Mit Idealismus zum Ziel

Als ich 1999 anfing, auf das gute alte Diplom hin Sozialpädagogik zu studieren, waren meine Ambitionen noch ganz andere: Ich wollte Kultur- und Theaterpädagogin werden. Zur Medienpädagogik kam ich über ein Theorie-Praxis-Seminar, es war Pflichtteil im Hauptstudium. Als Teamer wurde ich für die Umsetzung eines Videoprojekts engagiert und sammelte so erste medienpädagogische Erfahrungen. Mit schwierigen Jugendlichen einen Film zu machen, lebensweltbezogen, das war anfangs die Herausforderung; technische Kompetenzen waren für mich kein Problem, da bin ich immer entspannt herangegangen.

 

Nach einem Studium mit vielen weiteren Projekten, neu gewonnener Lebens- und Medienerfahrung und dem Ziel, diese Kombination aus pädagogischer Arbeit und Medien zu meinem Beruf zu machen, begann ich mein Anerkennungsjahr im Offenen Kanal Fulda. In diesem ersten Jahr Berufserfahrung habe ich mich sehr wohl gefühlt, verfolgte den Übergang von analogem zu digitalem Schnitt, machte eigene Projekte und lernte viel über den Umgang mit Medien und Menschen. In diesem Jahr entwickelte ich auch schon zum Teil meine erste Idee für ein eigenes medienpädagogisches Projekt in Selbständigkeit, „Realitäts-TV vs. TV-Realität“, ein Praxisprojekt im Rahmen des Nachmittagsunterrichts an Ganztagsschulen, der damals gerade ausgebaut wurde. Von Anfang an war klar, dass ich für die Umsetzung kompetente Mitstreiter brauchen würde. Nach einem groß angelegten Casting blieben Christian, Felix und Andi übrig, zusammen sind wir jetzt seit sieben Jahren „filmreflex“. Wir bieten medienpädagogische Konzepte und Projekte an, drehen als „filmreflex mediaproduktionen“ Filme, haben den Verein „LogOut e.V.“ gegründet und vieles mehr.


Wir entwickelten immer neue Module und Projekte und wurden direkt zu Beginn für unsere Idee, Multimediapräsentationen für soziale Einrichtungen zu erarbeiten, mit dem Exist-Seed-Preis belohnt. Drei von uns hatten damit eine halbe Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiter an der HS Fulda und knüpften so Kontakte, entwickelten Konzepte und akquirierten erste Auf-träge. Ich arbeitete neben der Selbständigkeit zunächst noch eine Zeitlang im OK Offenbach/Frankfurt und stellte fest, was man mit Frauenpower (männliche Mitarbeiter gab es dort kaum) alles erreichen kann. Nach meinem ersten Kind blieb ich in Fulda und widmete ich mich ganz und gar filmreflex, zum Beispiel mit dem Projekt „Medienkinder – Kindermedien“, in dem ich ErzieherInnen an Erzieherfachschulen und PädagogInnen in Kitas und Grundschulen für die Medienarbeit mit Kindern sensibilisierte.


Zu guter Letzt: Ich bin froh, mich für diesen Weg entschieden zu haben. Ich weiß jetzt, die Selbständigkeit braucht Geduld, ein gutes Team, immer neue Ideen mit aktuellem Bezug, ein großes Netzwerk und viel Idealismus. Ein großer Traum kann auch nicht schaden: In unserem Fall ist dies ein Seminarhaus mit Surfschule an der Atlantikküste Portugals.

Author: Anne Heidel (MOK Fulda)

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