Kurzfilmwochen in Sannerz: Lernen mit Spaß

Don Bosco Sannerz, südlich von Fulda, ist eine Jugendhilfeeinrichtung in Trägerschaft der Salesianer Don Boscos. Betreut werden hier neben Schülern auch Jugend-liche, die in den einrichtungsinternen Werkstätten ausgebildet werden und in verschiedenen Wohnformen untergebracht sind. Seit 2001 bietet die Schule für Erziehungshilfe den Schülern der Abteilung Förderwerkstatt einmal im Jahr die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit dem MOK Fulda eine Medienwoche zu absolvieren.
Und da kommen wir ins Spiel. Wir, das sind Rebecca Jehn (23) und Bianca Bretträger (25), führen seit drei Jahren diese medienpädagogischen Projekte in Sannerz durch. Sannerz heißt für uns, innerhalb einer Woche rund ein Dutzend 14- bis 18-jähriger Jungs dazu zu bringen, einen einigermaßen guten Kurzfilm zu produzieren, dabei noch ganz viel zu lernen, sich selbst zu erfahren und gleichzeitig jede Menge Spaß zu haben. Dies ist nicht immer einfach, wenn man mit Jugendlichen zu tun hat, deren Frustrationsgrenze und Konzentrationsfähigkeit besonders niedrig sind, die hier lernen, weil sie aus allen „normalen Bildungseinrichtungen“ heraus gefallen sind, die sich selbst hin und wieder überschätzen und in einer Gruppe leben, in der es lebensnotwendig ist, keine Schwächen und Emotionen zuzugeben.
Das Erlernen von technischem Know-how, kritischer Reflexion des eigenen Medienkonsums und ein schönes Endprodukt, auf das die Jungs stolz sein können, ist jedoch nicht alles, was eine Medienwoche den Jugendlichen bietet. Nebenbei erwerben sie noch reichlich soziale Kompetenzen. Sie müssen als Team zusammenarbeiten, in dem jede Person eine wichtige Rolle spielt. Das bedeutet für die Jungs, dass sie sowohl Verantwortung übernehmen, gleichzeitig aber auch lernen müssen, sich selbst zurück zu nehmen. Bei der Ideenfindung müssen sie sich gegenseitig zuhören und sowohl ihre eigenen Ideen hervorbringen und für alle verständlich darstellen als auch Kompromisse eingehen können. Denn schließlich entscheidet die gesamte Gruppe.
Später in der Umsetzung werden ihre Fantasie, Konzentrationsfähigkeit und ihr logisches Denken angeregt. So müssen sie sich in andere Personen hineinversetzen: Zum Beispiel in einen schlechten Fußballspieler, obwohl sie diesen Sport eigentlich sehr gut beherrschen; aber auch in den Rezipienten, der das Endprodukt später verstehen soll. Besonders schwer fällt den meisten Jugendlichen der Einrichtung, einen Zugang zu ihren Emotionen zu finden und auf Kommando traurig oder wütend auszusehen. An dieser Stelle werden sie häufig mit ihren eigenen Grenzen konfrontiert und müssen zugeben, dass sie sich vielleicht überschätzt haben.

Letztendlich bieten Medienprojekte den Jugendlichen eine Möglichkeit, in kürzester Zeit lehrreiche Erfahrungen zu machen, die anders als im Schulalltag noch richtig viel Spaß machen.
Auch wir beide nehmen aus diesen Wochen viele neue Erfahrungen mit. Obwohl wir immer tief Luft holen, wenn ein Projekt beendet ist, sind wir uns doch jedes Mal einig, dass wir genau für solche Herausforderungen unseren Beruf lieben.

Author: Bianca Bretträger und Rebecca Jehn
E-Mail: mokfulda@t-online.de

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