Bürgerfernsehen, Ausbildungsort, Jugendtreff

 „Mehr als ein Sender“ lautet das Motto des aktuellen Faltblatts des Offenen Kanals Ludwigshafen, und dann folgt eine Aufzählung:
o Bürgerfernsehen
o Ausbildungsredaktion
o Jugendmedienwerkstatt
o Haus der Medienbildung
In den vergangenen drei Jahren ist der Offene Kanal Ludwigshafen in jeder Hinsicht expandiert:
Die Netto-Sendezeit hat sich verdoppelt, das Team verdreifacht, die Zahl der Projekte und Kooperationen noch deutlicher vermehrt. Die vier oben aufgezählten Arbeitsbereiche sind, das soll der vorliegende Jahresbericht 2005 verdeutlichen, aufeinander bezogen. Und alles, was aus dem Jahr 2005 und aus dem Offenen Kanal Ludwigshafen zu berichten ist, lässt sich wiederum auf die im Frühjahr 2005 novellierte gesetzliche Grundlage, das Landesmediengesetz zurückführen, und auf die zentralen Begriffe „Bildung“ und „Lokales“. Nur ein nichtkommerzieller Bürgerfernsehsender, nur ein Offener Kanal kann auf diese beiden Säulen bauen.


Das „Entree“ zum Offenen Kanal ist unverändert die Möglichkeit, kostenfrei Technik des Offenen Kanals für die Produktion eigener Sendungen zu benutzen. Diese Möglichkeit steht unverändert Allen zur Verfügung, die im Sendegebiet des Offenen Kanals und in den angrenzenden Gebietskörperschaften leben. Der Offene Kanal Ludwigshafen weist die höchsten Verleihzahlen in Rheinland-Pfalz auf und kann sowohl die Nutzung durch einzelne Produzenten als auch die Nachfrage nach projektbezogener Kooperation bedienen.
Zum 1. Januar 2005 wurde die „Nachtlücke“ im Sendeablauf des Offenen Kanals zwischen 0 und 8 Uhr geschlossen, seit dem 1. August 2005 sendet der Offene Kanal jeden Tag 3,75 (vorher 3) Stunden aktualisiertes Programm. Die um 16 Uhr beginnende neue Programmschiene des Tages startet mit 15 Minuten Infotext – Hinweisen auf Sendungen sowie einem lokalen Veranstaltungskalender. Der Vierstundenblock wird ab 20 Uhr, 0 Uhr, 4 Uhr, 8 Uhr und 12 Uhr wiederholt.

Seit 1999 werden in der LPR/LMK Mediengestalter Bild und Ton ausgebildet. Die „Ausbildungswerkstatt“ wanderte Mitte 2003 in den Offenen Kanal und leistet seitdem einen entscheidenden Beitrag zum Programm des Offenen Kanals; gleichzeitig sorgt der reale Produktionsdruck für größere Praxisnähe in der Ausbildung der künftigen Fernsehmacher. Drei Ausbildungsstellen trägt derzeit die LMK. Die Auszubildenden sind durch ihre vergleichsweise lange Verweildauer von knapp drei Jahren wichtige Stützen des Betriebs. Die Arbeit im Offenen Kanal verlangt ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Verantwortungsgefühl.
Jeweils gleichzeitig ca. 4 Praktikanten – 2005 insgesamt 17 – arbeiten in der Ausbildungsredaktion mit. Diese Form des Praktikums variiert in der Länge zwischen 1 und 6 Monaten und dient der beruflichen Orientierung – nach einem Schulabschluss, vor Aufnahme einer Berufsausbildung oder eines Studiums oder im Rahmen eines Fachstudiums. Die Ausbildungsredaktion des Offenen Kanals ist für folgende regelmäßige Sendungen verantwortlich:
o Eben.pfalz (Regionalmagazin)
o Käffchen / Colloquium (Comedy-Talks)
o Im Gespräch (Interview)
o Das Schaf (Ökomagazin)
o MeMoTV (Liveaufzeichnungen)
Lernziel bei den regelmäßigen Produktionen ist es für die Auszubildenden und Praktikanten, eine technisch und inhaltlich hohe Qualität zu erreichen, dabei gleichzeitig Routine zu erwerben und dem fernsehüblichen Termindruck Stand zu halten.


Mit einer Livesendung und einem Sommerfest konnte die Jugendredaktion Zoom im Offenen Kanal am 23. September 2005 ihr zweijähriges Bestehen feiern. Einige, die von Anfang an dabei sind, schließen demnächst die Schule ab und ziehen sich daher auf eine „Beraterposition“ zurück. Seit Sommer haben jedoch mehrere Grüppchen 13- bis 15-jähriger die Jugendredaktion geentert, so dass bei der Weihnachts-Livesendung erstmals ein weitgehend neues Team am Werk war.
Betriebspraktika von meist zwei Wochen Dauer sind inzwischen für Schüler vieler Haupt-, Real-, Gesamtschulen und Gymnasien sowie Fachschulen verpflichtend. Über 50 Schülerinnen und Schüler kamen 2005 zu diesem Zweck in den Offenen Kanal. Ein Betriebspraktikum im Offenen Kanal ist nur in den seltensten Fällen der erste Schritt zu einer möglichen Medienkarriere; wer hier ein, zwei oder vier Wochen verbringt, für den stehen betriebliche Realitäten, soziale Kompetenzen wie etwa Teamarbeit und natürlich Medienkompetenz im Mittelpunkt. Betriebspraktikanten werden von der Sozialpädagogin Katja Mayer betreut. Im Mittelpunkt steht die Arbeit an der Magazinsendung „Fesch“, die etwa alle 4 Wochen entsteht.

