Kurz und gut: Kirche statt Hallenbad

Der Protagonist stand fest: Mike, 19 Jahre, ist ein langhaariger „Kiffertyp“, und arbeitet als Hausmeister im alten Hallenbad. Eines Tages streift er allein durch die verwinkelten Gänge, öffnet eine Tür, und da ….
Das eigentliche Drehbuch des Kurzfilms war von den Teilnehmern am ersten Tag des Ferienworkshops „Kurz&Gut“ auszuarbeiten. Pech nur, dass die vorgesehene Location „Altes Hallenbad“ für den Workshop verschlossen blieb. Netterweise erklärte sich der Pfarrer der Ludwigshafener Apostelkirche bereit, sein Gotteshaus zur Verfügung zu stellen. Das liegt nur 5 Minuten Fußweg entfernt vom Offenen Kanal Ludwigshafen, in dem von 13. bis 16. April 2004 der Kurzfilmworkshop stattfand.


Martin D’Costa, Filmemacher und frisch diplomierter Kameramann, und Carmen Henschke, aktiv in den Offenen Kanälen Hassloch und Ludwigshafen, hatten den Workshop geplant. 13 junge Filminteressierte zwischen 14 und 26 Jahren hatten sich angemeldet, für die Finanzierung sorgten das Bildungszentrum BürgerMedien und der Bundesverband Jugend und Film. 1 Tag Einführung und Drehbucharbeit, 2 Tage Aufnahmen, 1 Tag Rohschnitt sah die Planung vor. Die neue Location, der riesige neugotische Kirchenraum mit Emporen und steiler Turmtreppe inspirierte die Workshopgruppe zu einer Geistergeschichte mit überraschenden Wendungen. Teilweise in Arbeitsgruppen, teilweise im Plenum entwickelten die Teilnehmer Charaktere und Handlung, schrieben Szenen und lösten sie in einzelne Kameraeinstellungen auf.
Die Umsetzung begann am nächsten Morgen. Zum ersten Mal in ihrem Leben versuchten sich die Nachwuchsfilmer darin, in der üblichen Arbeitsteilung zu arbeiten: Regie, Kamera, Ton, Licht, Schauspieler für „Mike“, seine Freundin und den Geist, dazu Script, Maske und Requisite. Die schwierigste Aufgabe hatte dabei der Regisseur resp. die Regisseurin (die Funktionen wechselten von Szene zu Szene). Der Mensch, der selbst nichts in der Hand hält, muss den Gebietern über Kamera, Tonangel und Scheinwerfer sagen, was sie zu tun haben. Und gerade Kameraleute sind ja bekannt eigensinnig … Der große Altersunterschied zwischen jüngsten und ältesten Workshopteilnehmern machte sich ganz anders bemerkbar, als zu erwarten war: Die beiden Youngster Katharina Drackert und Silke Mosbach waren nämlich – als Mitglieder der Jugendredaktion des Offenen Kanals – durchaus kamera- und schnitterfahren und konnten den Älteren manchmal etwas vormachen. Trotzdem gingen Vorkenntnisse, Erwartungen und Ideen der Teilnehmer sehr weit auseinander; ein Punkt, den die Veranstalter bei der nächsten Ausschreibung entsprechend berücksichtigen wollen.
Ein workshopspezifisches Problem ergab sich beim Schnitt: Postproduktion ist die vergleichsweise einsamste Arbeitsphase eines Kurzfilms. In diesem Fall arbeiteten zwei Kleingruppen parallel an 2 Filmteilen und einem kurzen „Making off“. Beide Teile des Filmrohschnitts wurden vor der abschließenden „Premiere“ montiert.

So konnten alle Teilnehmer noch vor Ort die Frucht ihrer Bemühungen (allerdings in einer nicht ganz ausgereiften Form) betrachten. Domenika Dudzik aus Trier erklärte sich bereit, den Rohschnitt zu vervollkommnen, Titel und Musik hinzuzufügen; parallel will eine Gruppe um Jean Mikhail (den „Geist“) im Offenen Kanal Ludwigshafen eine „endgültige“  Schnittfassung  erstellen. So wird es am Ende zwei leicht unterschiedliche Kurzfilme geben, die im Doppelpack zur Sendung kommen und für die Teilnehmergruppe kopiert werden. Beteiligte und Zuschauer können dann frei entscheiden, welche Fassung für sie die gültige ist.

Author: Hans-Uwe Daumann
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