„Bilder sind Lebensmittel, die vor dem Verfall schützen.“

„Ich denke, dass die Medienpädagogik auch viele künstlerische Impulse gebrauchen kann.“ Prof. Dr. Dieter Wiedemann, Rektor der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam, verkörpert die pädagogische und die künstlerische Disziplin. In seiner Doppelfunktion als Vorsitzender der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) und als Hausherr begrüßte er am 21. November 2003 zweihundert Gäste in der „ältesten, gleichzeitig modernsten und größten deutschen Filmhochschule“.
Mit Grußworten und Einführungsreferaten begann in Potsdam-Babelsberg das diesjährige „Forum Kommunikationskultur“ der GMK, das die Begegnung zwischen Medienkunst und Medienpädaogik zum Thema erhoben hatte.


„Wie kommt es zu einer Bildung durch Bilder?“ – diese Frage stellte sich Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini, Kunstpädagoge und Psychotherapeut. Mit seinem bilderreichen, gedankenschweren und assoziativen Vortrag stimmte er die Besucher perfekt auf das Tagungsthema ein. „Bilder sind energiehaltig; also Lebensmittel, die vor dem Verfall schützen.“ Sie rühren an das Unbewußte, an eine Sphäre, die pädagogische Prozesse beeinflusst, von den Pädagogen aber kaum erreicht wird: Ein unausgesprochenes Konkurrenzverhältnis zwischen Lehrenden und den Medien ist das Ergebnis. Kinder und Jugendliche sind aber alles Andere als Medienopfer: Sie sind „nicht so blöde, sich tatsächlich (mit dem angebotenen Material der Medien) zu identifizieren“.
Prof. Franz-Josef Röll, seit Jahren einer der erfrischendsten Referenten der GMK-Foren, knüpfte auf seine Art an Pazzini an: Die Medienpädagogen seien „Kosmetiker“, Medienpädagogik das „Methadonprogramm der Wissensgesellschaft“. Der Mensch der Wissensgesellschaft sei vor allem Manager seiner selbst, permanent dabei, sein „Markenprofil“ zu überprüfen. Die Pädagogik der Zukunft sei „Pädagogik der Navigation“ in einem „Multiversum“ von Erfahrungen; sie habe sich an den Ressourcen und den Lebenswelten ihrer Klientel zu orientieren. Im besten Falle, wenn die Jugendlichen in medienpädagogischen Gruppenprozessen das Gefühl hätten, über sich heraus zu wachsen, stelle sich „Flow“ ein.


Ob „Flow“ auch auf Fachtagungen einen Platz hat, ist eine andere Frage. Der neuerbaute Glaspalast der Filmhochschule erdrückte die Exponate eingeladener Medienkünstler; das ursprünglich mehr international angelegte Konferenzprogramm war wegen eines ausgebliebenen EU-Zuschusses etwas zusammengestrichen worden. Dessenungeachtet hatten Workshopbesucher die Chance, die kunst- und medienpädagogischen Projekte von Designern, Fotografen, Theater- und Videomachern aus Europa und den USA kennen zu lernen. Die GMK selbst präsentierte sich auf ihrer Jahresmitgliederversammlung in guter Verfassung: Die innerverbandlichen Konflikte, die nach dem Tod des Gründungsvorsitzenden Dieter Baacke vor vier Jahren aufgebrochen waren, scheinen überwunden. Die anwesenden Mitglieder setzten eine Programmkommission ein und wählten einen Vorstand, der nur zwei neue Gesichter aufweist. Dieter Wiedemann tritt – nach eigenem Bekunden – seine letzte Amtszeit als GMK-Vorsitzender an. Ironische Pointe der harmonischen Jahreshauptversammlung: Der Ludwigsburger Medienpädagoge Horst Niesyto, der u. a. Urheber des Kunst/Pädagogik-Themas war und viel Zeit in die Vorbereitung des Potsdamer Forums investiert hatte, verlor seinen Vorstandssitz.

Author: Hans-Uwe Daumann
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