Rheinland-Pfalz knüpft Medienkompetenz-Netzwerke

Medienkompetenz vernetzt: Mit dem „Medienkompetenznetzwerk Eifel“ wurde die rheinland-pfälzische Landesmedienanstalt LPR in einer Region aktiv, in der sie bereits vor Jahren drei Offene Kanäle gründen half. 2001 beschlossen Kreisverwaltungen, Kreisbildstellen, die Offenen Kanäle in Daun, Wittlich und Bitburg, das Landesmedienzentrum, der Landesfilmdienst, die Universität Koblenz-Landau und die LPR, im „MKN Eifel“ zu kooperieren. Nach anderthalb Jahren Projektphase bot das LPR-Mediencolloquium am 15. Mai 2003 die Gelegenheit, Erfahrungen mit dem regionalen Netzwerk auszuwerten. 130 Fachleute aus dem Bildungsbereich, den Medien und der Politik waren dazu ins Gesellschaftshaus der BASF AG nach Ludwigshafen gekommen.


„Ziel war es, zu prüfen, ob die Akteure in der Region in der Lage sind, vor Ort zu kooperieren und Medienkompetenzarbeit effektiver zu gestalten“, formulierte LPR-Direktor Manfred Helmes. Dabei wurde die Form „aufsuchender Medienarbeit“ gewählt – im vorgestellten Film über das Projekt konnte man sehen, wie Projektmitarbeiter Kurt Laux mit dem MKN-Medienmobil in verschiedenen Schulen des weitläufigen Projektgebietes aktiv war. Die Vision der Projektbetreiber ist es laut Helmes, Medienkompetenznetzwerke in allen Regionen des Landes einzurichten. Während die LPR bereit ist, neben Anderem die technische Ausstattung einzubringen, sollen als Mitarbeiter je zwei medienkompetente Referendare aus dem Landesdienst gewonnen werden.
Renate Pepper, Vorsitzende der LPR-Versammlung und SPD-Landtagsabgeordnete, schilderte, dass die LPR ihren Aufgabenbereich sehr früh um die Medienkompetenz erweitert hat und dabei von ihrem Aufsichtsgremium intensiv begleitet wird. Ergebnis des MKN-Versuchs ist aus ihrer Sicht, dass „Ressourcen aufgetan und vernetzt wurden – in Schulen, Offenen Kanälen und kommunalen Einrichtungen“. Als Politikerin schaut sie „mit großem Interesse dort hin, wo vernetzt gedacht und regional gehandelt wird“.

Auch in der weiteren Diskussion, die vom SWR-Funkhausdirektor Dr. Uwe Rosenbaum moderiert wurde, ging es darum, „politische Unterstützung für den weiteren Weg“ (Helmes) zu gewinnen. Der Landrat und Vorsitzende des Deutschen Landkreistages Hans-Jörg Duppré schilderte, wie das ohne Anstoß von außen in der Region Südwestpfalz gelang. Bereits Mitte der 80er Jahre schlossen sich Einrichtungen der Jugendhilfe zur Förderung der Medienarbeit zusammen. Das „Zentrum für Medienarbeit und kreative Bildung“ des Kreises war eine Art Vorläufer des Medienkompetenznetzwerkes Südwestpfalz, das 2002 neben dem Landkreis auch die kreisfreien Städte Pirmasens und Zweibrücken, einige Kreisgemeinden, die Pirmasenser Zeitung, die LPR und weitere Medienkompetenzakteure gemeinsam gründeten. In den Verbund eingebracht wurden die beiden Bildstellen für die schulische Medienarbeit, deren Arbeit mit Hilfe der 5 Studios des Offenen Kanals und des dortigen Personals erweitert werden konnte – bei gleich bleibenden oder gar sinkenden Kosten.
Dr. Uwe Haass, Direktor des FWU und Bildungsmedien-Spezialist, unterstrich die Vorteile der Vernetzung mit seiner Schlussfolgerung, 50 % einer guten Lösung seien „eine mentale Frage, nur die anderen 50 % kosten Geld!“

Das Schlusswort der Veranstaltung gehörte Dr. Norbert Schneider, dem Direktor der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt LfM. Er sieht einen direkten Zusammenhang von Medienaufsicht und Medienkompetenz: „Medienkompetenz steht sehr viel näher mit Artikel 5 des Grundgesetzes in Verbindung, als das im Allgemeinen gesehen wird … Was sie über Medien und Freiheit wissen, das wissen die Bürger nicht aus Vererbung, das müssen sie lernen.“ Medienkompetenz könne Medienaufsicht – in letzter gedanklicher Konsequenz – überflüssig machen. Zumindest für die zu erwartende Lebensarbeitszeit der Handlungsträger in den Medienanstalten sehe er aber keine Gefahr, dass deren Arbeitsplätze überflüssig werden könnten.

Author: Hans-Uwe Daumann
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