Endlich: Offener Kanal kommt doch „Vor Ort“!

Im ersten der „Hackeschen Höfe“ steht der neue Übertragungswagen des Offenen Kanals Berlin. Triax- und Tonkabel hängen von der Dachterrasse der Heinrich-Böll-Stiftung bis zum Heck des Wagens und verbinden die beiden Arbeitsplätze im Inneren – die Bild- und die Tonregie – mit den drei OK-Kameras und den Mikrofonen am Ort des Geschehens. Auch das Jahrestreffen der Offenen Kanäle, das 2003 (teilweise) außerhalb des Offenen Kanals in den Räumen der Stiftung stattfindet, wird im Rahmen des Projektes „OKB vor Ort“ komplett aufgezeichnet und einige Tage später im Offenen Kanal gesendet.

Tagungen, Podiumsdiskussionen, Vorträge, Reden, aber immer öfter auch Konzerte, ja Umzüge sind die Inhalte der „Vor-Ort“-Sendungen, die im Offenen Kanal jeweils ab 22 Uhr gezeigt werden. Jedes Event wird einmal wiederholt, so dass pro Woche dreieinhalb mal produziert werden muss.

Seit Beginn der „Vor-Ort“-Sendeschiene 2001 sind die politischen Stiftungen die besten Kunden. Dr. Christine Wagner, Pressereferentin der Konrad-Adenauer-Stiftung, beschrieb als Podiumsgast des OK-Jahrestreffens, dass das Angebot des Offenen Kanals in ihrem Kollegenkreis erst sehr skeptisch aufgenommen wurde. Inzwischen liefen allein 34 Veranstaltungen der KAS im Offenen Kanal, darunter Höhepunkte wie die Einweihung eines Adenauer-De Gaulle-Denkmals in Anwesenheit von Gerhard Schröder, Jacques Chirac und Angela Merkel. Prominenz ist bei „Vor Ort“ ständig zu sehen. Die Zuschauerreaktionen sind positiv; gelobt wird gerade das Grundprinzip der 1-zu-1-Aufzeichnung, das die Betrachter an aktuellen Diskussionen teilhaben lässt. Die Nachfrage der Stiftungen und anderer Partner ist stetig gestiegen.

Der Aufwand, der für „Vor Ort“ getrieben wird, ist trotz der effizienten Produktionsweise enorm. Ein OK-Mitarbeiter, Frank Gremplewski, ist als Projektleiter für „Vor Ort“ abgestellt. Das Produktionspersonal an den Kameras und im Ü-Wagen besteht aus PraktikantInnen und ex-PraktikantInnen, die für ihre Einsätze ein kleines Honorar beziehen. Zwei Jahre lang, bis zur Anschaffung des neuen Fahrzeugs, mussten sie eine in Flightcases verpackte Bild- und Tonregie in die jeweiligen Veranstaltungsräume schleppen und dort verkabeln.
Die Anstrengung hat sich in jedem Fall gelohnt, der Imagegewinn für den OK ist enorm. Jürgen Linke, Leiter des Offenen Kanals Berlin, verhehlt nicht, worum es ihm geht: Über „Vor Ort“ hat er einen indirekten, aber stabilen Draht zu den politischen Entscheidungsträgern in den Parteien gespannt. Wenn, wie immer wieder in den vergangenen Jahren, die Oppositionspartei CDU im Berliner Abgeordnetenhaus die Abschaffung des Offenen Kanals fordert, dann ist der Leistungsbeweis „Vor Ort“ eminent wichtig. Und vielleicht führt das „Berliner Phoenix-Programm“ ja auch einmal dazu, dass die CDU auf ihren jährlichen und bisher immer erfolglosen Schließungsantrag verzichtet.

Author: Hans-Uwe Daumann
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