Rundfunkpreis Mitteldeutschland 2014 – Bürgermedien in Jena verliehen

Im Jenaer Zeiss-Planetarium wurden heute zum 10. Mal die besten Bürgerrundfunk-Macher aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit dem Rundfunkpreis Mitteldeutschland – Bürgermedien geehrt. Auf Einladung der drei mitteldeutschen Landesmedienanstalten versammelten sich über 250 Bürgerfunker, Vertreter aus Politik, Medien und Wissenschaft sowie Interessierte zur diesjährigen Festveranstaltung.

155 Beiträge wurden von den mitteldeutschen Bürgerfunkern für den diesjährigen Preis eingereicht.Kleine und große Medienmacher freuten sich über Preisgelder in Höhe von insgesamt 12.000 Euro.

„Mitteldeutschland wird durch eine bunte und vielfältige Bürgermedienlandschaft geprägt. Diese Vielfalt spiegelte sich heute bei den ausgezeichneten Beiträgen wider. Besonders auffallend in diesem Jahr war, dass Jung und Alt unter den Preisträgern versammelt waren. Hier zeigt sich, dass die Bürgersender offen für alle Generationen sind und diese auch erreichen“, freut sich Jochen Fasco, Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) und Koordinator des Fachausschusses „Medienkompetenz, Bürgermedien und Jugendschutz“ der Landesmedienanstalten.

Roland Richwien, Staatssekretär im Freistaat Thüringen, würdigte in seinem Grußwort die Leistungen der ehrenamtlichen Radio- und Fernsehmacher sowie den Beitrag, den die Bürgermedien zur Medienbildung leisten, ein wichtiger Bestandteil dessen, was heute unter Medienkompetenz verstanden wird. „Bei der Herstellung von Beiträgen für die Bürgermedien – sei es Radio oder Fernsehen – werden die Wirkungsweisen von Medien durchschaut. Die drei Landesmedienanstalten in Mitteldeutschland fördern in vielfältiger Weise die Aktivitäten der Bürgermedien. Die heutige Veranstaltung beweist dies eindrucksvoll“, so Richwien.

Die glücklichen Gewinner des mit je 1.500 Euro dotierten Preises für die besten Beiträge in der Kategorie „Nachwuchs“ sind im Fernsehen Jessica Herrmann und Team „KOMA“ (WTV – Der Offene Kanal aus Wettin e. V.) und im Hörfunk die 8. Klasse des Humboldt-Gymnasiums Hettstedt „17. Juni“ (Radio hbw in Aschersleben). Die Erwachsenenpreise für die besten Beiträge gingen im Fernsehen an den Interkulturellen Verein Gera e. V. „Als Kind im KZ – Begegnungen mit Thomas Geve“ (Offener Kanal Gera) und im Hörfunk an Pauline Mager „Toiletten?“ (Radio Blau in Leipzig).

Über die Sonderpreise in Höhe von je 500 Euro zum Thema „Inklusion“freuten sichNils Albertsen „Ganz Normal Anders“ (WTW – Der Offene Kanal aus Wettin e. V.) sowie die Mittelstufen der Förderschule „St. Franziskus“ Dresden „Die kleine Spinne – Wir sind im Netz“ (SAEK Dresden).

Vergeben wurden außerdem Länderpreise für die besondere Darstellung derVielfalt des Lebens und Wirkens in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Preise (je 500 Euro) gingen an:

Länderpreise für Sachsen:

  • Fernsehen: Ignac Wjesela & Team „Ćek dom!“ (SAEK Bautzen)
  • Hörfunk: Karin Thieme und das Seniorenradio „Unsere Elbe – das blaue Band“ (SAEK Dresden)

Länderpreise für Thüringen:

  • Fernsehen: Heinz Roeske „Hochwasser in Gera“ (Offener Kanal Gera)
  • Hörfunk: Heiner Koch „Hospiz Bad Berka“, ausgestrahlt von Radio LOTTE Weimar

Länderpreise für Sachsen-Anhalt:

  • Fernsehen: Lorenz Schill & Team „Das Jessener Schloss“ (Offener Kanal Merseburg-Querfurt)
  • Hörfunk: Niels Hölmer „Alte Synagoge“ (Radio Corax)

 

Hinweise:

Der Rundfunkpreis Mitteldeutschland wird jährlich von den Landesmedienanstalten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in den Sparten Fernsehen, Hörfunk und Bürgermedien verliehen. Mit diesem Preis werden das Engagement und die journalistischen Leistungen der Macher der lokalen Rundfunkangebote in Mitteldeutschland gewürdigt.

