Grand Rapids / USA: Training, tools and transmission

Gegen die Tristesse des deutschen Bürgermedien-Geschehens setzte Dirk Koning, Direktor des Community Media Centers in Grand Rapids, Michigan, typisch amerikanischen Optimismus: „Community media is exploding“, meinte er zu Beginn seines Vortrags auf dem 10. Jahrestreffen Offener Kanäle in Berlin. Und diese explosionsartige Entwicklung beobachtet er nicht (nur) in den USA, sondern beispielsweise in Irland, Südkorea und Argentinien. Im Heimatland der „public access channels“, den USA, ist dagegen eher eine Evolution im Gange: Töne, Videobilder und Daten können auf den gleichen digitalen Wegen transportiert werden; Hörfunk, Fernsehen und Internet rücken auch als Bürgermedien immer enger zusammen.

Beispiel Grand Rapids: Aus dem Offenen Kanal der 200.000-Einwohner-Stadt in Michigan wurde in den vergangenen Jahren ein „Community Media Center“, zu dessen wesentlichen Abteilungen ein UKW-Sender, zwei Bürgerfernsehkanäle, ein Internet-Provider und ein mobiles Medienkompetenzprojekt gehören. Die Aufgaben dieser Einrichtung sind breit definiert: „Training, tools and transmission“ formulierte es Dirk Koning: Bürger werden qualifiziert, erhalten „Werkzeuge“ zu ihrer Verfügung, und Bürgerproduktionen werden über alle verfügbaren Netze versendet. Wenn der Übertragungswagen des Zentrums unterwegs ist, kann er die vor Ort aufgenommenen Signale für alle drei Medien zur Verfügung stellen: Auf dem Kabelfernsehkanal „LiveWire“ wird dann beispielsweise eine Veranstaltung live übertragen, deren Ton gleichzeitig auf dem Community Radio WYCE per UKW zu hören ist, und im Internet stehen Töne und Bilder als Livestream oder auch zum Download bereit.

Knapp 20 Menschen werden (in Teilzeit- oder Vollzeitpositionen) dafür bezahlt, dass der umfassende Service des Bürgermedienzentrums angeboten werden kann. Weit größer ist die Zahl der Freiwilligen: 80 Personen gewährleisten den Sendebetrieb des UKW-Radios; 45 religiöse Gruppen, 75 Vereine und Organisationen und 13 verschiedene Ethnien produzieren für GRTV, der dem „klassischen“ deutschen Offenen Kanal ähnelt.

Mit dem Funktionswandel ging die Befreiung von der finanziellen Abhängigkeit des Zentrums vom Kabelnetzprovider einher. Nur noch ein Drittel des 1,5-Millionen-Dollar-Budgets stammen aus der Kabelgebühr, die die Stadtverwaltung an das Community Media Center transferiert. 150.000,- $ nimmt WYCE über Spenden ein, 50.000,- $ stammen aus Konzerteinnahmen. Ebenfalls 150.000,- $ zahlen die nutzenden Organisationen für Internetdienstleistungen des Medienzentrums (zu denen auch der Bau einer Website gehört), und 200.000,- $ zahlen die TeilnehmerInnen der Medienkurse ein. Für größere Anschaffungen werden zusätzlich Sponsoren geworben – so kam auch „Mollie“ zu Stande, das mobile Medienlaboratorium, das mit 20 IBooks und einem Funknetzwerk ausgestattet ist.

Das Grand Rapids Community Media Center hat im städtischen Leben seinen festen Stellenwert, ohne sich dabei in Abhängigkeiten zu begeben. Das „Grand Rapids Institute for Information Democracy & Media Literacy„, eine weitere Abteilung, mischt sich kräftig in lokale Wahlkämpfe ein, und zu den wichtigsten Themen des Offenen Kanals gehört „selbstverständlich“, so Dirk Koning, der Irak-Krieg. Das ist manchmal nicht einfach, denn sowohl Antikriegsaktivisten wie auch GIs gehören zu den Nutzern. Streithähne muss Dirk Koning dann auch einmal mit Hilfe seiner Autorität und seiner Körpergröße auseinander bringen.

Author: Hans-Uwe Daumann
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