Aller guten Dinge sind 7: Radioschein in Ludwigshafen

Zum dritten Mal führt das Bildungszentrum BürgerMedien den „Radioschein“ durch. Saarbrücken und Freudenstadt waren bisher die Orte, an denen die siebenteilige Seminarreihe stattfand, nun ist der Offene Kanal Ludwigshafen dran, der für dieses Projekt mit den Mannheimer nichtkommerziellen Radios Bermudafunk und Radio Aktiv kooperiert. Am 3. März startet der Radioschein 2004 mit einem Vorbereitungsabend. conneX stellt 7 Fragen an die Referentinnen Susan Jones und Ulrike Werner:

 

Der „Radioschein“ verspricht eine umfassende Einführung in die Gestaltung von Radiobeiträgen. Welches Gewicht haben dabei technische Kenntnisse, und wie stark ist der Kurs journalistisch ausgerichtet?

 

Die beiden Aspekte gehen Hand in Hand. Beim Radiomachen ist Technik eine notwendige handwerkliche Voraussetzung, ein unerläßliches Hilfsmittel. Das beginnt beim Umgang mit dem Reportagegerät, mit dem tontechnisch einwandfreie Originaltöne, Geräusche und Atmos aufgenommen werden. Dann werden Sprechtexte und Musik einwandfrei aufgenommen, geschnitten, gemischt. Doch das ist „nur“ die notwendige Grundlage, um ein journalistisches, inhaltliches und gestalterisches Konzept umzusetzen. Wir erarbeiten journalistische Grundlagen, üben redaktionelles Vorgehen; lernen, wie man erzählt und Spannung erzeugt; wie man aktuell reagieren kann, und setzen uns mit den Besonderheiten des Radios auseinander, seinen besonderen „radiophonen“, akustischen Gestaltungsmöglichkeiten – O-Ton, Atmo, Geräusch, Klang, Musik.

 

In der Ausschreibung heißt es, der Kurs sei für AnfängerInnen genauso wie für fortgeschrittene RadiomacherInnen geeignet. Was bietet der Kurs denjenigen, die schon in einem nichtkommerziellen Radiosender aktiv sind?

 

Sie haben die Chance, unterschiedliche Präsentationsformen für sich zu erschließen.

Wir arbeiten mit „differenzierter“ Aufgabenstellung und betreuen nach gemeinsamen Einführungen individuell, geben individuelle Anregungen und Aufgaben. Das heißt, die TeilnehmerInnen können ihre Beiträge an ihrem jeweiligen Niveau ausrichten. Insofern können sowohl AnfängerInnen als auch Fortgeschrittene teilnehmen.

 

Sie haben den „Radioschein“ bereits zweimal durchgeführt; für welche Zielgruppen außerhalb nichtkommerzieller Radios ist der Kurs geeignet?

 

Für alle, die eine solide und umfassende Einführung haben möchten, wie man Radio macht. Sei es aus persönlichem Interesse, sei es im Hinblick auf eine mögliche berufliche Beschäftigung. – 

Ein paar Ideen:  Der Kurs ist z.B. für Abiturienten und Abiturientinnen geeignet, die sich beruflich orientieren möchten, und mit dem erfolgreichen Abschluss des Radioscheins (Zertifikat und Arbeitsproben) sich für ein Praktikum bei einem Sender bewerben möchten. – Frauen, die z.B. gerade im Erziehungsurlaub sind, und sich weiterbilden möchten. – Lehrer/Lehrerinnen, die im Deutschunterricht mit dem Medium Radio arbeiten möchten -z.B. Hörspiele anbieten möchten, oder Interviews führen und bearbeiten möchten; Studenten/Studentinnen, die daran denken, in den Medien zu arbeiten; Senioren, die eine neue Möglichkeit kennen lernen wollen, sich mitzuteilen; Arbeitslose, die ein neues, vielleicht auch berufliches, Betätigungsfeld suchen; Migranten/Migrantinnen, die lernen möchten, ihre Interessen in Radiobeiträgen mitzuteilen; und und und.