Preisträger des Rundfunkpreises Mitteldeutschland 2014 – Bürgermedien Hörfunk und Fernsehen

Kategorie „Bester Beitrag Nachwuchs Fernsehen“
1. Preis (1.500 Euro)
Jessica Herrmann und Team „KOMA“, ausgestrahlt vom WTV – Der Offene Kanal aus Wettin e. V.
Selten war sich eine Jury so einig und gleichzeitig so uneinig. Einigkeit herrschte darüber: Das ist der beste Beitrag! Fakt ist: Die Amokläufe von Schülern in Erfurt und Winnenden haben sich tief in das kollektive Bewusstsein eingebrannt. Und es sind insbesondere Schülerinnen und Schüler, die sich gedanklich mit der Thematik beschäftigen. Das Resultat ist ein packender Film über einen Außenseiter, der schließlich zum Mörder seiner Mitschüler und Lehrer wird. Das Psychogramm eines Täters. Das Psychogramm einer Gruppe, einer Schulklasse. Glänzend inszeniert und gespielt. Und vielleicht ist es gerade die drastische Darstellung, die uns auch öffnet für die wichtigste Botschaft des Beitrags: Drängt keinen an die Seite! Kümmert euch auch mal um die schrägen Typen, die Uncoolen, die Eigenbrötler – bevor es zu spät ist.

Nominierte Beiträge (jeweils 250 Euro)
Neulandfilm und Filmclub Gera-Pforten e. V. „Tretminen in Pforten“, ausgestrahlt vom Offenen Kanal Gera
und
5. Klasse Pestalozzi-Oberschule Meißen „Bischof Benno“, ausgestrahlt im SAEK Riesa
Kategorie „Bester Beitrag Nachwuchs Hörfunk“

1. Preis (1.500 Euro)
8. Klasse des Humboldt-Gymnasiums Hettstedt „17. Juni“, ausgestrahlt von Radio hbw in Aschersleben
Mit einer Aufnahme vom Volksaufstand in Berlin am 17. Juni 1953 beginnt der Beitrag, den die Schüler für einen Wettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung produziert haben. Den Schwerpunkt setzten sie auf Ereignisse, die um diesen Tag herum in ihrer Region stattfanden. Die Klasse recherchierte in Archiven und befragte Zeitzeugen, wodurch sie sich schließlich einen sehr guten Überblick verschaffte. Der Beitrag wurde präzise geschnitten und überzeugte die Jury durch seine Prägnanz und Kürze sowie durch viele Zeitzeugenberichte und eine, besonders für Schüler, sehr beachtliche Auseinandersetzung mit einem Teil der deutschen Geschichte.

Nominierte Beiträge (jeweils 250 Euro)

Justin Ehegötz „Musictime 96,5 Spezial Autostadt Eisenach“, ausgestrahlt vom Wartburg-Radio 96,5
und
Franziska Winterfeld „Ab in den Knast!“, ausgestrahlt von Radio hbw in Aschers-leben
Kategorie „Bester Beitrag Erwachsene Fernsehen“

1. Preis (1.500 Euro)
Interkultureller Verein Gera e. V. „Als Kind im KZ – Begegnungen mit Thomas Geve“, ausgestrahlt vom Offenen Kanal Gera
Die Begegnung mit dem Holocaust-Überlebenden Thomas Geve findet bei über 600 Schülern in Gera großes Interesse. Thomas Geve war als Kind in verschiedenen Konzentrationslagern und wurde 1945 im KZ Buchenwald befreit. Vor Ort erzählt er von den Erinnerungen aus dieser Zeit und auch seine Zeichnungen berichten von der Geschichte. Immer wieder sind solche Dokumentationen mit Zeitzeugen ein wichtiges Instrument, aus der Geschichte zu lernen und diese auch nicht zu vergessen. Der Beitrag überzeugt durch seinen lokalen wie auch internationalen Bezug – und nicht zuletzt durch die eindrucksvolle Geräuschkulisse.

