Ludwigshafen: Albert Einstein besucht die LPR

Wer Kooperationsprojekte mit Schulen initiiert und organisiert, kennt solche Sätze: Es geht (für die Schule) um einen „Blick über den Zaun“ resp. für beide Partner darum, „in der einen Welt für die andere um Vertrauen zu werben“, möglichst ohne „die Eigenständigkeit der Schule anzutasten.“ Die Partner, die sich hier vorsichtig an die Schule heran tasten, sind Unternehmer in der Rhein-Neckar-Region. Ihr Motiv ist klar: Es mangelt ihrer Meinung nach an qualifizierten Bewerbern für technische und naturwissenschaftliche Ausbildungen. Und weil unternehmerisch denkende Menschen – laut Eigenaussagen – nicht lange reden wollen, hat die von den Firmen Freudenberg, Roche, Keiper und anderen getragene „Initiative für Bildung“ im Jahre 2001 mit Gymnasien in der Region 4 Projekte aufgelegt. Den vorläufigen Abschluss dieser Projekte galt es, am 18. Juni 2003 im Ludwigshafener Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasium zu feiern.
Auslandspraktika für Schüler hat der Vorstandsvorsitzende des Kaiserslauterer Autozulieferers Keiper, Elmar Deegener, auf unkonventionelle Weise ermöglicht. Heinz Herrmann von hconsult lud Schüler zu einer Vorstandssitzung ein und ließ sich danach ihre Eindrücke schildern. IBM und die Ludwigshafener Softwareschmiede SHE sponserten für das dortige Theodor-Heuss-Gymnasium einen von Schülern verwalteten Computerraum. Der Bericht eines Oberstufenschülers, der als „Raumleiter“ an dem Projekt beteiligt ist, belegte, dass Schüler dazu in der Lage sind, langfristig, verantwortungsbewusst und zielgerichtet an einem Projekt zu arbeiten.
Auch in dieser Hinsicht besonders eindrucksvoll geriet die Premiere von „Einstein & Co.“, einer sechsteiligen Reihe von Fernsehsendungen aus der Produktion der Medien-AG des Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasiums (WHG). Das Kernstück bildet eine Spielhandlung, in der sich der Ingenieur Thomas Edison, die Chemikerin Marie Curie und der Physiker Albert Einstein im Altersheim begegnen. Sie versuchen, herauszufinden, warum so wenige ihrer Nachfahren für ihre drei Berufssparten zu begeistern sind. Die Spielhandlung rahmt eine Reihe von Unternehmensreportagen und Diskussionsrunden, bei denen SchülerInnen, Lehrerinnen, Hochschul- und Firmenvertreter aufeinander treffen. Unterstützung bei diesem ambitioniertesten Projekt der Medien-AG leistete sowohl das ZDF wie auch die Landeszentrale für Rundfunkveranstalter LPR: In ihren Räumen wurden die Altersheim-Szenen gedreht.
Der Offene Kanal Ludwigshafen und die Medien-AG des WHG unter der Leitung von Dr. Gerhard Laubscher arbeiten seit vielen Jahren fruchtbar zusammen. Auch „Einstein & Co.“ wird komplett im OK zu sehen sein. Karl Ludwig Kemen, Kunstlehrer und Gründer der Medien-AG, ist es bei dem Projekt gelungen, verschiedene Fachlehrer einzubinden. Ein besonderer Kontakt  – zum Medienbereich der „Germantown High School“ in Illinois/USA –  ergab sich en passant und wird weiter verfolgt.  Dr. Dietmar Becker von der „Gesellschaft für Strukturentwicklung“  war Betreuer des Medienprojekts von Unternehmerseite. Als Moderator der Abschlussveranstaltung entlockte er den Beteiligten unterschiedliche, aber durchweg positive Bewertungen. So wird eine Schülerin nach dem Abitur zur Partnerfirma Freudenberg wechseln. Karl Ludwig Kemen hat sich von den Strapazen und Schrecksekunden der Dreharbeiten erholt, mahnte aber, dass die Fahrtkosten von 1000 km für Recherchen und Dreharbeiten nebst anderen Aufwendungen für solche Projekte nicht von einer Schule allein getragen werden können. „Einstein & Co.“ zeigt, was – mit gutem Willen, Energie und Kontaktfreude – innerhalb des Systems Schule möglich ist. Bleibt zu hoffen, dass Projektarbeit nicht im Zeichen von PISA wieder außer Mode kommt.

Author: Hans-Uwe Daumann
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