Wunschlos glücklich: Offener Kanal Nordhausen

„Schnatterladen“, „Girly Power“ und „Hühnertreff“ heißen Sendungen des Offenen Hörfunkkanals Nordhausen OKN auf 100,4 MHz. Junge Mädchen sind die Macherinnen. „Gruppen von vorpubertären Mädchen sind für 7 oder 8 Sendungen verantwortlich“, meint Olaf-Schulze, der Leiter. „Wenn die ersten Mädchen dann aber Freunde haben, gehen diese Gruppen meist auseinander.“ Auch in Nordhausen sind Frauen (und Mädchen) im Offenen Kanal unterrepräsentiert. Aber sonst?

1995 kamen Nordhausener auf die Idee, einen Offenen Kanal zu gründen. Bis heute ist Dr. Klaus Zeh, CDU-Politiker und inzwischen thüringischer Familienminister, Vorsitzender des Trägervereins. Die Thüringische Landesmedienanstalt TLM bewilligte der 50.000-Einwohner-Stadt einen Radiosender; im Frühjahr 2000 ging der OK auf Sendung.

Ein prominenter CDU-Politiker als OK-Vorsitzender in einer SPD-regierten Stadt? Kein Problem. Gewerkschaftliche und noch stärker linksgewirkte Sendungen in diesem OK? Kein Problem. Der Minister-Vorsitzende hält sich im OK völlig zurück; macht eigene Sendungen bestenfalls zum Thema Kirchenmusik. Und die Stadtoffiziellen mögen „ihren“ Sender. Gelebte Demokratie.
400 Nutzer stehen im OK-Adressbuch. Treue Fans des Prinzips Selbermachen; ein großer Teil von ihnen arbeitet regelmäßig mit und sorgt dafür, dass der OK keine Mühe hat, sein Wochenprogramm zu füllen. Wenn das so weiter geht, fällt es den OK-Mitarbeitern demnächst schwer, die nächtliche „Schutzzone“ des Frequenzuntermieters BBC World von 0 bis 6 Uhr freizuhalten.
Der Programmablauf folgt der reinen OK-Lehre in thüringischer Lesart. Feste Sendeplätze gibt es nur, so lange sich keiner in die „Schlange“ an der Sendeanmeldung drängt. Bis jetzt hat das System alle Proben bestanden. Die Hörer finden ihre Lieblingssendung meist am gewohnten Platz. Zwei Schienen hat das OK-Team selbst eingezogen: Morgens um 8 Uhr kommt 5 Minuten „Tierheim aktuell“, nachmittags gibt es stündlich „OKN – Der Tag“. Nachrichtenlieferant ist ein lokaler Internetservice, der von einem Journalisten der „Landeswelle Thüringen“ gespeist wird. Konkurrenzgerangel der Profis? Fehlanzeige.
Thema Qualität: Der Liveanteil nimmt ab, immer häufiger werden Sendungen sorgfältig geschnitten und bearbeitet. Weiterbildungsangebote sorgen dafür, dass jeder, der das möchte, sich in Sprechtechnik und Moderation vervollkommnen kann. Zugestanden: Nicht allzu viele beteiligen sich daran.
Thema Medienkompetenz: In Thüringen ist für fünfte resp. sechste Klassen eine bestimmte Stundenzahl Medienkunde vorgeschrieben. Nordhausens Lehrer schätzen den außerschulischen Lernort Offener Kanal inzwischen sehr, belegen fleißig Fortbildungen im Hörfunkstudio und produzieren dabei eigene Beiträge. OKN nimmt am TLM-Kinderprojekt „Rabatz“ teil – eine Medienpädagogin pendelt zwischen Nordhausen und dem Leinefelder „OK Eichsfeld“.

 

Die zweite Lizenzperiode von OKN begann vor einigen Monaten. Damit verbunden spendierte die TLM eine Runderneuerung der Produktionstechnik. Aus den Studioräumen im 8. Stock eines ehemaligen Klinikgebäudes am zentralen August-Bebel-Platz schauen die OK-Nutzer über die Dächer der Stadt. „Von den betreuten Lebenshilfe-Mitarbeitern bis zu Pfarrern und Professoren kommen alle zu uns“, meint Olaf Schulze. 2004 feiert Nordhausen ein halbes Jahr lang Landesgartenschau. Noch werden Blümchen gepflanzt, am 24. April wird die Schau im Stadtzentrum eröffnet. So viel ist jetzt schon klar: Der Offene Kanal wird mit vielen Reportagen und Liveschaltungen vor Ort dabei sein.

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

Kommentare sind geschlossen.