Sachsen-Anhalt: Klares Bekenntnis zu Bürgermedien

Mehr als einhundert Mitarbeiter, Nutzer und Vereinsmitglieder aus dem Kreis der sachsen-anhaltischen Bürgermedien trafen sich am 19. Februar 2006 im Magdeburger Roncalli-Haus, um sich über aktuelle Entwicklungen bei der täglichen Arbeit an den zehn verschiedenen Standorten zu informieren und die Zukunftsaussichten in Sachsen-Anhalt zu diskutieren.
Der scheidende Direktor der MSA, Christian Schurig, der Entstehung und Ausbau von Nichtkommerziellen Lokalradios und Offenen Kanälen entscheidend prägte, blickte zu Beginn der Veranstaltung auf zwanzig Jahre Offene Kanäle zurück und freute sich auf die neuen Möglichkeiten, die ihm der Ruhestand bietet: “ … zum 1. März diesen Jahres scheide ich altersbedingt aus dem aktiven Berufsleben aus. Dann habe ich zum 1. Mal die Möglichkeit, selbst Nutzer eines Offenen Kanals zu werden, was mir bisher gesetzlich nicht erlaubt war. Allein diese Vorstellung macht mich neugierig und sogar etwas glücklich. Insgesamt ist mir um die Zukunft Offener Kanäle in Sachsen-Anhalt nicht bang. Aber das Fortbestehen dieser demokratischen Medienstruktur ist regelmäßig zu erarbeiten.“
Angelika Jaenicke, Beauftragte für Offene Kanäle bei der Hessischen Landesmedienanstalt, würdigte Schurigs bedeutende bundesweite Verdienste bei der Konzeption des zugangsoffenen Bürgerfunks in den achtziger Jahren.

Herzstück der Veranstaltung waren die Projektpräsentationen der einzelnen Bürger-TV- und Radiosender. Aus wöchentlich 50 Stunden Programm von insgesamt 26.000 Menschen, die die Bürgermedien seit ihrem Entstehen genutzt haben, hatten die Veranstalter 8 beispielhafte Sendeprojekte ausgewählt, die eindrücklich belegten, dass die Bürgermedien längst keine bloße Sendeplattform mehr sind, sondern Orte der Integration verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen, in denen der Erwerb von Medienkompetenz einher geht mit bürgerschaftlichem Engagement und politischer Bildung.

So z.B. die Sendung des Blinden- und Sehbehindertenverbandes  in Stendal, die mit Unterstützung des OK Stendal seit einem Jahr regelmäßig ausgestrahlt wird und die „normal-sehende“ Bevölkerung über die spezifischen Probleme sehbehinderter Menschen aufklärt. Oder das Magdeburger Monatsmagazin „Jugendstil“, das von einer 15-köpfigen Redaktion aus deutschen und nicht-deutschen Jugendlichen zu interkulturellen und europapolitischen Themen produziert wird. Zur Bedeutung der Bürgermedien auch und gerade im Kinder- und Jugendbereich sprach der Leiter des Offenen Kanals Merseburg-Querfurt Kai Köhler-Terz: „von der „Trickfilmbox“ über die Reportage zum Spielfilm- Kinder lernen, wie Fernsehen gemacht wird und sehen die bunte Welt des Fernsehen künftig mit anderen Augen: kritischer und selbstbewusster.“

Beeindruckend auch der Vortrag des Leiters des Offenen Kanals Wettin, der mehrere Biografien junger Nutzer vorstellte, die im Offenen Kanal ihre Talente entdeckt hatten und heute im Medienbereich beruflich Fuß gefasst haben.

Der Nachmittagsrunde wurde eröffnet durch ein Grußwort des Landtagspräsidenten Dieter Steinecke, der die Bürgermedien in Sachsen-Anhalt als durchaus akzeptierten Bestandteil der regionalen Medienlandschaft definierte: „Ein Blick auf die Landschaft der Bürgermedien in Sachsen-Anhalt zeigt mir, dass wir insgesamt auf einem guten Weg sind. Die nichtkommerziellen, lokalen Bürgermedien haben sich in der Zwischenzeit als dritte Säule im Rundfunksystem etabliert. Neben dem öffentlich-rechtlichen und dem privaten Rundfunk kommt den Bürgermedien eine immer stärkere Rolle in einem modernen Medienverbund zu. Dies ist nicht zuletzt der Arbeit der Medienanstalt zu verdanken. Ich bin deshalb froh, dass die Medienanstalt auch in Zukunft die Einrichtung und den Betrieb der Bürgermedien in unserem Bundesland fördern wird. Ganz im Bewusstsein, dass damit praktische Medienarbeit, das Erlernen von Medienkompetenz unter medienpädagogischer Anleitung realisiert wird.“

Ein außerordentlich fesselnder Vortrag des Medienberaters Werner Lauff, dessen akzentuierte Zusammenfassung von Leistungen, Möglichkeiten und Grenzen Offener Kanäle in Kürze auch auf der website www.buergermedien-lsa.de zu finden sein wird, bildete die Basis für fünf Thesen des Landesverbandes Offener Kanäle zu Bürgermedien in Sachsen-Anhalt, die im Rahmen der folgenden Podiumsdiskussion überprüfbar waren.

Bernhard Becker(DGB), Norbert Bischoff (SPD), Matthias Höhn (Linkspartei.PDS), Guido Kosmehl (FDP) und Markus Kurze (CDU) waren sich, unterstützt durch die Moderation von Dr. Ilona Wuschig, insgesamt einig über die positive Wirkung der sachsen-anhaltischen Bürgermedien, erkannten aber auch die weiterführenden Möglichkeiten der Bürgersender zur Verbesserung der politischen Bildung und der Vermittlung von Medienkompetenz und erinnerten an die Herausforderungen, denen sich auch Offene Kanäle und Nichtkommerzielle Lokalradios vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklung der digitalen Verbreitungswege zu stellen haben.

 

Foto: Landespolitiker diskutieren über die achsen-anhaltinischen Bürgermedien – links die Moderatorin Dr. Ilona Wuschig 

Author: Medienanstalt Sachsen-Anhalt
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