Nominierte Beiträge (jeweils 250 Euro)
Merit Giesen „Außerstande“, ausgestrahlt vom Offenen Kanal Gera
und
Dörte Teichert „Adrian – So ist das Leben“, ausgestrahlt vom Offenen Kanal Dessau
Kategorie „Bester Beitrag Erwachsene Hörfunk“

1. Preis (1.500 Euro)
Pauline Mager „Toiletten?“ ausgestrahlt von Radio Blau in Leipzig
Pauline Mager traut sich an ein Thema, über das man nur ungern spricht: „Toiletten“. Mit Hilfe von Meinungsumfragen und Experteninterviews berichtet sie über die öffentlichen Toiletten in Leipzig und die damit einhergehenden Probleme. Ihr Weg führt sie bis nach Berlin, wo sie über die „german toilet organisation“ berichtet. Sie macht ihre Hörer nicht nur auf die oft unterschätzte Bedeutung von Toiletten, sondern auch auf ihre Missstände im Allgemeinen in der ganzen Welt aufmerksam. Der Beitrag ist nicht nur informativ, sondern auch sehr bürgernah und daneben außerordentlich unterhaltsam.

Nominierte Beiträge (jeweils 250 Euro)
Tony Drews „Sonderzug zwischen Krieg und Frieden“, ausgestrahlt von Radio Funkwerk
und
Shanghai Drenger „Beginn der Prozess-Sondersendung“, ausgestrahlt von Radio LOTTE Weimar

Kategorie Sonderthema „Inklusion“ (je 500 Euro)
Fernsehen
Nils Albertsen „Ganz Normal Anders“, ausgestrahlt vom WTW – Der Offene Ka-nal aus Wettin e. V.
Die Schülerband „Ganz Normal Anders“ ist ganz normal anders. Die Bandmitglieder zeigen, wie man mit dem Thema umgehen kann. In zahlreichen Interviews berichten die Jugendlichen, wie sie mit Hilfe der Musik ihre Krankheit bewältigen, die Zusammenarbeit in der Band ihnen das Gefühl gibt, etwas Gutes zu tun. Sie drücken ihre Gefühle in der Musik aus und zeigen damit, dass auch Men-schen mit Behinderungen vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen sind. Die Jury war einhellig der Meinung „Inklusion vom Feinsten“.

Hörfunk
Mittelstufen der Förderschule „St. Franziskus“ „Die kleine Spinne – Wir sind im Netz“, ausgestrahlt vom SAEK Dresden
„Wir sind im Netz“, das war das Motto des letzten Schuljahres an der St. Fraziskus-Förderschule Dresden. Basierend auf dem Kinderbuch „Die kleine Spinne Widerlich“ von Diana Ampft produzierten die Schüler ein Hörspiel, das von einem eigens von ihnen entwickelten Rap ein- und ausgeleitet wird. In verschiedenen Rollen gestalten die Schüler ihr Hörspiel abwechslungsreich und gekonnt. Mitgewirkt haben sie als Sprecher, in der Musik- oder Geräuschegruppe oder an der Technik. Sie waren mit Begeisterung dabei und haben gemeinsam einen ausgesprochen gelungenen Beitrag produziert. Kompliment!

Länderpreise Sachsen (je 500 Euro)
Fernsehen
Ignac Wjesela & Team „Ćek dom!“, ausgestrahlt vom SAEK Bautzen
Testosteron ist sein Hormon. Unser heutiges Thema, Sie haben es bereits erraten, ist: Das urwüchsige Mannsbild, der Macho alter Schule, der Womanizer. Gemeinhin verortet man diesen Typus im Süden, etwa in Bayern oder in Lateinamerika. Doch weit gefehlt. Das prächtigste Exemplar kommt aus der Lausitz. Die Frisur gerät aus den Fugen, und nicht selten auch die Contenance der Damenwelt, wenn der Dorf-Casanova mit dem vielsagenden Künstlernamen Ignatzm Fetzich Hand anlegt. Und wird der Andrang zu groß, dann kann er nur empfehlen: Geh heim! Oder, wie es auf Sorbisch heißt: Cek dom (Tscheck dom). Das klingt nicht nur wie „Sex Bomb“, auch die Musik ist an den Welthit von Tom Jones angelehnt – mit einem rotzfrechen sorbischen Text und annähernd kongenialen deutschen Untertiteln.

Hörfunk
Karin Thieme und das Seniorenradio „Unsere Elbe – das blaue Band“,
ausgestrahlt vom SAEK Dresden
Wer hier einen Radiopreis gewinnen will, muss laut sein. Und schrill. Und vor allem auf jugendlich getrimmt. Oder vielleicht auch nicht? Es geht nämlich auch ganz anders: Entschleunigt, ernsthaft und – jawohl, auch das – beschaulich. Beschaulich im Sinne von: Gründlich, gut recherchiert, informativ. Die Rede ist von einer Sendung VON Senioren mit vielen Impressionen und Informationen über Geschichte und Gegenwart, Natur und Kultur. Interessant FÜR Senioren, aber auch für die jüngeren Generationen. „Unsere Elbe – das blaue Band“ bietet eine thematisch und journalistisch in jeder Hinsicht runde halbe Stunde.

