Bürgermedien in der digitalen Rundfunklandschaft

Die Tagung, veranstaltet von der MSA zusammen mit den Firmen HMS, HL-Komm und Siemens, gabt einen theoretischen und praktischen Einblick in die derzeit verfügbaren Lösungen zur Aufbereitung und Übertragung von komprimierten Audio- und Videodaten. Dabei handelte es sich im wesentlichen um die Vorstellung des Systems „VXG 5“ der Fa. HMS mit dem Audio- und Videodaten komprimiert und auf eine Übertragungstrecke gegeben werden (Encoder) sowie auf der Gegenseite wieder decodiert werden. Ziel dieses Systems (und ähnlicher Systeme anderer Hersteller) ist es, die teuren Leitungszuführungen zwischen Studio und Kabelkopfstation einzusparen und auf kostengünstigere Übertragungsstrecken auszuweichen.

 

Die Thematik wurde im Rahmen von vier Referaten dargestellt:
Zunächst wies der Geschäftsführer der MSA, Herr Schurig, in seinem Einführungsvortrag auf die Bedeutung der Offenen Kanäle in Sachsen-Anhalt und bundesweit hin. Insbesondere die Anerkennung der generationenübergreifenden Arbeit OffenerKanäle sowie ihr unverzichtbarer Beitrag zur Förderung von Medienkompetenz sollte durch Schaffung eines bundesweiten Medienpreises öffentlichkeitswirksam zum Ausdruck gebracht werden. Darüber hinaus sei es unverzichtbar, auch die Programmzuführung der bereits mit digitaler Technik erzeugten Beiträge ebenfalls zu digitalisieren, um von den dann möglichen Kosteneinsparungen zu profitieren.


Die Möglichkeiten der satellitengestützten Programmverteilung stellte Herr Ralf Lenk, ehemaliger Chefingenieur des ORB, anhand des Skyplex Data Systems von Eutelsat vor. Durch die dezentrale Uplinkmöglichkeit kann von überall her und mit beliebig vielen „Einspeispunkten“ die Programmzuführung zum Satelliten mit herkömmlicher Technik realisiert werden. Entsprechend ist auch der Empfang der im Satelliten zusammengestellten Programmpakete überall in Zentraleuropa möglich. Das System ist besonders dann geeignet, wenn es von mehreren Anbietern zusammen genutzt wird, die sich dann die Kosten teilen (ca. 250.000 ¤ Einmalkosten und ca. 16.000 ¤ mtl. Betriebskosten). Für Brandenburg wurde ein Pilotprojekt konzipiert, um die Leistungsfähigkeit des Systems nachzuweisen.


In einen zweigeteilten Vortrag stellte der Geschäftsführer der Firma HMS, Herr Mistol, die Möglichkeiten der Digitalen Sendeablaufsteuerung DiSA und des o.g. VXG 5-Systems vor. Mit Hilfe der DiSA können nicht nur Multiplaylisten erstellt werden, die auch automatisch exportiert werden können (z.B. um aktuelle WWW- oder Videotext-Daten zu erzeugen), sondern es können auch weitere Objekte (Logo, Lauftext, 3D-Objekte) eingefügt werden. Da in dem System bereits ein Bildmischer enthalten ist, können beliebige Übergangseffekte und auch analoge Zuspielungen realisiert werden. Aufgrund einer intelligenten Datenverwaltung sind Änderungen der Playlisten bis kurz vorm Sendetermin möglich.
Mit dem System VXG 5 steht ein digitales Übertragungssystem zur Verfügung, das echtzeitfähig ist und mit dem auch Videotext-Daten übertragen werden können. Es verfügt über einen robusten Synchronisationsmechanismus, so dass unabhängig vom gewählten Kompressionsalgorithmus (es sind alle gängigen Algorithmen verwendbar) auch nach Störungen Bild und Ton synchron übertragen werden. Das System ist in der Lage, die Komprimierung entsprechend der Kapazität der Übertragungsstrecke anzupassen. Für die in Sachsen-Anhalt verwendete Übertragung über einen DAB-Block wurde ein zusätzlicher Fehlerschutz integriert, so dass auch hier eine sichere Übertragung gewährleistet ist. Für die Übertragung der Videodaten verbleibt in diesem Fall noch ca. 1 MBit/s. Steht eine höhere Übertragungsrate in mehreren Kanälen zur Verfügung, kann das System die zu übertragenden Daten intelligent auf die verschiedenen Kanäle verteilen. Eine Übertragung über DSL (auch SDSL) ist ebenfalls möglich aber nicht echtzeitfähig, da die max. Übertragungsrate bei diesen Systemen nicht garantiert wird und erfahrungsgemäß in der Praxis auch nicht durchgängig erreicht wird.


Beide Systeme (DiSA und VXG 5) waren vorführbereit aufgebaut und wurden in den Pausen demonstriert.
In seinem Abschlussvortrag stellte Herr Richter die zeitliche Entwicklung des Pilotprojektes in Sachsen-Anhalt vor, von den ersten Überlegungen im Juni 2001 über den Vertragsabschluss mit den beteiligten Firmen (HMS, Siemens, T-Systems, Heinrich-Hertz-Institut, Rhode&Schwarz) im März 2002, über viele Fehlschläge und Nachbesserungen bis zum heute professionell einsetzbaren System, mit dem ein Lokal-TV Sender von Plettstedt bei Weissenfels per DAB-Übertragung ca. 15 Kabelkopfstationen mit seinem Programmsignal versorgt. Für die gesamte Verbreitung entstehen ca. 2 bis 3.000 ¤ mtl. Kosten. Aufbauend auf dem derzeit im Aufbau befindlichen System ist im Rahmen eines weiteren Pilotprojektes geplant, die mobile Empfangbarkeit (Handhelds und mobile Kleinbildschirme) zu realisieren.
Des Weiteren wurde ein System der Fa. VTQ zur Richtfunkübertragung bei 13 GHz gezeigt (kein realer Betrieb), das in der Lage ist, bidirektional 10 MBit/s über max. 40 km zu übertragen. Die nächste Stufe dieses Systems soll bereits einen Übertragungsrate von 100 MBit/s erreichen. Allerdings liegt der Preis eines solchen Systems mit ca. 120.000 ¤ sehr hoch.

Author: Hartmut Runge / LPR Rheinland-Pfalz
E-Mail: hartmut.runge@lpr-online.de

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