LfM: TRICKBOXX-Leitfaden ist Filmförderung für Kleine

„Trickboxxen“ ist kein Kampfsport, sondern eine der spaßigsten Arten, mit denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene Medienkompetenz erwerben können. Die Schweden haben das mobile Trickfilmstudio namens „Trickboxx“ (mit einem oder zwei „X“) einmal erfunden, und dem Kinderkanal KiKa gebührt das Verdienst, den innen beleuchteten Holzkasten mit aufgesetzter Videokamera in Deutschland eingeführt zu haben. Im Umfeld Offener Kanäle in mehreren Bundesländern wurde die Trickfilmerei mit der schnell aufbaubaren Box zum Massenphänomen. In den hessischen Medienprojektzentren Offener Kanal sind Mitarbeiter fast in Vollzeit als Trickfilmanleiter für Kita- und Grundschulgruppen tätig, und in Nordrhein-Westfalen gibt es Trickbox-Festivals auf regionaler und landesweiter Ebene, bei denen die fantasievollen Kurzfilme vor einem Livepublikum bestehen müssen.

So liest sich ein Bericht vom Trickboxx-Festival am 22.9.2006 im Essener CinemaxX:
„300 Besucher haben sich trotz hochsommerlicher Temperaturen mit viel Spaß und Freude im Kino versammelt, um die auf den lokalen Festivals nominierten Filme zu sehen und die Preisträger zu erfahren. Bevor jedoch das Programm im Kino begann, konnten die Kinder Aktionen rund um das Thema „Film“ bei einem filmischen Mitmach-Parcour ausprobieren. Da durften Mangas gezeichnet, Filmszenen nachvertont, Wackelbilder gestaltet und an einer Morphing-Station das eigene Gesicht mit dem Computer verändert werden. Ab 16 Uhr war dann Einlass im Kino. Bereits eine Woche vor dem Abschlussfestival hatte sich eine Kinderjury mit den Filmen intensiv beschäftigt und in der Gruppe bestimmt, welche Filme ausgezeichnet und mit Preisen belohnt werden sollten. Da leider einige Gruppen die festgelegte Stimmabgabe von einer Stimme pro Tag auf der Homepage umgangen haben, ließ sich kein echter Gewinner beim Online-Voting ermitteln. Aus diesem Grunde durfte das Publikum in Essen einen Lieblingsfilm wählen. So wurde der „Zauberfüller“ der Jahnschule in Hamm mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.“
Auch auf die benachbarten Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland hat das Trickbox-Fieber längst übergegriffen; hierbei hat das gemeinsame Bildungszentrum BürgerMedien Schrittmacherdienste geleistet. Die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) behauptet jedoch die trickfilmerische Führungsposition, indem sie im Dezember 2006 ein Handbuch herausgab. „TRICKBOXX – Ein Leitfaden für die Praxis“ richtet sich an alle, die in der Schule, im Kindergarten, im offenen Jugendangebot, als Ferienspaßaktion oder auch privat eindrucksvolle Trickfilme produzieren wollen. Der Leitfaden ist nicht zu umfangreich, jedoch reich bebildert und insgesamt so praxistauglich, wie es auch die Trickbox selbst ist. „Man nehme“ könnten die ersten Kapitel heißen. Hier wird nicht nur der Trickbox-Aufbau erklärt, der Leser findet auch eine sehr brauchbare Materialliste von Fotokarton über Märchenwolle bis Pfeifenreiniger inklusive einem Rezept für Knete. Der Leitfaden richtet sich an Lehrer, Erzieher, Medienpädagogen: Im Anhang gibt es sowohl Bastelvorlagen als auch ein Kapitel über den (medien)pädagogischen Anspruch. Während die ehedem vom KiKa herausgegebenen Materialien versuchten, tricktechnische Grundlagen für Kinder zu erklären, legt die LfM den Hauptakzent auf den Weg „von der Idee zum Film“. Bei den „Trickbox-Festivals“ in NRW (www.trickboxx-festival.de) kooperieren die beiden Trickfilm-Promotoren. LfM-Direktor Norbert Schneider argumentiert: „Filmförderung in NRW ist nicht nur für große Projekte gut, sondern auch für die kleinen Filmemacher.“

„TRICKBOXX – Ein Leitfaden für die Praxis“ kann per Email bei der LfM bestellt werden (Ansprechpartner: Peter Schwarz, pschwarz@lfm-nrw.de). „TRICKBOXX – ein Leitfaden für die Praxis“ steht auch als PDF-Dokument (6 MB) zum Download zur Verfügung.

Author: Hans-Uwe Daumann
E-Mail: redaktion@connex-magazin.de

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