Länderpreise Sachsen-Anhalt (je 500 Euro)
Fernsehen
Lorenz Schill & Team „Das Jessener Schloss“, ausgestrahlt vom Offenen Kanal Merseburg-Querfurt
Der Eröffnungsfilm der Geocaching-Tour zur Geschichte der Stadt Jessen beginnt mit der historischen Entwicklung des Jessener Schlosses. Die Schüler geben einen umfangreichen Einblick in die Geschichte des alten Barockschlosses, in dem verschiedene Gutsherren und Adelsgeschlechter residierten. Bis heute hat das Schloss eine bewegte Geschichte aufzuweisen. Die gelungene Mischung aus Archivbildern, Begleittexten und gespielten Szenen, in denen die jungen Filmemacher selbst als Schlossherren agieren, macht die Schlossgeschichte lebendig und den Beitrag sehenswert.

Hörfunk
Niels Hölmer „Alte Synagoge“, ausgestrahlt von Radio Corax
Niels Hölmer macht sich auf die Suche nach Spuren jüdischen Lebens in Halle und wird auf dem Jerusalemer Platz fündig. Hier stand früher eine große Synagoge, die man jetzt nur noch erahnen kann. Sie wurde während der Reichsprogromnacht zerstört und nicht wieder aufgebaut. Von ihr blieben das alte Eingangsportal und die Erinnerungen. Allerdings gibt es eine neue Synagoge in der Humboldtstraße, die die einzig genutzte in ganz Sachsen-Anhalt ist und das aktive jüdische Leben im Land verkörpert. Durch thematisch passende Musik und die verschiedenen Interviewpartner wurde der Beitrag sehr abwechslungsreich gestaltet.

Länderpreise Thüringen (je 500 Euro)
Fernsehen
Heinz Roeske „Hochwasser in Gera“, ausgestrahlt vom Offenen Kanal Gera
Das Hochwasser im vergangenen Jahr hat auch die Stadt Gera nicht verschont. Anfang Juni, dem Höhepunkt der katastrophalen Hochwasserlage, machte sich ein Nutzerteam des Offenen Kanals Gera auf den Weg, um vor Ort aktuell aus den betroffenen Überschwemmungsgebieten zu berichten. Umfangreiche Bilder mit passenden Kommentaren bieten zahlreiche Eindrücke von den Ereignissen. Hinzu kommen Interviews mit Betroffenen und Passanten, die eindrucksvoll zeigen, wie man in kürzester Zeit eine solide und gelungene Filmreportage erstellen und so auch im Bürgerrundfunk eine aktuelle Berichterstattung gewährleisten kann.

Hörfunk
Heiner Koch „Hospiz Bad Berka“, ausgestrahlt von Radio LOTTE Weimar
Sterben – ein Thema, das im Alltag oft verdrängt wird. Ganz anders sieht das im Hospiz Bad Berka aus. Hier gehört es zum Alltag. Heiner Koch sprach mit verschiedenen Menschen, der Leiterin, einer Bewohnerin, Pflegern und Angehörigen, um sich ein Bild zu machen, nicht nur vom Sterben, sondern vor allem vom Leben in einem Hospiz. Er interviewte sehr eindrucksvoll einen Weimarer Pfarrer zum Thema „Sterben“, als Teil des Lebens. Entstanden ist ein ernster Beitrag, der zum Nachdenken anregt. Den Preis verdient Heiner Koch nicht nur für den Mut, sich mit dem Tod zu beschäftigen, sondern auch für die sehr pietätvolle Umsetzung.

Jurymitglieder:

  • Kirstin Grunert, Landesgruppensprecherin der GMK Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur, Merseburg,
  • Bernd Hilder, Chefredakteur der Thüringischen Landeszeitung (TLZ)
  • Dr. Carsten Lange, Mitglied der Versammlung der Medienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA), Halle
  • Christoph Lötsch, Mitglied der Versammlung der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM), Leipzig und
  • Dr. Martin Welker, Universität Leipzig, Vertretungsprofessor für Journalistik

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