Schülerradio: Im Pausenhof, on Air, im Web

Schüler machen Radio – und wer hört zu? Schüler machen Radio – und Lehrer ziehen den Stecker raus? Lehrer, die sich in ihrer Schule für Medienkompetenz im Bereich der Hörmedien engagieren und mit ihren Schülern ein Radioprojekt organisieren, stehen vor mindestens zwei großen Herausforderungen: Wie und wie oft wird der Pausenhof beschallt, und wann platzt den lärmempfindlichen Kollegen der Kragen.


Erfreulicherweise nimmt die Zahl der Schülerradio-AGs in Baden-Württemberg zu. Dies ist nicht zuletzt der Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung zu verdanken. Einmal im Jahr veranstaltet die LkJ den „Schülerradiotag“. Am 29. September 2006 kamen über 150 Schüler und Lehrer nach Stuttgart in die Hochschule der Medien. Die unerwartete Anmeldeflut veranlasste die Organisatoren, das Workshopprogramm auszuweiten. Von Moderation über Sprechtraining bis zu Jinglegestaltung reichte das Angebot für die jugendlichen Teilnehmer. Für Lehrer und andere Multiplikatoren fand ein eigener Workshop statt, der sich vor allem den Fragen widmete: Wer hört zu, und – hält sich das Kollegium die Ohren zu?


2 Grundvoraussetzungen begünstigen den Erfolg eines Schülerradios: Die Schulleitung muss dahinter stehen (z. B., weil Medien zum neu formulierten Schulprofil passen) und das Projekt braucht Unterstützung von außen: In Form eines Technikbudgets oder in der Form fachlicher und pädagogischer Begleitung. Wie sich im Multiplikatoren-Workshop herausstellte, haben die Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung und ihre Projektmitarbeiterin Ingrid Bounin ganz entscheidenden Anteil am Wachstum der Schülerradioszene. Die Schulen, in denen Bounin tätig war und ist, stellten das größte Kontingent beim Schülerradiotag.


Mit der Skepsis und Lärmempfindlichkeit der Kollegen gehen die radiobegeisterten Lehrer ganz unterschiedlich um. Das „Pausenradio“ beschränkt sich meist auf einen Wochentag oder gar einen Tag im Monat. Oft wird nur ein geschlossener Pausenraum beschallt. Der gewitzte Radiolehrer lässt sich zusätzlich als Pausenaufsicht einteilen, um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Ganz allgemein werden schulische Radioarbeit und Medienkompetenz von den Pädagogen recht unterschiedlich bewertet und anerkannt. Die AG-Leiter erhalten meist nur einen Teil der Schulstunden vergütet, die sie für Radioaktivitäten aufwenden. Wenn ein Radioprojekt mit einem externen Partner zu Stande kommt, ist das ein Glücksfall. Bei „Radio DiLämma“ im Laupheimer Carl-Lämmle-Gymnasium ist das Ulmer freie Radio „Free FM“ Partner. Die Vision des Künstlers und Medienpädagogen Wolfgang Moll von Radio Free FM ist „entfesseltes Radio“. Wenn Radio DiLämma einmal im Monat live on Air geht (und zwar mittels Mobilstudio auf der UKW-Frequenz von Free FM), ist das ein Ereignis im Schulalltag. 10 bis 15 Schüler sind für die regelmäßigen Livesendungen verantwortlich.


Mit einer ähnlich großen Gruppe ist Markus Schneider im Deutschordens-Gymnasium in Bad Mergentheim am Werk. Sein Radiostudio hat er in einem Bauwagen auf dem Schulhof untergebracht. Bei der ersten Livesendung vor wenigen Wochen war die Schulaula „brechend voll“. Mehrere tausend Euro Technikbudget hat sich das Gymnasium Neckartenzlingen erarbeitet. In der für ihre Medienaktivitäten bekannten Schule wird das Schülerradio demnächst wahrscheinlich von der Schülermitverwaltung übernommen. Einige Schulen verfügen seit vielen Jahren über ein ausgebautes Tonstudio und sind von daher für Radioarbeit prädestiniert. Als Dirk Ammon vor 6 Jahren im Eugen-Bolz-Gymnasium in Rottenburg seinen Dienst begann, fand er im Keller ein voll ausgerüstetes professionelles Tonstudio vor, das vor vielen Jahren mit Unterstützung des Südwestfunks eingerichtet wurde. Dort entstehen jetzt wieder ambitionierte Tonaufnahmen nicht nur der Radiogruppe, sondern auch von Unterrichtsprojekten, die sich für die Speicherung auf CD eignen.


Pausenradio ist, was die Aufmerksamkeit des Publikums betrifft, nicht der Weisheit letzter Schluss. Zu den alternativen Verbreitungsmedien gehören die CD, aber ganz sicher auch die benachbarten Freien Radios und in steigendem Maße das Internet. Es ist keine Hexerei mehr, Radioproduktionen als Download oder Podcast per Internet zugänglich zu machen. Darauf wurden vor Jahren allerdings auch schon die GEMA und die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten GVL aufmerksam. Die anzuwendenden Gebührensätze sind für viele Radio-AGs unerschwinglich. Auch hier engagiert sich die Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung: Unter ihrem Portal www.soundnezz.de können Schülerradioproduktionen geparkt werden.

 

Foto: Die Gewinner des erstmals verliehenen „Schülerradio-Awards“

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

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