Eupen/Ostbelgien: 5 Jahre königliches Bürgerfernsehen

Eupen, die Hauptstadt des deutschsprachigen Teils von Ostbelgien, ist etwa so groß wie Schifferstadt oder Salzwedel (um zwei deutsche Standorte von Offenen Kanälen als Vergleich heranzuziehen). Die Kleinstadt beherbergt ein öffentlich-rechtliches Funkhaus, mehrere kommerzielle Radiostationen, ein gut ausgebautes Medienzentrum und einen Offenen Kanal. Die großstädtische Medienausstattung verdankt die Region dem belgischen Föderalismus und der Autonomie, die sich die deutschsprachigen Belgier erkämpft haben. Rund 60.000 BürgerInnen hat das kleine Ländchen zwischen Aachen und Lüttich, zwischen Eifel und Maas. Die Regierung residiert in einem gemütlichen Schlösschen im Eupener Zentrum.

Medien fallen unter die Hoheit der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG), die mit den benachbarten Bundesländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen kooperiert. In Rheinland-Pfalz lernte Freddy Schroeder, Lehrer und damaliger Berater des Medienministers der DG, vor etwa 10 Jahren Offene Kanäle kennen. Manfred Scharfenberger, damals Leiter des Offenen Kanals Ludwigshafen, wuchs schnell in die Rolle eines „Botschafters“ und „Entwicklungshelfers“ hinein und hielt in verwunschenen belgischen Eifelgemeinden Videoseminare ab. Die LPR, die rheinland-pfälzische Landesmedienanstalt, beriet die Verantwortlichen der DG bei der Umgestaltung ihres Mediendekrets. Der Offene Kanal Ostbelgien wurde am 8. September 1998 als VoE (Vereinigung ohne Erwerbszweck) gegründet, und Alfred Küchenberg, Verleger der deutschsprachigen Tageszeitung in Eupen, wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Freddy Schroeder mutierte zum Leiter und Geschäftsführer des neuen Bürgersenders und begann, ehrenamtliche Aktive um sich zu sammeln. Dieses „multiethnische“ Team – zu den tragenden Stützen gehören auch einige Flamen – produzierte bereits vor dem Sendestart am 6. Juni 1999 „auf Halde“ und entwickelte dabei eine für Bürgersender ungewöhnliche Arbeitsteilung: Bis heute gibt es beim OK Ostbelgien reine Kameraleute, Moderator(inn)en und Cutter(innen); die Ehrenamtlichen arbeiten gemeinsam, jeder nach seinen Vorlieben, an der Erstellung der OK-Sendungen.

 

Auch die Partner, mit denen sich der Offene Kanal eine Kabelfrequenz teilt, sind ungewöhnlich: Ein französischsprachiger Lokalfernsehsender und das Programm des deutschsprachigen, öffentlich-rechtlichen BRF gehören dazu. Mangels eigener Leitungsanbindung wird aus dem BRF-Funkhaus gesendet, in 90- oder 120-minütigen Blöcken, die samstags und sonntags mehrfach wiederholt werden. Gegen die übermächtige „Medienkonkurrenz“ hat sich der OK mit Sport- und Theateraufzeichnungen, mit liebevoll gemachten Natur-, Koch- und Gesprächssendungen gut behauptet; sein Sendefenster wurde zwischenzeitlich ausgeweitet. Auch der Sendebereich hat sich durch die Kopplung mehrerer kleiner Netze vergrößert. Nach mehrmaligen Umzügen von einem Provisorium ins nächste ist der OK seit Juli 2001 in kleinen, aber feinen Räumen in der Eupener Hookstraße gut untergebracht. In der überschaubaren Deutschsprachigen Gemeinschaft, in der auch lokale Vorgänge politisch sehr ernst genommen werden, hat Freddy Schroeder es geschafft, Regierungs- wie Oppositionsvertreter für die Bürgerkommunikation zu begeistern.

 

Momentan plagen den OK-Leiter Personalprobleme: Einige seiner langjährigen Mitstreiter ziehen sich aus gesundheitlichen und anderen Gründen zurück. Freddy Schroeder hat den Offenen Kanal mit viel Geschick aufgebaut und 5 Jahre lang findig gelenkt. Wenn ihm das Glück und dem OK sein Ideenreichtum erhalten bleibt, braucht man sich für die nächsten 5 Jahre des Offenen Kanals Ostbelgien keine Sorgen zu machen.

Author: Hans-Uwe Daumann
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