inter.media: „Herr Linder, was machen Sie gerade?“

„Herr Linder, was machen Sie gerade?“

 

Zur Zeit beginnt die inhaltliche Arbeit am Projekt auf vollen Touren. In wenigen Tagen wird es in Budapest das erste Partnertreffen zur inhaltlichen Entwicklung unseres Trainingsprogramms geben. Dieses Treffen habe ich organisatorisch und inhaltlich vorbereitet. Dafür habe ich mich auch nochmal in die Tiefe der wissenschaftlichen Diskurse über interkulturelle Pädagogik, Medien- und Rassismustheorien begeben. Eine wichtige Aufgabe des Partnertreffens wird sein, eine gemeinsame theoretische Basis für die Entwicklung der Intermedia-Trainingsmodule zu finden. Das ist gar nicht so einfach, denn es gibt sehr unterschiedliche theoretische Ansätze. Interkulturalität ist nicht gleich Interkulturalität. Hinter den unterschiedlichen Ansätzen verbergen sich unterschiedliche Gesellschaftsbilder und -theorien, die in der Praxis auch zu sehr unterschiedlichen Konzepten führen. Für die inhaltliche Zielfindung des Projekts Intermedia ist es deswegen wichtig, eine konsensfähige gemeinsame Basis zu finden. Die Komplexität dieser Aufgabe steigt auch dadurch, dass es ein internationales Projekt ist. Die für Deutschland spezifischen theoretischen Debatten und praktischen Erfahrungen in diesem Bereich sind zum Teil weit hinter den Entwicklungen im angelsächsischen und französischen Bereich zurück und kranken immer noch daran, dass es sich im herrschenden Diskurs erst nach und nach durchsetzt, dass Deutschland ein Einwanderungsland geworden ist, dessen kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt eine Chance und keine Gefahr ist.
Ganz konkret gehört zur inhaltlichen Vorbereitung des Partnertreffens auch die Fertigstellung erster Grobkonzepte für die Intermedia-Module, die dann beim Treffen in Arbeitsgruppen diskutiert werden können.
Außerdem habe ich in den letzten Tagen, unterstützt von Dr.Wolfgang Ressmann von der LPR, die Homepage für das Projekt so weit fertig gestellt, dass sie online gehen kann (siehe www.intermedia-online.org). Zusammen mit der Praktikantin Lena Monka arbeite ich des Weiteren an der Auswertung der Best-Practice-Beispiele, deren Recherche eine Hauptaufgabe aller Partner in den ersten vier Monaten des Projekts war. Die Partner haben Projekte und Workshops aus ihrer bisherigen interkulturellen Bildungsarbeit zusammen getragen. Die interessanten und erfolgreichen Erfahrungen aus diesen Beispielen werden in das Trainingsprogramm übernommen. Ansonsten habe ich als Projektkoordinator eine ganze Menge organisatorischer Arbeit zu tun. Es gab im Januar ein Partnertreffen mit den Kollegen aus der Türkei und aus Tschechien, die beim ersten Partnertreffen nicht dabei sein konnten. Wir haben Verträge mit den Partnerorganisationen abgeschlossen, die ersten Raten aus dem EU-Zuschuss an die Partner ausgezahlt und Ende Januar das erste Finanzcontrolling für das Projekt durchgeführt. Dafür mussten die Partner Berichte über ihre Aktivitäten und eine Aufstellung ihrer finanziellen Ausgaben abgeben. Daraus erstellen wir eine Gesamtübersicht über die finanziellen und inhaltlichen Aktivitäten des Projekts.

