MOK Kassel: Ich habe noch viel vor

[Bild: Werner Kossin, fast 75 Jahre]

Ich habe noch viel vor

Es war 1967. Ich war seit kurzem verheiratet. Das erste Kind, eine Tochter, war geboren, und ich hatte meine Meisterprüfung erfolgreich abgeschlossen. Also recht viele Ereignisse in kurzer Zeit.

Um die Kinderjahre unserer Tochter festzuhalten, kaufte ich mir eine gebrauchte Doppelacht-Kamera und drehte meine ersten Filme. Doch die waren alles andere als schön anzusehen. Ein Filmkurs wurde gebucht, und wir mussten unsere ersten Filme zum Anschauen mitbringen. Das Urteil war vernichtend, und ich wollte den Kurs eigentlich abbrechen.

Doch der damalige VHS-Leiter Hans-Werner Kleff redete mir gut zu und veränderte damit mein gesamtes Leben. Kleff war Oberamtsrat, aber sein Leben war der Film. Er gründete die FILM-WERKSTATT der Volkshochschule. Er schaffte es, Anfang der 70er Jahre in jedem Kasseler Jugendhaus eine Film-gruppe zu etablieren. Für ihn selbstverständlich, dass auch ich eine Gruppe bekam. Ich übernahm im Anne-Frank-Haus eine Gruppe, um mit ihr Filme zu drehen.

Kleff setzte mich ungefragt bei Filmwettbewerben als Jurymitglied ein. Auf meinen Einwand, ich hätte so was noch nie gemacht, antwortete er: „Mir ging das genauso. Trink einen Cognac, und dann machst du das“. Und siehe da, er hatte Recht.

Schon damals war Werner Kleff darüber informiert, dass es in Bälde „Offene Kanäle“ geben würde, wo jeder Bürger seine Beiträge senden kann.

Also wurde eine tragbare Videokamera angeschafft. Das war ein tonbandgroßes Gerät zum Umhängen, eine Röhrenkamera. Schon damals haben wir mit der neuen Kamera Sendungen für den späteren OK geprobt. Hans-Werner Kleff verstarb im Alter von nur 51 Jahren; keiner wollte seine Arbeit weiterführen, und so verschwand die FILMWERKSTATT aus der Stadt.

Doch einige Jahre später gab es dann tatsächlich einen Offenen Kanal, und dort wurde ich auch sogleich Nutzer. Der OK bot viele nützliche Kurse wie Licht, Ton, Kamera oder Schnitt an. Ich nutzte diese Angebote gern, um immer noch was zu lernen. Auch bei den damals in jedem Jahr stattfindenden „Medienpreis“-Wettbewerben habe ich teilgenommen und einmal einen Preis errungen. Bei der Internetaktion „Kleiner Grenzverkehr“ war ich aktiv beteiligt. Auch dieses Projekt vom OK hat einen Preis nach Kassel geholt.

Da ich meine Heimatstadt liebe und mich für historische und geschichtliche Begebenheiten interessiere, fing ich an, Filme zu machen, die einen Bezug zu Kassel haben. Ich lernte Hans Germandi kennen und machte aus seinen legendären Vorträgen Filme. Bisher sind 16 Filme entstanden, so Dampfer Elsa, Fliegerei in Kassel, Belgier in Kassel oder das Henschel Flugmotorenwerk. Alle Filme sind im OK gelaufen. Zurzeit bin ich bei der Recherche und Filmarbeit für einen Gartenverein, der im nächsten Jahr 125-jähriges Jubiläum hat.

Im November werde ich nun 75 Jahre alt und habe noch etliche Ideen, die ich gern umsetzen möchte, zum Beispiel die vergessenen Industriebetriebe in Kassel. Es wäre schön, wenn ich das noch verwirklichen könnte.

Quelle: MOK-Bote – Ausgabe 75 (Juli/August 2015)

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