Community Media and Empowerment

Community Media and Empowerment

2 EU-geförderte Projekte hat eine Gruppe europäischer Community Radios gemeinsam durchgeführt; ein Buch dokumentiert die Zusammenarbeit.

„Es war einmal im Dezember 1996 in Turku in Finnland, als sich VertreterInnen von Freien Radios aus verschiedenen europäischen Ländern trafen.“ Nicht wörtlich, aber sinngemäß beginnt so das Vorwort von „From the Margins to the Cutting Edge – Community Media and Empowerment“, einer Projektdokumentation der Herausgeber Peter M. Lewis und Susan Jones. Zweimal hatten die in Turku versammelten RadiomacherInnen und WissenschaftlerInnen in den Folgejahren mit europäischer Förderung gemeinsame Projekte ins Werk gesetzt – „Creating Community Voices“ und „Digital Dialogues“; beim zweiten Projekt kamen die teilnehmenden Hochschulen und Sender aus den Ländern Deutschland, Finnland, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande und Österreich.

 

Beim Lesen der einleitenden Kapitel wird klar, dass die freien RadiomacherInnen eine Tradition der internationalen Vernetzung verbindet. Mit „Empowerment“ gibt es ein griffiges gemeinsames Anliegen: Unterprivilegierte Gruppen in die Lage zu versetzen, ihrer Stimme in den (nichtkommerziellen) Medien Gehör zu verschaffen. Die Geschichte der Radiobewegung ist fast so alt wie die Technik des Radios an sich, und sie hat einen starken außereuropäischen Zweig (eines der ersten freien Radios entstand 1947 in Kolumbien).
Auch wenn die Gesetze, auf deren Grundlage freie Radios operieren, von Land zu Land (und, wie in Deutschland, schon innerstaatlich) variieren, können sich die Akteure auf den Oberbegriff des „Community Radios“ einigen. Der Projekttitel „Digital Dialogues“ bezieht sich u. A. darauf: Auf Dialoge zwischen Radio und Publikum, zwischen Radio und „Community“ (die deutsche Entsprechung „Gemeinschaft“ passt hier nicht), zwischen Radio und lokalen Zielgruppen und Organisationen. In den konkreten Aktionen des Projekts werden Frauengruppen (Sunderland/GB), asiatische MigrantInnen (Bradford/GB), SeniorInnen, Auszubildende und Wohnsitzlose (Wien/A) journalistisch und radiotechnisch geschult. Das Radio sendet mit Kooperationspartnern live von Jugendveranstaltungen, Ökomessen und 1.-Mai-Kundgebungen (Freudenstadt/D) und erschließt sich so neue Hörer- und Unterstützergruppen. Kleine digitale Aufnahmegeräte erlauben die Aufzeichnung der Lebenserfahrungen älterer Dorfbewohner (Panni/I) oder der Kompositionen junger Musiker (Freiburg/D) und damit den komfortablen Aufbau von webbasierten Soundarchiven. Und die RadiomacherInnen nutzen die Informationen und die technischen Möglichkeiten des Internets, um überregional und international zu kooperieren, neue Sendeformen auszuprobieren und fertige Sendebeiträge auszutauschen.

 

Alles dies war Inhalt von „Digital Dialogues“ und ist Inhalt des vorliegenden Buches. Wer eine lineare Argumentation bevorzugt und sich gründlich in Theorie, Methoden und Praxis der handlungsorientierten Medienpädagogik einlesen will, nehme „From the Margins to the Cutting Edge“ zur Hand. Wer sich über das Projekt informieren will oder gar von den mit EU-Förderung entwickelten Materialien profitieren will, kann auch erst mal die Website www.digital-dialogues.de besuchen.

Author: Hans-Uwe Daumannn
E-Mail: daumann@medienundbildung.com

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