Tide als Vorreiter in Produktion und Technik

Schluss mit dem Image von Wohnzimmer- Funk und halbprofessioneller Medienspielwiese! Die Hamburger Tide GmbH hat mit dieser Zielsetzung den Offenen Kanal an der Elbe neu organisiert und definiert. Hörfunk und Fernsehen entstehen jetzt aus einem Guss mit professioneller Technik und Organisation. Mit Innovationen nicht nur im Programm-Bereich sondern auch in der Organisation von Hörfunk und Fernsehen hat man bei Tide ein Konzept entwickelt, das bei den etablierten Medien zwar diskutiert aber bisher höchstens in Teilbereichen realisiert wurde: Die Konvergenz der Medien.

Das bedeutet nichts anderes, als das Radio und Fernsehen mit gemeinsamer technischer Plattform, redaktioneller Struktur und einer Corporate Identity – einem gemeinsamen Verständnis und Auftritt – ihren Markt bedienen und somit besser wiedererkennbar sind. Der Bürgerfunk der Hansestadt, der ganz nahe an der Media School angesiedelt ist, hat sich nachweislich zu einem attraktiven Medium an der Elbe entwickelt und wird durch die neuen Möglichkeit noch zeitgemäßer.

Obwohl die Programme in Hamburgs Bürgerfernsehen Tide TV und Bürgerradio Tide 96,0 nicht von professionellen Journalisten hergestellt und gestaltet werden, wirkt der Programmauftritt nicht minder professionell als bei den Mitstreitern im Markt.
Dabei unterstützt den Hamburger Fernseh- und Radiosender Tide innovative Technik ebenfalls aus der Hansestadt. „Ohne die installierte Software daccord 3.1 der daccord medien software GmbH wäre der Anspruch von  hoher Programmvielfalt mit einem eigenständigen, starken und durchgängigen Senderprofil bei der schmalen Personaldecke nicht zu realisieren“, ist sich Tide-Geschäftsführer Carsten Meincke sicher.

Tide, mit seinen beiden Hamburger Fernseh- und Radiosendern Tide TV und Tide 96,0 begreift sich dabei als organisatorische Plattform, die den Nutzern die notwendigen Ressourcen und das nötige Know-how zur Verfügung stellt, um hochwertige Qualitäten und wieder erkennbare Images zu gestalten. Auf diese Weise hat der Sender gezeigt, dass sich Bürgerfunk und ein eigenständiges Profil nicht widersprechen. Dazu gehört natürlich, dass man den Nutzern organisatorische Aufgaben abnimmt und es ihnen so ermöglicht, sich komplett auf die Stärke des Bürgerfunks zu konzentrieren: Bewegung, Dynamik und Wandel! Ganz entsprechend dem Motto des Senders  „Tide – immer anders“.

Immer anders.

Tide TV wartet mit den Themenschwerpunkten Kultur, Wissen und Bildung sowie urbanes Leben auf – das Programmspektrum reicht von Literatur- und Musiksendungen über Comedyformate und Talkshows, bis hin zu Lehr- und Schulfilmen. Darüber hinaus soll das Programm mit Info-Sendungen und Servicemagazinen zu Themen wie Suchtberatung oder Erziehung ausgebaut werden. Rechtlich möglich gemacht wurde dieser Ansatz durch eine Novelle des Hamburger Mediengesetzes vom 1. Juli 2003. Diese sieht vor, dass in der Stadt Hamburg jeweils ein Fernseh- und ein Radiokanal für Projekte der Kinder- und Jugendarbeit, der Integration und der Stadtteil- und Regionalkultur sowie zur Ausbildung betrieben wird. Die neu eingerichtete Rolle des Chefredakteurs von Tide hat Carsten Meincke übernommen. Die Trägerschaft von Tide liegt bei der neu geschaffenen Hamburger Media School. Um ein einheitliches Senderprofil mit einer Corporate Identity zu schaffen, hat man sich für das Content Management und Digital Broadcast System d’accord 3.1 der Hamburger d’accord media software GmbH entschieden.

