Auf dem Weg nach Europa: Campus-Radio-Tag 2003 in Köln

Beim Campus-Radio-Tag 2003 waren nicht nur Radiomacher aus ganz Deutschland vertreten, sondern auch aus Osteuropa. Die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) hatte dieses Jahr zusammen mit dem Deutschlandfunk (DLF) eingeladen, um über die Bedeutung von Campusradio in Deutschland und in Europa zu diskutieren. Beim DLF in Köln wurde damit gleichzeitig der fünfte Geburtstag der Sendung „Campus & Karriere“ gefeiert.

Anfang der 90er Jahre erlebte Campusradio in Deutschland einen regelrechten Boom. In vielen Städten gründeten sich Projekte, die Radio aus der Hochschule machen wollten. Seit einigen Jahren senden Campusradios verstärkt auf eigenen Frequenzen. Fast ein Drittel der über fünfzig Projekte bundesweit ist auf diese Weise „on air“. In immer mehr Hochschulstädten wird das junge Medium zu einer festen Größe.

 

Profil durch Kooperationen

 

Am 3. Mai waren 140 Campusradio-Macher beim Deutschlandfunk (DLF) zu Gast. Denn „Campus & Karriere“ feierte mit dem Campus-Radio-Tag sein fünfjähriges Sendejubiläum. Und in dieser Zeit war die Entwicklung von Hochschulradio stets ein Thema. Ernst Elitz, Intendant des DeutschlandRadios, betonte in seiner Begrüßung die Kooperation seines Senders mit Campusradios. So übernehmen einige Stationen mit eigener Frequenz Weltnachrichten oder auch Sendungen wie „Campus & Karriere“ vom DLF in ihr Programm. Norbert Schneider, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) freute sich, dass neben den Teilnehmern aus NRW auch zahlreiche Besucher aus anderen Bundesländern und aus Osteuropa gekommen waren.

 

Das Haus wird größer

 

Der Schwerpunkt des diesjährigen Campus-Radio-Tages lautete „Auf dem Weg zu einem erweiterten europäischen Haus“. Dazu eingeladen waren auch Vertreter von Hochschulradios aus den EU-Beitrittsländern Slowenien und der Tschechischen Republik. Ganz einfach Radio Student heißt ein Sender aus Ljubljana. Lucija Grilec ist dort zuständig für „student affairs“. Hochschulradio in Slowenien hat eine lange Tradition, musste sich aber nach dem Zerfall Jugoslawiens wieder neu positionieren.

Auch in der Tschechischen Republik hat es große politische Umbrüche gegeben. Nach der Wende bildeten sich dort an vielen Orten Piratensender. Mitte der 90er Jahre entstanden auch die ersten Hochschulradios. Michaela Nováková von Radio Akropolis aus Prag sieht Campusradio als Chance, Studierenden eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten und Radio für junge Leute zu machen. Aber obwohl diese Art Rundfunk in der Tschechischen Republik eine Marktlücke fülle, klagt Nováková, bekämen Campusradios derzeit keine großen Frequenzen. Was bleibt, ist die Übertragung per Internet oder mittels kleiner Sender in Wohnheimen.

 

Besser gemeinsam

 

Die meisten deutschen Campusradiomacher hatten bislang keinen Kontakt zu Kollegen aus Osteuropa oder wussten nicht, dass es dort so was gibt. Woher auch – Europa bietet derzeit noch wenig Ansätze zur Vernetzung. Auch der Campus-Radio-Tag konnte nicht mehr leisten, als erste Kontakte zu fördern und den Grundstein für Kooperationen zu legen. Gerade in den Pausen wurde angeregt miteinander diskutiert. Vielleicht der erste Schritt für künftige Kooperationen.

Schon jetzt berichten einige Campusradios über die zehn Länder, die in einem Jahr der EU beitreten werden. Prof. Dr. Ulrich Pätzold vom Institut für Journalistik der Uni Dortmund glaubt auch an die Möglichkeit einer europäischen Vernetzung. Zuvor müssen seiner Meinung nach aber die Radios in NRW und in Deutschland enger zusammen arbeiten. Der Schritt der Campusradios in Richtung Europa könnte durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert werden. Dr. Siegbert Wuttig, Leiter der EU-Programme im DAAD, konnte sich eine Zusammenarbeit mit Campusradios durchaus vorstellen. Er forderte die Radiomacher auf, selbst Erfahrungen im Ausland zu machen.

 

Radiolabor

 

Natürlich können Campusradios den Hörfunk nicht neu erfinden. Aber sie können relativ frei vom Quotendruck neue Programmformate erproben. Einige inhaltliche Innovationen wurden in Köln vorgestellt. Hertz 87,9 aus Bielefeld ist der weltweit erste Sender, der ein sonifiziertes Wetter im Programm hat. Die Sonifikation kommt ohne Worte aus und verwandelt Daten in Klänge. Je nach Wetterlage wird in Zusammenarbeit mit der technischen Fakultät der Uni Bielefeld täglich ein anderer Klangteppich gesendet.

Neu ist auch, dass einige Campusradios in Deutschland in die Media Control-Auswertung aufgenommen wurden. Für Jeff van Geldern von Virgin Records haben sie damit eine amtliche Note bekommen. Die Hochschulradios brauchen Kontakte zu Plattenfirmen, um mit neuer Musik bemustert zu werden. Obwohl die Hochschulradios sehr unterschiedliche Programme machen und daher kein einheitliches Produkt sind, werden sie als Nische mit alternativer Musikfarbe immer interessanter für die Musikindustrie. Um sich gegenüber dieser Branche zu profilieren, kooperieren vier Radiostationen aus NRW in einem Music Network.

Die Hochschulradioszene in Deutschland schließt sich also langsam zusammen. Der Campus-Radio-Tag will diese Zusammenarbeit auch auf Bundes- und EU-Ebene fördern. Denn: Europa wächst und davon sollen auch die Hochschulsender profitieren.

 

Foto: Matthias Felling

Author: Matthias Felling / LfM funkfenster
E-Mail: felling@web.de

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