DVB-C, DVB-T, DVB-S, DSL: Rheinland-Pfalz digitalisiert

Eine halbe Million Haushalte, mithin 70 % aller verkabelten Rheinland-Pfälzer können einen Offenen Kanal empfangen. Um diese Zahl zu halten oder gar noch auszubauen, sind in den nächsten Jahren erhebliche finanzielle und technische Anstrengungen notwendig, das machte der Vortrag von Joachim Lehnert, LMK-Abteilungsleiter Rundfunktechnik, anlässlich des Tags der Offenen Kanäle  am 16.4.2005 in Trier deutlich.

 

2007 läuft der gültige Rahmenvertrag der LMK mit der Telekom-Tochter T-Systems aus. 154.000 Euro pro Jahr zahlt die LMK für die Leitungsverbindungen von den 28 Studios Offener Kanäle zu den jeweiligen Kabelkopfstationen. Nach den gültigen Allgemeinen Geschäftsbedingungen müssten es bis zu 350.000 Euro sein. Mit unterschiedlichen Strategien versucht die LMK, die Heranführung der Offenen Kanäle auch nach 2007 zu gewährleisten:
– Als alternative Technologien neben den herkömmlichen Videoleitungen werden DSL, das künftig bis zu 8 Mbit erlauben wird, aber auch Richtfunk- und Satellitenübertragung geprüft.
– In Rheinland-Pfalz senden Offene  Kanäle 24 Stunden jeden Tag; oft aber Wiederholungen oder Infotextseiten. Durch die Installation von Servern in den Kabelkopfstationen könnte die Nutzungszeit von Heranführungsleitungen auf wenige Stunden am Tag reduziert werden.
– Durch die regionale Vernetzung mehrerer Offener Kanäle könnte wiederum der Programmoutput gesteigert, der Leitungsbedarf aber verringert werden. Mehrere größere „Stützpunkt-OKs“ im Lande wären dann regional für die Sendeabwicklung verantwortlich.
– Ebenfalls in der Prüfung ist die Frage, ob Offene Kanäle im Zeitalter der Digitalisierung weiter per Kabel verbreitet werden müssen. Digitale terrestrische  Sender scheiden wegen der hohen Kosten und der begrenzten Nutzung weitgehend aus. Satellitenempfang ist in Rheinland-Pfalz ähnlich verbreitet wie Kabelempfang; die digitalen Transponderkosten liegen bei 600.000,- Euro, Tendenz sinkend. Die entscheidende Hürde besteht darin, wie aus 28 Offenen Kanälen ein „Rheinland-Pfalz-OK-Sat“-Programm zu generieren wäre. Diese Frage verweist wieder auf das Problem der Leitungskosten. DSL, das heißt Internet-Streaming, wird als Ergänzung, aber nicht als Ersatz für den Kabelempfang betrachtet.


In der Südwestpfalz existiert der gleichnamige Offene Kanal, der aus netztechnischen Gründen von 4 Studios aus sendet. Mit einem DSL-Versuch testet die LMK in Kooperation mit der Fachhochschule Zweibrücken, ob sich der Programmaustausch zwischen der Zentrale in Rodalben und dem Studio Zweibrücken per Internet vollziehen lässt. Gleichzeitig erhält  eine geschlossene Benutzergruppe die Möglichkeit, den Offenen Kanal per DSL zu Hause zu empfangen. Das Projekt könnte nicht nur technisch aufschlussreich sein; schließlich ist es völlig offen, ob der DSL-Anschluss am Computer von den Zuschauern als TV-Ersatz akzeptiert wird.

 

Die in den nächsten Jahren sich vollziehende Digitalisierung wird die oft ehrenamtlich geführten Offenen Kanäle erheblich fordern. Die LMK will die Technik-Freiwilligen in den Vereinen mit Hilfe des Bildungszentrums BürgerMedien schulen lassen. Schließlich gilt es nicht nur, relativ komplexe automatische Sendesysteme zu beherrschen. Nach dem Einstieg in die digitale Verbreitung via  DVB müssen in den Studios auch DVB-Serviceinfos und Daten für elektronische Programmführer erzeugt und übermittelt werden. Anliegen der LMK ist es laut Joachim Lehnert, Offene Kanäle für die Kabelnetzbetreiber attraktiv zu machen.
„Es kommt selten so gut wie erhofft und selten so schlimm wie befürchtet.“ Mit diesem Zitat des Managers Gerhard Cromme beschloss Lehnert seinen Vortrag.

 

Foto: Joachim Lehnert

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

Kommentare sind geschlossen.