Jeder Nutzer kann seine Sendung weiterhin selber „bauen“. Alle produzierten Inhalte werden aber auf einem zentralen Server abgelegt. Dabei ist es egal, ob es sich um eine fertige Fernsehsendung, einen Radiobeitrag, Rohmaterial oder das Muster einer Plattenfirma handelt. Denn das Content Management System d’accord unterscheidet weder zwischen extern und intern produzierten Inhalten, noch zwischen Formaten. Alle Redaktionen können bei Bedarf gleichzeitig und ohne Wartezeiten auf den gesamten Content zugreifen und von der Arbeit der anderen Redaktionen profitieren.

Volles Programm.

Die traditionellen Grenzen zwischen den Medienbereichen lösen sich damit dank d’accord 3.1 auf: Radioredaktionen können beispielsweise die Audio-Daten der Fernsehredaktion in Hörfunkbeiträge einbauen oder die Rechercheleistungen des anderen Bereichs für die eigene redaktionelle Arbeit nutzen. „Zusätzlich lässt sich mit dem System ein attraktives, das Programm in den Bereichen Fernsehen und Radio ergänzendes Internet-Angebot ohne großen Zusatz-Aufwand erstellen: Mit dem OnAir-Server lassen sich die bereits für Fernsehen und Radio vorproduzierten und im System geparkten Inhalte ins Internet stellen und die Zuschauer und Hörer beispielsweise mit der aktuellen Playlist und anderen Zusatzinformationen versorgen“, erklärt Carsten Meincke.

Tide TV betreibt den Sendebetrieb dabei in einem so genannten „Zwei-Stufen-Modell: Angehende Profis und versierte Amateure beliefern das Programmfenster des Radio- und Fernsehbereichs. Daneben bietet das „Testfenster“ Elbe-Seiten-Kanal auch Laien und Anfängern die Möglichkeit, sich in Fernsehen und Radio auszuprobieren. „Wir sehen die Einführung des d’accord-Systems deshalb auch als pädagogische Maßnahme: Jeder kann die Gelegenheit nutzen, sich auf Tide mit einem eigenen Format zu engagieren. Hohe Qualität erreicht man aber nur durch redaktionelle Arbeitsteilung.“, erklärt Carsten Meincke. „Und nur die Sendungen, die professionell genug sind, landen bei Tide im Hauptprogramm.“

Das Modul Themenplanung soll diese Entwicklung zusätzlich unterstützen und die Hemmschwelle für Anfänger, sich in der Gestaltung des Programms und von Inhalten zu beteiligen, niedriger legen: Im d’accord-Modul Themenplanung können hierzu die Aktivitäten und Themen der einzelnen Bereiche und Redaktionen gemeinsam geplant werden. „Dies ist besonders für einen kleinen Sender wie Tide wichtig, da uns einfach weniger technische und personelle Ressourcen zur Verfügung stehen als den großen Sendern“, erläutert Carsten Meincke. „Uns geht es deshalb mit dem System nicht um Einsparungen, sondern darum, die wenigen Mittel effizienter zu nutzen. Und das heißt vor allem, die Nutzer zu Gunsten des Produkts soweit wie möglich von organisatorischen Aufgaben zu entbinden.“ Und Meincke fügt hinzu: „Auf diese Weise sehen unsere Nutzer, dass die von uns im Interesse der Programmqualität gewünschte Zusammenarbeit keinen zusätzlichen, sondern vielmehr weniger Arbeitsaufwand bedeutet. Zudem erhöht die gemeinsame Planung, dass wichtige Termine und Themen tatsächlich bearbeitet und nicht verpasst werden.“

Automatisiertes Playout.

