Politik, Presse, Publikum: Die drei P der OK-PR

Offene Kanäle haben Imageprobleme: Politiker halten sie für überflüssig, Redakteure von Lokalzeitungen schweigen sie tot, das Publikum verwechselt sie mit der kommerziellen Konkurrenz. Mit traditionellen und neuen Mitteln der Öffentlichkeitsarbeit versuchen sich die Vorstände und Mitarbeiter Offener Kanäle im lokalen Umfeld Gehör zu verschaffen. Ihre ohnehin geringen Werbeetats legen es nahe, PR „mit Hausmitteln“ zu betreiben und dabei nach „interessanten Ideen aus anderen OKs“ zu schielen, wie es Jürgen Linke, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands Offener Kanal (BOK) beschreibt. Der BOK war Organisator des Seminars „Sehen und gesehen werden“ am 15. und 16. März 2003 in Wernigerode.

 

Knut Kösterke, Pressemensch des OK Hamburg, betonte die unverminderte Bedeutung von Printmedien für die Außendarstellung. Der Hamburger Sender hat in hoher Auflage vierfarbige Faltblatt-Formulare drucken lassen, die für verschiedene Zwecke einfarbig gefüllt werden. Trotz Internet und Videotext produziert der OK Hamburg regelmäßig gedruckte Programmvorschauen, die in allen Hamburger Büchereifilialen und in 30 Kultureinrichtungen ausliegen. Wer sich jedoch per Handy über aktuelle Sendungen informieren möchte, kann den WAP-Service des Offenen Kanals nutzen.

 

Blau und orange zeigt sich die pfiffige Symbolfigur des OK Magdeburg. Der Erfinder, ein grafikbegeisterter Mitarbeiter, sorgt dafür, dass Briefpapier, Werbebroschüren, Plakate und Homepage im gleichen, typischen Look erscheinen. Der OK Magdeburg ist ein junger Bürgerkanal: Das Schwergewicht jugendlicher Produzenten drückt sich auch im grafischen Erscheinungsbild, im „Corporate Design“ des Senders aus. Mit einer pfiffigen Idee ganz anderer Art erreicht der OK die Zielgruppe Nummer 2: Einmal im Monat diskutiert der „Presseclub“ im Bürgerfernsehen, moderiert vom stellvertretenden OK-Vorsitzenden, aktuelle Magdeburger Probleme. Mit dabei: Der Chef der Lokalredaktion der Magdeburger Volksstimme, die Pressechefin der Stadtverwaltung, MDR-Redakteure und andere Pressevertreter. Auch sonst mangelt es nicht an Ideen: Sachsen-Anhalts 8 Offene Kanäle wollen demnächst einen gemeinsamen Kinospot veröffentlichen.

 

Publikum, Presse und Politik hat Jürgen Linke, Leiter des OK Berlin, gleichermaßen im Blick. Seit April 2001 läuft im Offenen Kanal Ereignis-TV. Ein OK-Team leistet die praktische Arbeit, wenn Berlins politische Stiftungen und Kultureinrichtungen Veranstaltungen komplett aufzeichnen und im OK senden lassen wollen. Die Ereignis-TV-Schiene, unter dem Titel „Vor Ort“ täglich ab 22 Uhr zu sehen, kommt beim Publikum an und das kritische Verhältnis einiger Landespolitiker zum OK beginnt sich zu entspannen. Ein SPD-Abgeordneter erklärte kürzlich den Offenen Kanal Berlin – zusammen mit Phoenix – zu seinem Lieblingssender.

 

Offene Kanäle ändern ihren Umgang mit der lokalen Öffentlichkeit. Nicht nur nach Jürgen Linkes Auffassung haben sich „Spots und Aufrufe nach der Art ‚Kommt in den Offenen Kanal'“ überlebt. Wolfgang Kirst, Vorsitzender des OK Wernigerode und Moderator des Seminars, schloss mit der Feststellung, dass es heute darum gehe, „der Öffentlichkeit bewusst zu machen, worin die gesellschaftliche Notwendigkeit der Offenen Kanäle besteht.“

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

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