Augsburg: Campusradio auf Privatwelle – geht das?

Die Musikstars auf Kanal C heißen am heutigen 19. Mai 2003 „Virginia Jetzt“, „Tomte“ und „Tegan & Sara“. Wer die nicht kennt, ist entweder zu alt oder kommt nicht aus Augsburg. Bayrische Schwaben im studierfähigen Alter sollten Bescheid wissen, denn mit „Kanal C“ steht ihnen eine Informationsquelle zur Verfügung, die jeden Montag Abend ab 22 Uhr drei Stunden lang beispielsweise darüber aufklärt, was ein „Hochwasserrisikomanagementday“ ist und welcher der beiden Rektoratskandidaten an der Augsburger Universität die besseren Karten hat.


Kanal C ist das Augsburger Campusradio. 3 Stunden in der Woche ist die Studenteninitiative zu Gast auf der UKW-Frequenz des Lokalsenders Radio Fantasy (93,4 MHz). Universitäre Themen (Augsburger Erfolge in den Uni-Fußballmeisterschaften beispielsweise) stehen im Mittelpunkt der stündlichen Nachrichtensendung „Was geht ?!“, aber Kanal C widmet sich auch dem städtischen Umfeld, insbesondere in den Bereichen Kultur und Freizeit. Das Musikprogramm rund um Hip Hop, Elektronik und Crossover hört auf den gemeinsamen Nenner „Off Stream“. Kanal C widmet sich mit professionellem Eifer seiner speziellen Nische und harmoniert so mit seinem „Wirtssender“ Radio Fantasy, der am Nachmittag und Abend bemerkenswerte Sendungen wie „Salon Helga“ oder „Brot und Spiele“ veranstaltet. In Kanal-C-Sprache heißt das: „Dabei werden die allgemeinen Regeln eines erfolgreichen, modernen Radios beachtet, ohne damit der Kreativität eine Grenze zu setzen.“


„Kommt vorbei und lernt wie Radio funktioniert“ wirbt der Sender, der sich als „unabhängiges Aus- und Fortbildungsprogramm“ versteht. Alle „Stellen“, die Kanal C zu vergeben hat, sind mit Studierenden besetzt. Was Techniker, Redakteure, Moderatoren und die beiden Chefs vom Dienst (weibliche Mitwirkende jeweils mitgedacht) üblicherweise tun, haben sie sich in Radioseminaren und Workshops zu Themen wie Interview, Moderation, Sprechtechnik beigebracht. Anlaufstelle ist Raum134 in der Alten Uni, immer dienstags finden Redaktionssitzungen statt. Auch für die Internetseiten und für das Marketing sind „Abteilungen“ von Kanal C verantwortlich.

Die Geburtsstunde von Kanal C schlug 1997. Zwei Studenten hatten in ihrer Diplomarbeit die „Realisierbarkeit eines Uni-Radios“ geprüft. Aus vereinzelten Sendungen wurde 1999 ein wöchentliches Fenster. Radio Fantasy hilft technisch, und die Studierendenvertretung der Universität sowie die Bayrische Landeszentrale für Neue Medien BLM lindern die finanziellen Nöte. Personell greift Kanal C auf „rund 100 ehrenamtliche Redakteure, Reporter, Moderatoren und Verrückte“ (Eigenwerbung) zurück, die den Sender nicht nur als Zwischenstation auf dem Weg zur Medienkarriere, sondern als wesentlichen Bestandteil des studentischen Lebens begreifen.

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

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