Bildungszentrum startet Inter.Media

2 Jahre Vorbereitungszeit hat dieser Tag gekostet: Partner aus den EU-Ländern Österreich, Ungarn, Frankreich, Tschechien und Irland, aus dem Kandidatenland Türkei und dem  EU-Ausland Schweiz wurden gewonnen, bevor der vom Bildungszentrum BürgerMedien koordinierte Projektantrag die Mühlen der EU-Kommission in Brüssel durchlief. Die endgültige Bewilligung von EU-Mitteln aus dem Programm Sokrates Grundtvig kam im Oktober, gerade rechtzeitig vor der Konferenz, mit der das Projekt „Inter.Media“ am 19. November 2004 in Frankfurt gestartet wurde.  „Interkulturelle Bildung für die nicht-kommerzielle Medienarbeit in Europa“ ist  der Untertitel des Projekts und gleichzeitig eine bündige Zielbeschreibung. 100.000 Menschen in Europa wirken haupt-, neben- oder ehrenamtlich in Bürgermedien mit. „Inter.Media“ wird in den kommenden zwei Jahren Materialien zur Fortbildung von Multiplikatoren in diesen Medienorganisationen erarbeiten. Diese Lehr- und Lernmittel werden in Form von drei Modulen eines „Intercultural Media Trainings“ realisiert. Die Projektpartner werden dazu ein Handbuch veröffentlichen und streben die Zertifizierung der Fortbildung an.

 

Bei der Startveranstaltung in Frankfurt gab Angela Isphording von „Eine Welt der Vielfalt“ einer Teilnehmergruppe einen Einblick in ihr „Trainingsprogramm für interkulturelle Kompetenz“. Als Referentin ist sie ansonsten mit zwei- bis fünftägigen  Trainingsseminaren von Berlin aus in Deutschland unterwegs. Themen sind (nicht nur) interkulturelle Vorurteile und Diskriminierungen. Zum Stuhlkreis des Inter.Media-Workshops gehörte eine in Algerien geborene Mitarbeiterin der Pariser Organisation EPRA, die ein über Satellit verbreitetes  Radioprogramm mit den Schwerpunkten Migration, Rassismus, Diskriminierung und Integration koordiniert, des weiteren eine in Dublin lebende Spanierin, die dort beim Stadtteilsender „Near-FM“ mitwirkt. Sie mussten nicht lange nachdenken, um über diskriminierende Erfahrungen in ihrem Alltag berichten zu können.

 

Inter.Media setzt auf fachliche und interkulturelle Bildung. „Intercultural Media Training“ soll der Zielgruppe sowohl zu besseren journalistischen Grundlagen als auch zur verbesserten Nutzung interkultureller Chancen in den Bürgermedien verhelfen. Dabei setzt das Projekt zunächst darauf, gute Praxis-Beispiele zu recherchieren. Prof. Dr. Birgitta Busch vom „Center for Intercultural Studies“ in Klagenfurt berichtete von einem Vergleich des Spracheneinsatzes bei „Radio Multikulti“ in Berlin und bei Freien Radios wie dem Wiener „Radio Orange“. Während das öffentlich-rechtliche Radio Multikulti Minderheitensprachen streng nach Proporz in kleine Schubladensendungen am Abend verdrängt – tagsüber wird nur in Deutsch moderiert – verfügt Radio Orange über echte multilinguale Sendungen. Am Beispiel einer Fußballreportage in den zwei Sprachen Deutsch und Türkisch verdeutlichte Prof. Busch das Potential neuer multilingualer Darstellungsformen.

 

Der Mord an dem Regisseur Theo van Gogh in den Niederlanden hat eine Diskussion beflügelt, in der viele das „Ende der Multikulti-Euphorie“ fordern. Die Berichterstattung und die Kommentare der „großen Medien“ deuten darauf hin, dass breite gesellschaftliche Kreise die Hoffnung auf und/oder das Interesse an Integration und Interkulturalität verloren haben. In Frankfurt wies Dr. Beate Schmidt-Behlau vom deutschen Volkshochschulverband auf einige Grundbedingungen erfolgreicher interkultureller Bildung hin.  Freiwilligkeit der Teilnehmenden gehört ebenso dazu wie die Langfristigkeit des Bildungsprozesses und die Anerkennung interkultureller Kompetenz als „basic skill“. Auch in Zeiten, in denen sich Migrations- und Minderheitenpolitik eher ungünstig verändern, gibt es ein relevantes Potential von „Freiwilligen“, die sich medial für Interkulturalität einsetzen. Inter.Media weist darauf hin, dass dieses Potential in alten und neuen EU-Ländern und in der EU-Nachbarschaft gleichermaßen existiert, auch wenn sich Bürgermedien national jeweils unterschiedlich organisieren. Mit dem geplanten „Intercultural Media Training“ leistet das Projekt einen Beitrag dazu, diesem Engagement eine langfristige Perspektive zu geben.

 

Foto: Katja Friedrich, Geschäftsführerin des Bildungszentrums BürgerMedien, begrüßt die TeilnehmerInnen des Inter.Media-Starts am 19. November 2004 in Frankfurt.

Author: Hans-Uwe Daumann
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