Wie digital ist Weimar?

Beim Thüringer Mediengespräch diskutierten Experten und Bürger die Veränderungen von Kommunikation, Politik und Gesellschaft im lokalen Raum
 
Fortsetzung der thüringenweiten Veranstaltungsreihe von Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) und Landeszentrale für politische Bildung Thüringen (LZT)
 
Die Diskussionsrunde am 9. Oktober 2013 im Rahmen des Thüringer Mediengesprächs „Kommunikation in der Bürgergesellschaft – Veränderungsprozesse einer digitalen Medienwelt“ von TLM und LZT war klassisch und digital zugleich: Sowohl konnte sie im Weimarer Jugend- und Kulturzentrum mon ami vor Ort als auch im Nachgang als Podcast verfolgt werden. Nachdem die neuen Möglichkeiten der Kommunikation, Information und Partizipation durch das Internet für Politik und Gesellschaft bereits in Gera, Nordhausen, Eisenach und Saalfeld kontrovers diskutiert wurden, stellte sich gestern die Frage: Wie digital ist eigentlich Weimar?
 
Bereits im Grußwort vom Leiter der LZT Franz-Josef Schlichting als auch durch das Impulsreferat vom TLM-Direktor Jochen Fasco wurde deutlich, welche bedeutsamen Auswirkungen die rasanten technischen Entwicklungen für Demokratie und Gesellschaft besitzen. Moderator Shanghai Drenger von Radio LOTTE griff diese Impulse auf und befragte die Podiumsteilnehmer nach medialen Veränderungsprozessen vor Ort in Weimar.
 
Insgesamt wurde Weimar sowohl vom Pressesprecher der Stadt, Ralf Finke, der kurzfristig den verhinderten Weimarer Oberbürgermeister vertrat, als auch von Thorsten Büker (Chef der TLZ-Lokalredaktion Weimar), Grit Hasselmann (Programmchefin Radio LOTTE Weimar), Dirk Heinze (FDP-Kreisverband Weimar) und Judith Noll (Salve.TV Weimar) als wenig internetaffin eingeschätzt. Die Podiumsteilnehmer aber auch das Publikum verwiesen auf die in Weimar existierende vielfältige lokale Medienlandschaft mit den Zeitungen der Funke-Gruppe, dem Lokalfernsehsender Salve.TV, Radio LOTTE Weimar und Radio Funkwerk, die nicht zuletzt dafür verantwortlich sei, dass die Kommunikation und Information auf traditionellen Wegen über klassische Medien gut funktioniert. Das Potential der neuen digitalen Medien, z. B. von sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter zur Information, Kommunikation und Partizipation ist in Weimar bekannt und soll zukünftig auch für den Bereich der Kultur besser genutzt werden.
 
Pressesprecher Ralf Finke von der Stadt Weimar betont, dass die konventionelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit noch dominiert, aber die Online-Kommunikation z. B. auf der Webseite „Weimar.de“ auch heute schon intensiv wahrgenommen und im politischen Prozess berücksichtigt wird. Zudem sollen zunehmend Angebote im Internet entstehen, wie z. B. der Bürgerhaushalt, um den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern zu führen, auch über die bereits bestehende rege E-Mail-Kommunikation hinaus.
 
Für TV-Macherin Judith Noll von Salve.TV ist die Veränderung im lokalen Werbemarkt die zentrale Frage, wenn es um die Zukunft von lokalem Fernsehen in einer digitalen Medienwelt geht. Sie spricht sich daher für eine enge Zusammenarbeit der lokalen Medienakteure aus. Radio-LOTTE-Programmchefin Grit Hasselmann betont die große Transparenz durch die jederzeit vorhandene Möglichkeit für jeden, sich aktuell und umfangreich im Netz zu informieren und die damit auch verbundene Chance, die journalistischen Leistungen in den klassischen Medien kritischer zu hinterfragen. Wichtig sind dabei vor allem der richtige Umgang und die reflektierte Bewertung von digitalen Medieninhalten und unterschiedlichen Informationsquellen.
 
Dirk Heinze, der nach eigener Aussage bislang einzige „twitternde“ Weimarer Stadtrat, betont die Bedeutung von Facebook und Twitter für die politische Kommunikation. Gleichzeitig sieht er aber die vorhandene Dominanz der klassischen Pressearbeit bei der Bürgeransprache in Weimar. Dass die journalistische Kompetenz vor Ort die Basis für lokale Nachrichten und Informationen und damit zukünftig entscheidend für das Überleben von Lokalzeitungen ist, zeigt sich TLZ-Lokalchef Thorsten Büker überzeugt. Er resümiert, dass Weimar in Bezug auf digitale Medien in der Bürgergesellschaft und in der Politik noch kein hohes Niveau erreicht hat.
 
Hinweise:
Auch dieser Teil der Veranstaltungsreihe gibt es zum Nachhören als Podcast unter http://podcast.tlm.de.
 
Die Veranstaltung wird von Radio LOTTE aufgezeichnet. Der Beitrag ist am 12. Oktober ab 12.00 Uhr auf der Frequenz 106,6 MHz sowie im Internet unter www.radiolotte.de zu hören.
 
Die nächste Veranstaltung dieser Reihe findet am 14. November 2013 in Ilmenau statt.
 
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