Zur Entlastung des Personals trägt auch die Programmstruktur von Tide bei: Zwischen den redaktionellen Beiträgen, deren Inhalte von den Nutzern geliefert werden, besteht ein Teil des Tide-Programms aus Musikschleifen und automatisierten Programmabläufen. Bisher bestand dabei aber der Nachteil, dass während des automatischen Playouts nicht mehr auf das Programm Einfluss genommen und die Playlists nicht mehr verändert werden konnten. „Gerade weil wir einen hohen Anteil automatisierten Programms haben, eignet sich eine elektronische Lösung wie zum Beispiel d’accord besonders für Tide“, erläutert Carsten Meincke. „Bei niedrigerem administrativem Aufwand ermöglicht uns d’accord 3.1 eine erhebliche Flexibilisierung der Programmabläufe und einen schnelleren, aktuellen Eingriff in das laufende Programm.“ Gleichzeitig vermeidet das System Sendelücken im Programm – vor diesen warnt d’accord 3.1  schon während der Programmplanung.

Das Programm kann in d’accord 3.1 durch Templates vorbearbeitet werden, die einzelnen Templates müssen dann nur noch mit Inhalten gefüllt werden. Damit entfällt bei einem viel niedrigeren Aufwand und technischem Know-how die tägliche Gestaltung der Sendelisten. Durch das einheitliche Content Management können vorproduzierte Sendungen wie einzelne Beiträge innerhalb des Programms abgespielt werden. Die Programmplanung kann in d’accord zudem angereichert mit Metadaten digital an Fernsehzeitschriften und andere dritte Anbieter weitergegeben werden, wobei die Programmankündigungen gleichzeitig individueller gestaltet und damit Inhalte effizienter beworben werden können.

Mit Vielfalt und Corporate Identity zum Zuhörer.

Mit d’accord 3.1 hat sich die „Durchhörbarkeit“ des Programms erheblich verbessert – so Meincke. Mit dem System lassen sich gezielt die Übergänge zwischen den Sendungen aufeinander abstimmen. „Das ist für einen Sender wie Tide mit seiner äußerst heterogenen Programmstruktur besonders wichtig“, erzählt Carsten Meincke. „Erst mit einer beherrschbaren Rotation entspricht das Programm dem angestrebten Profil des Senders und weniger den Geschmäckern der einzelnen Redakteure.“

Eine Corporate Identity, das hat sich für Carsten Meincke deutlich gezeigt, kann deshalb nur über die Bereitstellung einer professionellen Plattform geschaffen werden. „Wir schaffen Zugriff für alle Nutzer bei hoher Programmqualität. Obwohl wir mit dem gleichen Personal arbeiten, haben wir mit d’accord 3.1 eine bessere Zuhörer- und Zuschauerannahme“, erklärt der Chefredakteur stolz. „Wir werden bei thematischer und personeller Vielfalt von den Zuhörern nicht mehr als Bürgerfunk, sondern als professioneller Anbieter wahrgenommen.“ Ein mehr als positives Feedback gibt Carsten Meincke recht: Im Januar dieses Jahres wurde Tide 96,0 von den Lesern der Hamburger Morgenpost zum besten Hamburger Radiosender gewählt.

 

Carsten Meincke, Jahrgang 1963, ist seit April 2004 Geschäftsführer und Chefredakteur von Tide. Nach dem 1. Staatsexamen in Jura absolvierte er ein journalistisches Volontariat bei der Deutschen Fernsehnachrichten Agentur in Bonn, um im Anschluss als Auslandskorrespondent für den Nachrichtensender n-tv in Brüssel, Washington und London zu arbeiten. Zurück in Deutschland baute Carsten Meincke zunächst den technischen Sendebetrieb für den Homeshoppingkanal QVC in Düsseldorf auf, um dann die Nachrichtensendung CNN-Deutschland zu leiten. Nach einem Zwischenstopp bei Hamburg 1 wechselte er als Leiter Unternehmenskommunikation zu AOL Deutschland.

 

Jens Langenbach, Jahrgang 57, ist Hörfunkjournalist, Softwaretrainer, Berater für technologische Veränderungen in Medienunternehmen und Projektmanager.

 

www.tidenet.de
www.daccord.net

Author: Jens Langenbach
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

Kommentare sind geschlossen.