 

„Welche Inhalte können Bürgermedien-Interessierte – neben den zu erarbeitenden Trainingsmodulen – auf der Projekt-Website erwarten?“

 

Nun, gerade die Trainingsmodule werden vorerst auf dieser Homepage nicht sein, denn sie werden ja erst entwickelt. Die Intermedia-Homepage wird einen öffentlichen und einen internen Teil haben. Im öffentlichen Bereich gibt es neben aktuellen News vor allem Basis-Informationen über das Projekt. Es werden die Hintergründe und Ziele sowie die geplanten Aktivitäten im Rahmen des Projekts vorgestellt. Außerdem werden dort die Medienberichte, die über das Projekt verfasst werden, dokumentiert. Im Laufe der Zeit wollen wir dort auch international bedeutsame Dokumente zum Themenbereich des Projekts publizieren, das heißt inhaltlich interessante Texte werden dort zu finden sein. Auf diesem Teil der Homepage werden schließlich die Pilotseminare, die im Herbst stattfinden werden. vorgestellt und man kann sich dort auch online anmelden. Der interne Teil der Homepage wird nur für die Personen zugänglich sein, die im Rahmen der Projektpartnerschaft aktiv im Projekt arbeiten. Außer einem Download-Bereich mit projektinternen Dokumenten und theoretischem Material wird es dort vor allem Newsgroups geben, die von den verschiedenen internationalen Arbeitsgruppen zur Kommunikation zwischen den Projekttreffen genutzt werden können.


„Thema „internationale Arbeitsgruppen“ – wie läuft die praktische Arbeit in einem solchen Projekt; wird es viele persönliche Treffen geben – immer mit allen beteiligten Institutionen oder auch dezentral – oder setzen Sie weitgehend auf internet- und mailbasierte Arbeitsformen?“

 

Es wird insgesamt sechs internationale Treffen geben, mehr ist aus finanziellen Gründen nicht möglich. Nach der Auftaktkonferenz in Frankfurt kommt demnächst ein erstes Arbeitsgruppen-Treffen zur Erarbeitung der Module in Budapest, dann Ende Mai ein weiteres in Dublin. Nach den drei Pilotseminaren im Herbst (Stuttgart, Budapest, Dublin) gibt es ein Treffen am Jahresende in Prag, wo die Arbeit am Handbuch beginnt. Im nächsten Jahr folgt dann noch ein weiteres Partnertreffen in Salzburg und schließlich die Abschlusskonferenz im September 2006 in Paris. Diese Treffen sind für die Gruppenfindung und die interne Kommunikation sehr wichtig. Zwischen den Treffen arbeiten wir natürlich „virtuell“ vor allem per E-Mail, aber auch mit Newsgroups über die Homepage, aber die direkte Kommunikation und dann auch das gemütliche Beisammensein am Rande der Treffen ist unersetzbar.

 

„Wie viele Sprachen müssen Sie als Koordinator beherrschen?“

 

Die Arbeitssprache im Projekt ist englisch. Das kann ich ganz gut. Leider ist gegen die Allerweltssprache Englisch kein Kraut gewachsen. Es wäre schön, wenn man bei einem solchen Projekt auch andere Sprachen wie tschechisch oder französisch noch besser lernen könnte, aber das ist eher unwahrscheinlich.

 

„Die beiden deutschen Partnerorganisationen sind Bildungseinrichtungen. Wann und wie werden Bürgermedien in Deutschland von dem Projekt profitieren?“

 

Die Bürgermedien werden nach Ende des Projekts davon profitieren, wenn sie das wollen. Die entwickelten Kurse sind für den Einsatz vor allem im Bereich der Freien Radios gedacht. Wie das genau laufen wird, ist noch unklar, aber der Bundesverband der Freien Radios ist im Projektbeirat, in dem solche Fragen im Laufe der Zeit besprochen werden können.

 

Auf dem Foto von links nach rechts: Die Vertreterin des türkischen Projektpartners, des Gewerkschaftsverbands TURK-IS in Ankara, Pinar Alkan; Katja Friedrich, Geschäftsführerin des Bildungszentrums BürgerMedien; der Vertreter des tschechischen Projektpartners TOL – Transitions Online in Prag, Robert Hollback; Andreas Linder, Projektkoordinator – im Januar 2005 in Ludwigshafen.

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

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