Wien: „Never ending story“?

Johannes Schütz hat die deutschen Offenen Kanäle Ende der 80er Jahre kennen gelernt. Den Arbeitskreis Offene Kanäle Österreich (aokö) hat der Theater-, Film- und Medienwissenschaftler vor einigen Jahren gegründet. Zusammen mit seinen Mitstreitern versucht er, Offene Kanäle auch im südlichen Nachbarland voran zu bringen. Einen Durchbruch erzielten die OK-Aktivisten, als die rot-grüne Wiener Stadtregierung den Auftrag gab, eine Machbarkeitsstudie für einen Offenen Kanal Wien zu fertigen. Im Juli 2002 kam das voluminöse und faktenreiche Werk heraus; seitdem hat sich allerdings wenig bewegt. Unter anderem mit dem „Runden Tisch – Die Bedeutung Offener Kanäle für Österreich“ am 23. Juni 2003 in Wien versuchte Schütz, die widerstreitenden Interessen zu bündeln und die OK-Pläne für Wien voran zu bringen.  

 

„Endgültig zur Never-Ending-Story scheint sich die Diskussion um einen offenen Kanal in Österreich zu entwickeln“ so beginnt der Bericht des Extradienstes vom 25. Juni über den Runden Tisch. Der Extradienst zieht das Fazit: „Politisch korrekter Tenor der Diskussion: gut und nötig und demokratiepolitisch fein wäre so etwas schon. Allerdings lässt es sich nach wie vor mehr oder weniger trefflich über Procedere und Finanzierung eines offenen Kanals diskutieren.“

 

Übereinstimmend wird berichtet, dass die anwesenden Parteienvertreter sowohl grundsätzlich einem Offenen Kanal Wien als auch einer Finanzierung aus öffentlichen Geldern aufgeschlossen gegenüber stehen.

So betonte der ÖVP-Abgeordnete Ferry Maier, dass das Kabelrundfunkgesetz von 2001 über die dort enthaltene „must-carry“-Verpflichtung den Weg für den Offenen Kanal geebnet habe. Für die Finanzierung könne der „Kulturschilling“, der in Österreich mit den Rundfunkbeiträgen erhoben und von den Ländern verwaltet wird, herangezogen werden. Der Mediensprecher der FPÖ Hans Kronberger zeigte sich einem Offenen Kanal gegenüber „absolut aufgeschlossen“ – das überraschte den Kommentator Hermann Sileitsch von „medianet“, dem zu Folge die „Wiener FPÖ (den OK) in Wien jüngst in einer Aussendung als ‚rot-grünes Anarcho-TV‘ abgelehnt“ habe. Kronberger schlug eine Finanzierung durch die Kommunen vor. Der Bundesgeschäftsführer der SPÖ, Norbert Darabos, schlug vor, darüber nachzudenken, ob man nicht zwei Prozent der ORF-Gebühren für Offene Kanäle abzweigen solle. Er bezeichnete Offene Kanäle als „wichtigen Impuls für Minderheiten“ – Darabos ist selbst burgenländischer Kroate. „Neben der sprachlichen Kompetenz und dem kulturellen Aspekt können sich die Volksgruppen selbst präsentieren und bestimmen, was gezeigt werden soll“.

 

„Österreich ist 15 Jahre hinterher“, wird Johannes Schütz vom Arbeitskreis Offene Kanäle Österreich in den Zeitungsberichten vom Runden Tisch zitiert. Einen Monat nach der Veranstaltung, die dem Projekt Offener Kanal Wien neuen Schub verleihen sollte, ist zumindest auf der Website der Projektgruppe keine Neubelebung spürbar.

Author: Redaktion
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