Brecht, Buckow, BOK: Klausur am Schermützelsee

Buckower Elegien – einige seiner schönsten, einige melancholische, einige sehr politische Gedichte hat Bertolt Brecht in dem kleinen Kurstädtchen Buckow in der Märkischen Schweiz geschrieben. Hier besaß er von 1952 bis zu seinem Tode ein Sommerhaus. Der Bundesverband Offene Kanäle begann seine Klausur von 2. – 4. April 2004 in Buckow mit einer Besichtigung des „Brecht-Weigel-Hauses“. Seine im Zusammenhang mit Offenen Kanälen öfter zitierte „Radiotheorie“ hat Brecht hier ja nicht geschrieben, und überhaupt gab es eher einen anderen Anlass für die Ortswahl: Seit 7 Jahren finden hier auch die von dem Journalisten Klaus-Dieter Felsmann initiierten „Buckower Mediengespräche“ statt.

Beginnend mit den „7 Thesen von Kleinich“ hat der Bundesverband Offene Kanäle in unregelmäßigen Abständen Positionspapiere erarbeitet. Die Thesen, die der Verband 1994 in dem Moselörtchen Kleinich nach harter Diskussion verabschiedete, stellen den bis heute akzeptierten Minimalkonsens der Offenen Kanäle dar: „Offener Kanal ist lokales oder regionales Radio oder Fernsehen, das allen Bürgerinnen und Bürgern den freien und gleichberechtigten Zugang zu diesen elektronischen Medien garantiert“, lautet These 1. Zum 5. Jahrestreffen Offener Kanäle in Berlin 1998 veröffentlichte der Bundesverband eine „Erklärung“, die Offene Kanäle in einen erweiterten Rahmen stellt. Neben den Stichworten „demokratische Kultur“ und „lokale Kommunikation“ taucht dabei erstmals auch die „Medienkompetenz“ auf. Im Folgejahr lud der BOK Vertreter internationaler Bürgersender nach Berlin ein und verabschiedete die „Berlin Declaration: Open Channels in Europe“.

Europa spielt in den Überlegungen der OK-Verantwortlichen eine immer größere Rolle; das belegen europäische Kooperationsprojekte, ob in Münster oder der Südwestpfalz, und Tagungen wie die 2004 zum dritten Mal geplante „European Media Literacy Conference“ in Berlin. Der europäische Gedanke fließt auch in den Text ein, den der Bundesverband beim kommenden Jahrestreffen vorlegen will. „20 Jahre Offene Kanäle – Mut zur Demokratie“ wird das Treffen überschrieben sein, und zu den prominenten Festrednern, die bereits zugesagt haben, gehören Cornelia Schmalz-Jacobsen, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Ausländer a. D., und Bernhard Vogel, der als Ministerpräsident sowohl in Rheinland-Pfalz als auch in Thüringen Offene Kanäle gefördert hat.

Das Positionspapier, das während der BOK-Klausur am Schermützelsee entworfen wurde, spiegelt wieder, was in 20 Jahren Offener Kanäle erreicht wurde. BOK-Vorsitzender Jürgen Linke hatte Prof. Dr. Bernd Schorb von der Universität Leipzig als Gast zur Klausur geladen. Er übernahm die Rolle des Moderators mit Außensicht und half, das Profil Offener Kanäle zu schärfen und ihre Spezifika herauszuarbeiten. Nicht immer scheint die Sonne auf die Offenen Kanäle; zur BOK-Klausur jedenfalls zeigte sich der Wettergott gnädig: Während im übrigen Deutschland Regenwolken aufzogen, blieb es rings um Buckow ungewöhnlich warm und schön.

 

Foto: Brechts Geist? Klausurteilnehmer vor dem Brecht-Weigel-Haus in Buckow 

Author: Hans-Uwe Daumann
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