Deutschland sucht den Supersportler

Liest sich der Titel auf den ersten Blick noch wie ein halbherziges Plagiat aktueller Mainstreamsendungen, so verbirgt sich doch weitaus mehr hinter dem mit viel Witz und Originalität inszenierten Projekt der Helmut-von-Brackenschule, in dem die Grenzen zwischen Realsatire und einer präzisen Analyse abendfüllender Irrsinnsformate beinahe aufgehoben scheinen. Vier Archetypen des modernen Medien-Newcomers – der Loser, der Narzisst, der Strebsame und ein Jedermann – kämpfen um den Meistertitel „Deutschlands Supersportler No.1“, frenetisch bejubelt von einer homogenisierten Zuschauerriege, welche – kunstvoll und pragmatisch zugleich – aus nur einem knappen Dutzend Jugendlicher mit Hilfe tricktechnischer Vervielfältigung kreiert wurde.

 

Etwa eine halbe Stunde lang müssen sich die Medien-Olympioniken in Disziplinen wie Seilspringen, Fußball, Basketball und Breakdance gegen ihre Kontrahenten durchsetzen, nur um dann von einer völlig planlosen Jury in der Luft zerfetzt zu werden. „Also ich fand ihn gut. Fußballspielen konnte er nicht, aber darum geht es ja auch nicht. Es geht darum, dass man gut ist“ – was auch immer das bedeuten mag.


Das Sahnehäubchen auf diesem Farce-Soufflé bildet die auf ihre Art krampfhaft nonchalante und doch charmante Berichterstattung des Moderators (dargestellt von Matthias Schulz, Schüler der Helmut-von-Bracken-Schule).
So wird der Smalltalk zwischen den Ankerpunkten der Sendung auf schmerzliche Weise bis zum Zerreißen gedehnt, um das Format mit pseudozwischenmenschlicher Rhetorik aufzubauschen und „super“ zu machen. Eine rundum gelungene Mediensatire mit überdeutlichen Verweisen auf die zeitgenössische Fernsehkultur. Kurzum: Medienkompetenz gewonnen durch Eigenarbeit der Schüler und mit Unterstützung des MOK Gießen.

Author: MOK Gießen
E-Mail: okgiessen@lpr-hessen.de

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