 

In Ludwigshafen findet der Radioschein erstmals in einer Einrichtung statt, die bisher nicht für Radioaktivitäten bekannt war – dem Offenen Kanal. Was bringt der Einblick in die Radiowelt denjenigen, die sich bisher vielleicht eher für Fernsehen oder Printjournalismus interessierten?

 

Sich ein neues und interessantes Medium zu erschließen, das etwas „schneller“ ist als Fernsehen, das zusätzlich zum Print die Tonspur bietet, auf der mit O-Tönen, Atmosphären („Atmos“), Klang, Geräusch, Musik sehr viel und sehr abwechslungsreich erzählt werden kann.

Journalistische und redaktionelle Vorgänge sind in allen Medien ähnlich. Hier können die Teilnehmer/innen übertragbares Wissen anwenden und vertiefen. Interviewführung, Sprechen und Moderieren, akustische und musikalische Gestaltung von Beiträgen, Reportagen schreiben, Meldungen schreiben, im Team die Sendungen planen, diskutieren, auswerten – das kommt auch den Fernsehleuten zu Gute. Den Printjournalisten kommen die Einheiten zum Interviewführen, Schreiben und Erzählen (Reportagen, Meldungen, Berichte) zugute.  

 

Müssen Radiomenschen besonders große Ohren haben, oder, anders ausgedrückt: Welche Voraussetzungen müssen Radioschein-TeilnehmerInnen mitbringen?

 

Die Teilnehmer/innen sollten vor allem Interesse und Neugier mitbringen. Und die Bereitschaft, an allen Bausteinen intensiv mitzumachen. TeilnehmerInnen sollten mindestens  16 Jahre alt sein. Die Teilnahme an den Bausteinen ist verbindlich – da die Inhalte aufeinander aufbauen. Außerdem arbeiten die Teilnehmer/innen in der Zeit zwischen den Bausteinen selbständig an kurzen Radiobeiträgen. Aber keine Angst – wir bereiten alles gut vor!

 

Der Radioschein besteht aus sieben zweitägigen Bausteinen – welche Rolle spielen die „Hausaufgaben“ zwischen den Seminaren?

 

 Die „Hausaufgaben“ sind das Herzstück des Seminars. Denn hier wenden die TeilnehmerInnen selbstständig an, was sie gelernt haben. Wir hören alle Hausaufgaben-Beiträge gemeinsam an und sprechen darüber. D.h. sie führen ein Interview, machen eine Mischung mit Sprache und Musik, produzieren einen gebauten Beitrag, eine Reportage und einen Beitrag nach Wahl.

 

Am Ende des Kurses gibt es ein Zertifikat. Können Sie etwas darüber sagen, was die TeilnehmerInnen bisheriger Durchgänge mit ihren neu erworbenen Kenntnissen gemacht haben?

 

Eine Teilnehmerin wechselt ihren Beruf. Sie hat genügend Selbstvertrauen bekommen, sich einen Medien-Studiengang zuzutrauen. Mehrere TeilnehmerInnen haben Praktika im privaten Rundfunk und im öffentlich-rechtlichen bekommen. Ein Teilnehmer, der in Deutschland Asyl gefunden hat und im nichtkommerziellen Rundfunk bisher in seiner Muttersprache Sendungen gemacht hat, traut es sich jetzt zu, auf deutsch zu senden. Und möchte in sein Heimatland sein neuerworbenes Wissen mitbringen. Eine andere Teilnehmerin ist beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Projekt-Ingenieurin eingestiegen. Ein Teilnehmer bildet seine Stimme weiter aus. Teilnehmer/innen aus dem NKL sind schneller, gezielter, sicherer bei ihren Beiträgen – und trauen sich Dinge zu, an die vorher nicht gedacht hatten. Einige Teilnehmerinnen machen nun Hörspiele im nichtkommerziellen Rundfunk. Zwei, drei Teilnehmer/innen können ihre Kenntnisse selbst weitervermitteln.

Author: Redaktion
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