Der Kurzfilm-Fisch im Bürger-Fernsehen

Das Mekka der Nachwuchs-Filmerszene in Deutschland heißt Wiesbaden; seit 40 Jahren pilgern alljährlich zu Pfingsten Fans aus dem ganzen Land zur „Werkstatt für junge Filmer“ ins Willi-Kempf-Haus, um zu sichten und zu lernen, sich zu treffen und neue Mitstreiter kennen zu lernen. Berndt Güntzel-Lingner vom Bundesverband Jugend und Film ist der Haupt-Organisator des Szenetreffens, und er hat es geschafft, den Einzugsbereich auf Nachbarländer wie Polen und Ungarn auszudehnen.
Zu den Stammbesuchern des Pfingsttreffens gehören Timo Asendorf, Mediengestalter aus Berlin, und sein Kompagnon Markus Blumenthal, Erzieher und ebenfalls Initiator des Jugendfilmforums in der Hauptstadt. Am 5. September 2005 um 19.30 Uhr starteten sie auf regionalen Fernsehsendern in 11 Bundesländern das halbstündige Kurzfilmmagazin „DorschTV“.


DorschTV ist die Fortsetzung der „Werkstatt“ im Medium Fernsehen. Jugendliche und junge Erwachsene senden ihre Kurzfilmproduktionen nach Berlin, wo daraus zweimal im Monat eine moderierte halbstündige Sendung zusammengestellt wird. Das Sendeband, das mit der Unterstützung des Offenen Kanals Berlin entsteht, wird schließlich kopiert und an die Partnersender verschickt. Bisher fehlen den Initiatoren 5 Bundesländer – schließlich gibt es nicht überall Offene Kanäle – aber sie arbeiten daran, dort neue Kooperationspartner auch in anderer Organisationsform zu finden.


Vom bundesweiten Kurzfilmmagazin haben wahrscheinlich schon einige Enthusiasten geträumt, Timo Asendorf und Markus Blumenthal setzen es jetzt in die Tat um. Dabei ist der vierzehntägige Produktionsrhythmus äußerst ehrgeizig und nur dann realistisch, wenn viele Kurzfilmer von DorschTV erfahren und das Projekt mit ihren Einsendungen unterstützen. 4 Bedingungen haben die Macher formuliert: „Der Regisseur muss zwischen 7 und 27 sein. – Der Film muss politisch sowie moralisch vertretbar sein. – Der Film darf nicht länger als 20 Minuten sein. – Und: Wir zeigen keine Filmhochschulproduktionen.“ Autodidakten sind also die Kernzielgruppe von DorschTV. Um einen Film einzureichen, muss lediglich die Sendeanmeldung von der Homepage www.jugendfilmforum.de geladen, ausgefüllt und mitgeschickt werden. Selbstverständlich erhalten die teilnehmenden Filmemacher keine Honorare. Mehr als Porto und Bandmaterial darf das Ganze nicht kosten.
 
Jeden ersten und dritten Montag im Monat um 19.30 Uhr (Abweichungen sind je nach Bundesland möglich) können Kurzfilmfans z. B. in Kiel, Gera, München, Berlin und Mainz jeweils eine neue Ausgabe sehen. Die Moderation der Sendung hat der 16jährige Paul Zalewski übernommen. Eine besondere Rubrik ist „Das Meineweltkonzentrat“, für die die Filmer aufgerufen sind, ihre Welt in 90 Sekunden darzustellen. Geplanter Höhepunkt des Projekts „DorschTV“ ist ein Festival, das einmal im Jahr stattfinden soll und auf dem der beste Kurzfilm prämiert wird. Der Preis des Festivals, der „Dorsch-Award“ hat noch keine Gestalt, wird aber sicher so außergewöhnlich werden wie das ganze Vorhaben.

 

Bürgermedien wenden sich traditionell nicht nur an lokale Öffentlichkeiten, sondern werden auch von gut vernetzten überregionalen Communities genutzt: Von den Country- und Heavy-Metal-Fans, von Tierfreunden und Esoterikern, aber auch von Sprachminderheiten und Kulturgruppen. Die Kurzfilmerei ist Hobby und Leidenschaft, aber auch eine Basiskultur und eine Spielart praktizierter Medienkompetenz. DorschTV passt in die aktuelle Entwicklung der Bürgermedien. Markus Blumenthal und Timo Asendorf sollten die Unterstützung für ihr Projekt erhalten, die es verdient.
Sendetermine und weitere Informationen zu DorschTV sind auf www.jugendfilmforum.de zu finden.

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

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