Neues aus Wernigerode, Blankenburg und Ilsenburg

Wolfgang Stürzebecher ist Tischler und der Nachrichtenmann des Offenen Kanals Wernigerode. Er filmt, schneidet und textet alleine – seine Tochter spricht die Off-Texte. Der Wickert des Offenen Kanals ist in seinen wöchentlichen Sendungen weder zu sehen noch zu hören. Das lokale Infomagazin unter dem Titel „Break“ kommt ohne Moderation aus, gehört aber zu den beliebtesten Sendungen des Kleinstadtfernsehens. Stürzebecher wird zu allen wichtigen Lokalereignissen eingeladen, seine Aufnahmen sind dann jeweils freitags 45 Minuten lang in einer neuen Ausgabe von „Break“ zu sehen.

Im Offenen Kanal Wernigerode geht es familiär zu. Ein großer Teil der 40 Mitglieder ist selbst als Produzent aktiv. Auch die Vorstandsmitglieder, zu denen Wolfgang Stürzebecher zählt. Wolfgang Kirst, der Vorsitzende, meint, er wolle schließlich auch seinen Spaß haben, ujnd stürzt sich als Reporter – „nur leicht verkleidet“ – ins Getümmel des Wernigeröder Karnevals. Der hauptberufliche Lehrer wird von Schülern auf seine Fernsehauftritte angesprochen: Ganz so spontan und locker wie auf dem Bildschirm ist er im Schulalltag nicht.

Einmal im Monat treffen sich OK-Mitglieder und Interessierte zum Clubabend. Dabei werden neuere Sendebeiträge gemeinsam ausgewertet. Bei diesen Abenden schauen auch Lokalpolitiker vorbei. Missverständnisse und Kritik werden direkt besprochen. Man kennt sich und respektiert sich.
Im Haus der Volkshochschule, im ehemaligen Haus der Pioniere, residiert der Bürgersender im 2. Stock. Am 31. Mai 1998 begann der Sendebetrieb, und jedes Jahr um diese Zeit feiert der OK vor dem Studiogebäude ein großes Fest. Jazzbands und Kinderchöre treten auf, und viele Wernigeröder Bürger feiern mit den ehrenamtlichen Fernsehmachern. Aber der Sender kommt auch zu den Bürgern: Mit Hilfe von Sponsoren hat der OK ein erdgasbetriebenes Vereinsfahrzeug angeschafft, mit dem die mobile Aufzeichnungsanlage zu allen größeren Anlässen im Sendegebiet gefahren werden kann. Aus dem Stadtgebiet von Wernigerode kann demnächst sogar live gesendet werden: Mit Unterstützung der Medienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA) wird am 30. März eine Funkübertragungsstrecke in Betrieb genommen, die den Talkessel zwischen Burg und OK-Studio, also die gesamte Kernstadt abdeckt.

Das Verhältnis des Trägervereins zur Medienanstalt ist konstruktiv. Die zweckgebundenen Zuschüsse erlauben dem OK die Beschäftigung einer Geschäftsführerin und weiterer anderthalb Mitarbeiter. Auch die neue Sendeautomatik kommt von der MSA. Mit Christian Schurig steht einer der bundesweit engagiertesten Anwälte der Bürgerkommunikation an der Spitze der Hallenser Anstalt. Sachsen-Anhalts 8 Offene Kanäle kann auch er nicht ganz von Finanzzwängen verschonen. 15 % des diesjährigen Haushalts muss der OK Wernigerode selbst erwirtschaften. Über Mitgliedsbeiträge ist das nicht zu erreichen. Der Rückhalt des Bürgersenders geht aber weit über die Mitgliedschaft hinaus. Wolfgang Kirst ist zuversichtlich und zitiert sein Motto – das Margaret Thatcher sicherlich einmal aus ganz anderen Gründen formuliert hat: „Fernsehen ist viel zu wichtig, als dass man es den Fernsehmachern überlassen sollte.“

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

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