städtische Schwimmbad nahmen sie beispielsweise unter die Lupe und zeigten aus kindlicher Sichthöhe Schwachpunkte auf. Jeder Film wurde vor den Kinderkino-Vorstellungen des kommunalen Kinos vorgeführt und waren innerhalb der Sendungen des „Lehrter Offenen Kanals – LOK“ auf „H1“ zu sehen. Die angewandte Stadtplanung aus Kindersicht hatte einen politischen Effekt: Der Lehrter Stadtjugendpfleger wurde zwischenzeitlich verpflichtet, ein Konzept für die Beteiligung von Kindern zu erarbeiten. Mit Hilfe der Arbeiterwohlfahrt will „H1“ jetzt auch in anderen Kommunen kleine „Stadtdetektive“  auf den Plan rufen.

Seit Anbeginn gab es im Programm des Offenen Kanals Hannover ein Umweltmagazin. Da die Lokale Agenda 21 etwa um die gleiche Zeit ihre Aktivitäten aufnahm, entstanden die ersten Sendungen aus einem Team von Umweltaktivisten. Der Spagat zwischen Verbands- und Medienarbeit ging jedoch nicht lange gut, und der Offene Kanal musste eine zweite Redaktionsgruppe aus nicht einschlägig vorbelasteten Freiwilligen initiieren. Die dritte und langfristig stabile Redaktion rekrutierte und rekrutiert sich bis heute aus studentischen PraktikantInnen, die bundesweit für die jetzt „Blickpunkt Umwelt“ betitelte Sendung geworben werden.

Die Expo 2000 in Hannover hat den Anspruch, Zentrum der weltweiten Bemühungen um die Agenda 21 zu sein, deutlich vor sich her getragen. Kritiker der Expo begründeten bereits 1999 mit allen niedersächsischen Bürgersendern (im Hörfunk und im Fernsehen) das Projekt „xpovision“. Über die Projektstelle konnten sich Bürgerfunkredakteure und Nutzer Offener Kanäle offiziell bei der Expo akkreditieren lassen. Die kritische Begleitung wurde von den Expo-Organisatoren nicht durchweg negativ gesehen. In den ersten Öffnungswochen waren die Bürgermedien fast die einzigen, die in ihrer Berichterstattung nicht die Eintritts- und Bratwurstpreise, sondern die Inhalte der Expo 2000 in den Vordergrund stellten. Über 300 Radiobeiträge entstanden mit Hilfe des Bürgerfunkbüros „xpovision“ , unter Anderem übernahmen die Bürgermedien die Übertragung von zehn „Global Dialogues“, die von Sabine Christiansen moderiert wurden.

Die umfangreiche, inoffiziell im Internet weiterhin zu besichtigende Arbeit des Projekts „xpovision“ wurde, wie Georg May betont, nur durch aufwändige Vorbereitung und vielfältige direkte Kommunikation möglich. Der Offene Kanal Hannover, jetzt „H1“, hat die Publikation von Umweltthemen bereits frühzeitig zu einem von fünf Schwerpunkten der eigenen Arbeit erklärt. Nur dadurch, nur durch kontinuierliche Projektarbeit und durch die Förderung von „Fachredaktionen“ können die im Allgemeinen recht spröden Themen rund um Natur, Umwelt, Stadtentwicklung und Lokale Agenda so „heruntergebrochen“ werden, dass sie von einem lokalen Publikum angenommen werden.

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

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