Ludwigshafen: Wenn Engel im Regen notlanden

Wer durch das enge Okular einer 16mm-Filmkamera blickt, muss sich erst an das flackernde Bild auf der Mattscheibe gewöhnen. Für Videofilmer ist es auch ungewohnt, wie penibel beim Filmen mit der Filmkamera auf Schärfe und Belichtung geachtet werden muss. Und Angstgefühle löst bei werdenden Film-Filmemachern die Geschwindigkeit aus, mit der der Kassetteninhalt durch die Kamera rauscht und das Filmbudget zum Schmilzen bringt.

 

Derlei gravierende Unterschiede zwischen Video und Film hat der Kameramann Peter Herrmannsdörfer erstmals 2002 im Offenen Kanal Ludwigshafen an junge Filminteressierte vermittelt. Schon damals ließen sich die TeilnehmerInnen eines vom Bildungszentrum BürgerMedien organisierten Seminars nicht abschrecken, sondern begeistern für das altmodische Bewegtbildmedium. Einige sollen sich bald darauf eine Super-8-Filmkamera besorgt haben.

Im Juni 2003, beim Wiederholungsseminar, ein ähnliches Bild. Ein rundes Dutzend 18- bis 27-Jährige beschließt spontan, das neu erworbene Grundwissen in einer eigenen Super-8-Kurzfilmproduktion anzuwenden. Gemeinsam werden in tagelangen Sitzungen ein Drehbuch und ein Storyboard erarbeitet. Ludwig Asal und Katja Friedrich vom Bildungszentrum BürgerMedien lassen sich überreden, das Projekt finanziell zu unterstützen. Peter Herrmannsdörfer wird als Coach gewonnen. Kamera, Filmmaterial, Dolly, Kran, Schauspieler werden organisiert – nur das Wetter spielt nicht mit, als die auf knapp 20 Personen angewachsene Crew am 7. September drehen will. Nach 3 Monaten Dürre fällt der erste große Regen besonders reichlich aus. In dieser Situation beweisen die Filmenthusiasten ihre Flexibilität: Kurzerhand wird ein neues Minidrehbuch gestrickt und im Studio gedreht – bis gegen 24 Uhr sind 20 Einstellungen im Kasten.

 

Das „Engel-Projekt“, so der Arbeitstitel des ursprünglichen Drehvorhabens, ist damit nicht gestorben. Weitere Dreh- und Schnitttage im und um den Offenen Kanal Ludwigshafen stehen an. Irgendwann im späten Spätherbst wird es im OK eine Filmpremiere geben – die dann natürlich per Video aufgezeichnet und per TV übertragen wird. Bis dahin wird die „Engel“-Crew noch jede Menge Medienkompetenz erwerben – und die staunenden Beobachter im Offenen Kanal die Erkenntnis, dass auch richtig alte Medien munter weiter leben.

Author: Hans-Uwe Daumann
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