2005 fanden im OK 50 Bildungsveranstaltungen statt, im Wesentlichen für Kinder und Jugendliche. Zum zweiten Mal kamen Jugendliche aus der gesamten Region in den Osterferien zum Kurzfilmworkshop „Kurz&Gut“. Die Drehbuchautorin Daniela Parr und der Kameramann Martin D’Costa waren die Anleiter der beiden Gruppen. Wiederum knapp 30 Mädchen kamen, ebenfalls im zweiten Jahr, zum „Girls‘ Day“ in den Offenen Kanal. 120 Kinder nahmen an den verschiedenen Workshops in der Zeit der Sommerferien teil – wichtigster Partner war der Ludwigshafener Verein „Vehra“, Veranstalter von „Kids On Tour“ und „Teens On Tour“. Eine Reihe von Seminaren dienten der Fortbildung von Auszubildenden und Praktikanten, mehrere praxisorientierte Workshops wurden nach den Bedürfnissen der Jugendredaktion und ihrer Nachwuchsgruppe ausgerichtet, der „Zoom Youngsters“.

Lehrer und Schüler aller Schularten nutzen die Möglichkeiten des Bürgerfernsehens, leihen Technik und produzieren mit Unterstützung des Offenen Kanals. Eine Analyse ergibt, dass etwa die Hälfte aller weiterführenden Schulen im Sendegebiet 2005 direkten Kontakt zum Offenen Kanal hatte.
Videogruppen anlässlich von Projektwochen sind z. B. eine beliebte Form. In einigen Fällen ist der Offene Kanal jedoch auch inhaltlich Partner schulischer Projekte. 2005 unterrichteten 3 OK-Mitarbeiter 20 Schüler verschiedener 7. Klassen des Heinrich-Böll-Gymnasiums zum Thema Fernseh-Interview. Die Aktion fand im Heinrich-Butzer-Haus in Bad Dürkheim im Rahmen der „Jungen Akademie“ – einem Projekt der Evangelischen Akademie Pfalz – statt.
Anfang 2005 erhielt der Offene Kanal erstmals die Gelegenheit, im Rahmen des Programms LOS (Lokales Kapital für soziale Zwecke) mit Hilfe von Fördergeldern aus dem Europäischen Sozialfonds zwei Medienprojekte in den Ludwigshafener Stadtteilen West und Oggersheim-West durchzuführen. Zusammen mit Partnerorganisationen vor Ort – Schulen, Kirchen, den Quartierbüros – entstanden Pläne für vielfältige Medienprojekte mit Jugendlichen. Seit November 2005 werden im Offenen Kanal drei Oggersheimer Jugendliche in Form einer Einstiegsqualifizierung für sechs Monate ausgebildet. In LU-West führt der Offene Kanal ein von der Pädagogin Johanna Frank vorgeschlagenes und angeleitetes Videoprojekt durch.

Der Offene Kanal stößt 2006 an seine räumlichen und technischen Grenzen. Quantitatives Wachstum ist im bestehenden Rahmen kaum noch möglich; qualitative Verbesserungen dagegen schon. Einige Vorhaben sind bereits andiskutiert: Mit der Unterstützung neuer Partner sollen bisher vernachlässigte Themenbereiche wie Kultur, Gesundheit und Sport im Programm verankert werden. Einige Anstrengungen sind notwendig, um den Anteil lokaler Information aus Frankenthal, dem Rhein-Pfalz-Kreis und den entfernteren Kabelinseln wie Grünstadt, Maikammer und Edenkoben anzuheben.
In der Jugendmedienwerkstatt wird im Projekt „JuKiMedien“ ein Angebot für die sogenannten „Zwischenkinder“ von 11 bis 14 Jahren entwickelt. Für den Sommer ist ein dezentrales Ferienangebot in Zusammenarbeit mit Gemeinden im Sendebereich angedacht.
Der Offene Kanal Ludwigshafen ist als Teil der LMK direkt eingebunden in den Evaluationsprozess, der von der LMK ausgeht und der in den kommenden Jahren die Arbeit aller Offenen Kanäle im Lande einer Überprüfung unterziehen wird. Zu den Bewertungskriterien gehören auch das Informationsangebot, die Kundenfreundlichkeit und die Beratungsqualität. Das Team des Offenen Kanals ist jung und wechselt ständig; um so größer ist die Herausforderung, neuen Interessenten einen guten Service zu bieten.

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: hans-uwe.daumann@ok-lu.de

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