Mit Bürgermedien für die Zukunft der Städte

Der Prozess der „Lokalen Agenda 21“ ist – 11 Jahre nach der Initialzündung in Rio de Janeiro 1992 – in tausenden Deutscher Städte und Gemeinden im Gang. Aber die „LA21“ ist nicht wirklich „sexy“ (Zitat Fritz Burschel) – vielerorts ist sie nur für Eingeweihte attraktiv, und mit den gleichermaßen schwammigen Schlüsselbegriffen „Nachhaltigkeit“ und „Zukunftsfähigkeit“ hat die Lokale Agenda ein ausgewachsenes Vermittlungsproblem. „Agenda Transfer“ in Bonn widmet sich unter Anderem der Aufgabe, lokale Agendaprozesse bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen. Albrecht Hoffmann von Agenda-Transfer hat Dr. Burkhardt Kolbmüller vom thüringischen Bürgerradio LOTTE in Weimar beauftragt, Berührungspunkte von Agenda und Bürgermedium zu erforschen und bundesweit nach gemeinsamen Projekten zu suchen.

 

Am 20. und 21. Februar 2003 kamen VertreterInnen von Lokalen Agenda-Initiativen, Bürgerradios, Offenen Fernsehkanälen und Landesmedienanstalten in der Europäischen Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Weimar zusammen, um unter der Überschrift „Sendeauftrag: Zukunftsfähigkeit“ über die Rolle der nichtkommerziellen „Lokalsender als Kommunikatoren nachhaltiger Stadt- und Regionalentwicklung“ zu diskutieren.

Burkhardt Kolbmüller wies in seinem Statement darauf hin, dass die Lokale Agenda  21 in ihrem Kern ein Kommunikationsprozess sei. In den Aktivitäten lokaler Sender sieht er im Hinblick auf ihr Potential als Partner der lokalen Agenda 21 „ungehobene Schätze“. Albrecht Hoffmann von der Bonner Agentur Agenda-Transfer stimmte ihm zu. „die Mitmach-Angebote (der Lokalen Agenda 21) könnten wesentlich verbessert werden durch die Lokalsender vor Ort.“ Über die schriftliche Sammlung von Sendebeispielen lokaler Hörfunk- und Fernsehsender hinaus wünscht er sich einen Pool von Sendebeiträgen, der bundesweit genutzt werden kann.

Beispiele für geglückte Kooperationen gibt es einige. Als Vertreterin der Bayrischen Landesanstalt für Neue Medien (BLM) beschrieb Kerstin Prange eine ungewöhnliche Initiative: Im Jahr 2000 wählte die BLM „Agenda 21“ zum Spezialthema ihrer Programmförderung lokaler Hörfunk- und Fernsehsender. Mit der finanziellen Unterstützung der Landesmedienanstalt entstanden so immerhin 150 Hörfunk-Programmstunden und 70 Stunden Fernsehprogramm zum Thema.

Von fünf Lokalsendern stammten die konkreten Beispiele, die bei der Tagung vorgestellt wurden. Georg May von „H1„, dem neuformierten Offenen Fernsehkanal in Hannover, beschrieb drei völlig unterschiedliche Herangehensweisen: Das Kinderprojekt „Die Stadtdetektive“, das seit Sendebeginn 1996 existierende Magazin „Blickpunkt Umwelt“ und die Aktion „Xpovision“, die zur Expo 2000 in Hannover gemeinsam von allen niedersächsischen Bürgersendern ins Werk gesetzt wurde. Vom Darmstädter Lokalhörfunk „RaDar“ kam Barbara Sowa, die als Mitarbeiterin des Eine-Welt-Projekts Werkhof Darmstadt e. V. inzwischen gleichermaßen Agendaspezialistin wie auch Radiomacherin ist.

Die teilweise lebhaften Diskussionen der Tagung zeugten sowohl von den Schwierigkeiten szeneübergreifender Zusammenarbeit zwischen Bürgermedien und Lokaler Agenda 21 wie auch von der strukturellen Ähnlichkeit und davon, dass die Partnerschaft beider Bereiche logisch und beinahe alternativlos ist. Das gastgebende Radio LOTTE liefert die besten Beweise dafür, dass ein lokal engagiertes Radioprojekt in der Kommune Wirkung erzeugt. Albrecht Hoffmann, Initiator des Forschungsprojekts und der Tagung, war sich abschließend sicher, dass das Thema und die entstandenen Kontakte weiter verfolgt werden.

 

Das Projekt „Lokalsender als Kommunikatoren lokaler Agenda 21 – Prozesse“ von Agenda Transfer und Radio LOTTE wird schriftlich dokumentiert. Die Projektpartner sind über service@agenda-transfer resp. management@radiolotte.de ansprechbar.

 

Foto: Albrecht Hoffmann / agenda transfer

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

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