Neue Heimat Fulda

„Das deutsche Wort Heimat verweist auf eine Beziehung zwischen Menschen und Raum. Heimat kann eine Gegend oder Landschaft meinen, aber sich auch auf Dorf, Stadt, Land, Nation oder Vaterland beziehen.“


Die Definition des Wortes Heimat war unser Ausgangspunkt. Sechzehn Sozial-und Kulturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Hochschule Fulda und ein Berliner Radiomoderator und Fernsehjournalist haben sich zum Ziel gesetzt, Flüchtlingsfamilien zu begleiten, die in Fulda eine Heimat auf Zeit gefunden haben. Ein Semester lang, so unsere Überlegung, wollen wir das Leben der Familien dokumentieren, das zwischen Schulalltag der oft hier geborenen Kinder und der permanenten Angst vor Abschiebung pendelt.

 

Wie erleben diese Menschen, die durch das neue Bleiberecht bis 2009 in Fulda bleiben dürfen, Deutschland? Was bedeutet der Begriff Heimat für sie? Wie sind sie hierher gekommen? Wovor geflohen? Welche Erfahrungen machen sie in der „neuen Heimat Fulda“, der Heimat auf Zeit?
Eine Aufgabe, die selbst erfahrene Journalisten vor eine echte Herausforderung stellt. Es geht um Sensibilität, um das Zuhören, um die richtigen Fragen, die richtige Mischung aus menschlicher Nähe und professioneller Distanz – und vor allem um eine doppelte Verantwortung, die Grundbedingung von gutem Journalismus ist: Die Verantwortung für die Menschen, von denen wir berichten, und die Verantwortung für die, denen wir berichten.

 

Damit aber nicht genug. Was ist zu tun, wenn die BASIB-Studentinnen *) und -Studenten zwar hochmotiviert, belesen und lernwillig sind, aber logischerweise keine Ahnung von Kamera, Schnitt, Ton, Bildführung, Interviewtechnik etc. haben? Und all die Fertigkeiten, die ein ARD-Volontär in 18 Monaten lernen kann, im Crashkurs in fünf Tagen lernen müssen?

Ganz einfach: Man fragt das Medienprojektzentrum Offener Kanal Fulda. Fünf Tage lang haben alle Beteiligten auf Freizeit, Schlaf und Freunde verzichtet, um Schnitt-Technik, Kameraführung und Tontechnik von der Pike auf zu lernen. Dank der ebenso kompetenten wie persönlichen Unterstützung des ganzen MOK-Teams wurden die ersten fünf Tage zu einem vollen Erfolg. Die Mitarbeiter waren jederzeit ansprechbar, gaben den Studenten wertvolle Tipps und sorgten für den professionellen Rahmen der ersten Projektphase.

Das Filmprojekt wird noch bis Ende Dezember dauern. Bisher haben wir die Familien besucht, gemeinsam Treatments entwickelt und Kurzporträts der Familien produziert, die in einer Live-Sendung im Offenen Kanal Fulda präsentiert wurden. Unser Experiment ist bisher von großer Auswirkung. Inhaltlich wie formal.

Unsere Idee, die Menschen hinter den Paragraphen und Regeln zu zeigen, und zu dokumentieren, was das „Bleiberecht“ für die bedeutet, die davon betroffen sind, verspricht, zum Erfolg zu werden.
Das Experiment, Wissenschaft mit journalistischer Herangehensweise zu realisieren, funktioniert bisher. Die angehenden Sozial- und Kulturwissenschaftler filmen fleißig und dokumentieren den Alltag der Familien weiter. Mitte Dezember werden wir die Ergebnisse unserer Recherche dann wieder im OK Fulda präsentieren.

Fortsetzung folgt!


*) BASIB steht für Bachelor-Studiengang Sozial-wissenschaften mit Schwerpunkt Interkulturelle Beziehungen (Anm. d. Red.)

 

www.mok-fulda.de

Author: Christian Stahl

Kommentare sind geschlossen.