conneX testet: Drei Videozeitschriften unter der Lupe

Wenn der Hobbyfilmer den Mitarbeiter des Offenen Kanals, der es ja „wissen müsste“, nach einem empfehlenswerten Camcorder fragt, windet sich der Mitarbeiter meist heraus. In dieser Situation empfehle ich dann immer Zeitschriften – und weil ich es aus Anlass eines Videokurses genau wissen wollte, habe ich am Bahnhofskiosk drei gekauft und einem beinharten Vergleichstest unterzogen.

 

Die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge: „camgaroo“  erscheint in München, kostet 4,90 Euro und hat (Heft 05/06) 68 Seiten. „Videoaktiv digital“ erscheint in Oppenweiler, kostet 7,50 Euro und hat (Oktober/November 2006) 116 Seiten. „Videomedia“, das einst den schöneren Namen „Camcorder & Co.“ trug, erscheint in Burgwedel, kostet 5,50 Euro und hat (Ausgabe November + Dezember 2006) 52 Seiten. Nicht berücksichtigt wurden von den mir bekannten Periodika „computervideo“ sowie  „Chip Foto + Video“ wegen der eingeschränkten inhaltlichen Vergleichbarkeit.

 

Aufmacher:
Auf den ersten Blick ist erkennbar, dass die drei Zeitschriften in  die gleiche Kategorie  gehören. „Das Duell“ zweier Festplatten-Camcorder ist der Aufmacher von camgaroo, videoaktiv hebt „die schärfsten Cams des Jahres“ aufs Titelblatt, weniger reißerisch kündet die videomedia-Frontseite vom „Camcorder-Praxistest“ und von „HDV-Neuheiten im Kurztest“. Aha: Es ist Vorweihnachtszeit, da geht es mehr als sonst um Kaufentscheidungshilfen.   Anmutung:
Wer die Hefte in die Hand nimmt und blättert, kann schnell eine Geschmacksentscheidung treffen: videoaktiv digital hat sicher das ausgefeilteste Layout (schließlich ist man einst als Schwesterzeitschrift des auflagenstarken „video“ auf den Markt gekommen). Es wimmelt auf allen Seiten von Fotos, Testfensterchen, Autorenrubriken. Trotzdem verliert der Leser die Übersicht nicht. Camgaroo wirkt daneben gediegen und ruhig und punktet mit vergleichsweise langen Textstrecken. Videomedia hat die Anmutung einer besseren Vereinszeitschrift; die Vereinsmitglieder müssen Technikfreaks sein, denn auch hier gibt es viele Detailfotos zu bestaunen, die manchmal etwas ungeordnet über die ebenfalls langen Textstrecken verteilt sind.   Pflichtprogramm:
In der Lockere-Geldbeutel-Saison rund um Weihnachten gehören Vergleichtests, speziell von Camcordern, zum Pflichtprogramm. Videoaktiv digital kann am meisten Platz dafür einräumen. Produktinnovationen werden in allen drei Heften getestet; auch die bei der gegenwärtig herrschenden Formatverwirrung (Mini-DV, HDV, DVD, Speicherkarte, Festplatte …) unverzichtbaren Systemvergleiche findet man nicht nur im dicksten Heft. Videoaktiv liegt dann wieder vorne, wenn es um die knappste Definition des neuen Videoformats „AVCHD“ geht – ein Kasten, 20 Zeilen, und ich habe verstanden. Beim Vergleich der Schnittprogramme und -systeme liegen Videoaktiv und Camgaroo gleichauf; Videomedia zeigt hingegen eine merkwürdige Vorliebe für Casablanca. Nur Videomedia bietet auch eine „Reportage“ zum Thema Super-8-Filmtransfer – die Themenwahl lässt Rückschlüsse auf die Herkunft der Stammleser zu.   Specials:
Videoaktiv digital unternimmt immer wieder Ausflüge in die professionelle Videoproduktion; im aktuellen Heft führt die Reise in die Atacama-Wüste in Chile. Camgaroo widmet sich unter filmgestalterischen Gesichtspunkten dem Zoom und versammelt unter dem Titel „Haben Sie eine Drehgenehmigung?“ Ratschläge zu häufig auftretenden Rechtsfragen (die nicht immer ganz zuverlässig sind). Videomedia widmet sich dem Thema „Farbkorrektur“, mit professionellem Anspruch und deutlich amateurhafter Schreibe.   Serviceteil:
Was die Test- oder „Bestenlisten“ betrifft, ist videoaktiv digital unschlagbar. Alleine dafür lohnt es sich schon, vor einer Kaufentscheidung das Heft zu kaufen. Hier sind auch ältere Modelle verzeichnet, während Camgaroo ebenso wie videoaktiv eine gut gegliederte aktuelle Camcorder-Marktübersicht bieten. Über einen Kleinanzeigenteil – für den Videopraktiker recht nützlich – verfügen sowohl videoaktiv wie auch Videomedia. Videoaktiv ist auch gut mit Anzeigen der Hersteller und des Fachhandels bestückt – was mich in diesem Fall nicht stört.   Fazit: Videoaktiv ist für die Überflieger unter den (meist männlich gedachten) Lesern, Camgaroo für die Ästheten und Videomedia für die Detailversessenen. Wem das zu ausgewogen ist: Videoaktiv fängt in mancherlei Hinsicht dort an, wo die beiden anderen Hefte, insbesondere Videomedia, schon aufhören. Der Marktführer hat teilweise Geräte getestet, wo die beiden anderen teilweise nur Ankündigungen der Hersteller zitieren können. Auch wegen der Ausblicke in die professionelle Gerätewelt und der verdienstvollen Berücksichtigung der Tontechnik ist das dickste und teuerste Heft nach meiner Meinung auch das beste.

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

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