Europa der Bürger durch Bürgermedien

„Bürgermedien können einen wichtigen Beitrag zur europäischen Integration leisten,“ zu diesem Ergebnis kommt der Europabeauftragte der Landesmedienanstalten (DLM) und Direktor der Unabhängigen Landesanstalt für Rundfunk und neue Medien (ULR), Gernot Schumann, in einem Referat, das er auf der vom Bundesverband Offene Kanäle e. V. in Berlin veranstalteten Fachtagung „EU meets Bürgermedien“ gehalten hat.

„Die heute rund 150 Bürgermediensender in Deutschland haben sich über die Jahre zu viel genutzten lebendigen multifunktionalen Einrichtungen entwickelt. In ihren Sendebeiträgen beschäftigen sie sich zunehmend mit Themen aus dem aktuellen Geschehen in Politik, Wirtschaft und Kultur des Sendegebiets mit denen sie das sonstige lokale publizistische Angebot ergänzen und ihren Weg zum Publikum und dessen Akzeptanz finden,“ so Schumann. Bürgermedien seien als dritte Säule fester Bestandteil des ansonsten dualen Rundfunksystems in Deutschland, seien in ihrem Sendegebiet Medium und Faktor der öffentlichen und privaten Meinungsbildung und stellten publizistische Einheiten mit beachtlichem Potenzial dar, die in unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche hineinwirkten. Dieses Potenzial gelte es für den europäischen Einigungsprozess zu nutzen. „Für eine dauerhafte und belastbare europäische Identität, ein Europa der Bürger, brauchen wir eine europäische Öffentlichkeit, ein Dauergespräch der EU-Bürger untereinander über europäische Themen.“ Hier sind nach Auffassung Schumanns die Medien, insbesondere Radio und Fernsehen, in der Pflicht, wobei auch die Bürgermedien ihren Beitrag leisten müssten. Allein durch paneuropäische Projekte, die oftmals nur speziellen Interessengruppen vorbehalten oder an der Sprachenvielfalt in Europa gescheitert seien, lasse sich, wie sich in den vergangenen Jahren gezeigt habe, diese europäische Öffentlichkeit nicht herstellen. „Die Chance der Bürgermedien besteht darin, dass sie die Menschen in ihrem Sendegebiet dort abholen, wo sie sich befinden. Um zu erreichen, dass sich die Bürger mit der Idee und Vision eines vereinten Europas identifizieren, müssen sie direkt, individuell und vor allem vor Ort angesprochen werden. Bürgermedien, die auf den lokal/regionalen Hörfunk- und Fernsehmärkten, auf denen sie operieren, zum Teil Monopolisten sind, können frei vom Quotendiktat europäische Themen auf das unmittelbare Lebensumfeld der Menschen in ihrer Region in ihrer spezifischen Sprache herunter brechen,“ so Schumann. Nach Einschätzung Schumanns können die Bürgermedien die europäische Integration auf dreierlei Weise fördern:

durch Sendungen, in denen europäische Themen dargestellt und behandelt werden, was sich gerade in Grenzregionen anbiete, aber auch grenzfern möglich sei,
durch medienkompetenzvermittelnde Projekte, die grenzüberschreitend angelegt sind und die und Menschen aus verschiednen Mitgliedstaaten zur gemeinsamen Medienarbeit zusammen bringen und
durch die Verbindung publizistischer Aktivitäten von Bürgermedieneinrichtungen mit grenzüberschreitenden Medienkompetenzvermittlungsprojekten mit dem Ziel der Programmproduktion.
„Die Bürgermedien in Deutschland haben sich in den 20 Jahren ihres Bestehens als flexibel und kreativ erwiesen, arbeiten mit dynamischen Konzepten und haben so eine gute Ausgangsposition geschaffen, den europäischen Integrationsprozess weiter voran zu bringen. Die europäische Integration durch Bürgermedien ist eine Herausforderung, der sich diese auch weiter stellen sollten,“ so Schumann.

 

Der vollständige Text des Referats ist unter www.alm.de/aktuelles/presse/Europa/Referat_Buergermedien.pdf und unter www.ulr.de verfügbar.

Author: DLM
E-Mail: dlm-presse@lpr-hessen.de

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