Wenn Triple Play kommt: Bürgermedien im Abseits?

Die FIFA-WM ist vorbei, Triple Play kommt. Triple hat nix mit Dribbeln zu tun, vielmehr steht das denglische Wort für das Dreifach-Spiel der deutschen Kabel- und Telekomunternehmen, die ihren Kunden in Zukunft Telefonanschluß, schnellen Internetzugang und Fernsehempfang aus einer Hand anbieten wollen. Möglich macht das die fortschreitende Digitalisierung der Netze. TV, Telefonie und World Wide Web werden in Zukunft auf zwei alternativen Wegen ins Haus kommen: Über das aufgebohrte, digitalisierte Kabel(fernseh)netz und über das alte Telefonnetz, das mit immer höheren DSL-Geschwindigkeiten aufwartet.


„Digitalisierung“ war das Thema des Vortrags von Werner Lauff beim 13. Jahrestreffen Offener Kanäle am 8. September 2006 in Berlin. Lauff hat in den frühen achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts für den CDU-Postminister Schwarz-Schilling gearbeitet, der für die Verkabelung in deutschen Landen verantwortlich war. Als Geschäftsführer der „Bertelsmann Broadband Group“ war er selbst Akteur eines „Triple-Play“-Vorläuferprojekts, und heute versucht er als Medienberater, die komplexe Materie der Digitalisierung Politikern oder, wie in diesem Fall, Medienleuten nahe zu bringen.


2009/2010 steht in Deutschland die Digitalisierung des Fernsehens an. Hinter den Kulissen wird hart um den Weg des Umstiegs gerungen. Im Augenblick scheinen die Netzbetreiber, die großen wie auch die kleinen (kommerziellen) Fernsehanbieter sich auf einen Weg zu einigen. Werner Lauff lenkte die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer in Berlin auf einen Prozess, der gerade voll im Gange ist und der den Rahmen der digitalen Medienwelt absteckt: Medieninhalte werden verschlüsselt; der Fernsehzuschauer in Digitalien wird für jedwede Programme (außer vielleicht die öffentlich-rechtlichen) eine „Smart-Card“ in den Kartenschacht seines Decoders einlesen; er wird damit Signale an Netzbetreiber und Programmanbieter senden und den individuellen Kundenkontakt aufbauen, der die Basis der Medienwirtschaft von morgen sein wird.


Während der digitale Anteil im Kabelbouquet (der bisher nur von einer Minderheit empfangen werden kann) bereits verschlüsselt ist, steht der Satellitenbetreiber SES Astra gerade in der öffentlichen Diskussion, weil dort die großen kommerziellen TV-Programme RTL, Sat1, Pro7 und Co. nicht nur verschlüsselt, sondern auch kostenpflichtig werden sollen. Auch das digitale Antennenfernsehen bleibt nicht verschont: Auch DVB-T wird verschlüsselt, meint Lauff. Zumindest lässt sich beobachten, dass die kommerziellen Programmanbieter den Spaß an der unverschlüsselten digitalen Terrestrik verloren haben; in neu aufgeschalteten Gebieten wie dem Rhein-Neckar-Raum sind bisher nur ARD- und ZDF-Programme zu empfangen.


Vergleichsweise einfach lässt sich die Individualisierung im DSL-Netz weiterentwickeln: Die individuelle Kundenbeziehung via Telefon-Festnetz und Internetzugang ist hier schon vorhanden. Es gilt, das „Amazon-Prinzip“ auf den Fernsehbereich auszuweiten: Individuelle Nutzung zu registrieren, um individuelle Angebote zu machen – „Sie haben gerade einen ‚Tatort‘ angesehen, wir können Ihnen jetzt drei weitere ‚Tatorts‘ zur Auswahl anbieten.“ Keine Frage, Mediennutzung wird in Zukunft noch zeitungebundener sein als jetzt schon. Das „Aufzeichnen“ von Wunschfilmen wird ein rein virtueller Vorgang; Netzbetreiber werden fast beliebige Inhalte zu fast beliebigen Zeiten zur Verfügung stellen.


Kabel- und Satellitenbetreiber sowie Telekommunikationsfirmen werden in Zukunft mehr und mehr Inhalte vermarkten, sagt Werner Lauff, und nennt das amerikanische System als Zukunftsperspektive. Die Zuschauer oder Nutzer werden per Fernbedienung spielen, wetten, kaufen und abonnieren. Personalisierte Suchmaschinen werden ihnen die Orientierung erleichtern, schließlich stößt Zappen in der Vielfalt künftiger Angebote an natürliche Grenzen.


Was bedeutet das alles für die Zukunft Offener Kanäle? Zunächst steht fest, dass sie in den Kabelnetzen gut aufgehoben sind. Das Kabel hat in Deutschland 52 % Marktanteil und wird wohl, auch wenn es Anteile verliert, Marktführer bleiben. Die größere Angebotsvielfalt führt zu mehr Unübersichtlichkeit. Die Bürgermedien werden darum kämpfen müssen, wahrnehmbar zu bleiben. Die Landesmedienanstalten sollten sich dafür einsetzen, dass sie bei der Gestaltung der elektronischen Programmführer fair berücksichtigt werden. In der Interaktivität á la „Web 2.0“ sieht Lauff auch Chancen: Zuschauerabstimmungen („Voting“) und andere Formen individueller Ansprache könnten schließlich auch von Offenen Kanälen benutzt resp. bei den entsprechenden Spezialanbietern eingekauft werden.

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

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