LMK-MedienBuffet diskutiert Online-Fernsehzukunft

Ludwigshafen, 25. April 2016

Seit es bewegte Bilder, packende Stories und große Gefühle jeden Tag im Fernseh-Format für ein Millionen-Publikum gibt, wird über das Programm diskutiert und mitunter mit Leidenschaft gestritten. Beim Fernsehen ist es wie beim Fußball: Jeder Zuschauer schaut hin, redet mit, hätte das Team besser aufgestellt, andere Spielzüge ausprobiert, die Taktik verändert und es ohnehin besser gemacht.

Doch nun steht ein Paradigmenwechsel an: Immer mehr vor allem jugendliche Nutzer gehen über mobile Geräte in die Bilderwelt. Welche Folgen hat der Umzug des Fernsehbildes vom großen immobilen Bildschirm auf die flexiblen mobilen Online-Datenträger? Welche Auswirkungen hat die rasante Dynamik von Content und packenden Inhalten über non-lineare Plattformen? Mit welchen Strategien begegnen die TV-Veranstalter dem immer stärker werdenden Wettbewerb zwischen dem Bildschirm im Wohnzimmer und den Smartphones und Tablets frei von Raum und Zeit? Hat dieser Shift zur mobilen Onlinewelt auch Auswirkungen auf die Inhalte und Welt der bewegten und bewegenden Geschichten? Diese und andere Fragen der Online-Zukunft des Fernsehens standen im Mittelpunkt des LMK-MedienBuffets, das sich zum Ziel gesetzt hat, in kurzer aber prägnanter Runde Zukunftsthemen im Medienbereich zu diskutieren.

„Menschen sind interessiert an Emotionen, an Geschichten, Inhalten und Informationen, die sie bewegen oder weiterbringen“, betonte LMK-Direktorin Renate Pepper bei der Eröffnung des MedienBuffets. „Und das war und ist der Erfolg von Fernsehen, global und unabhängig von Kultur und Herkunft. Doch zunehmend werden Informationen und Stories mobil und in völlig neuem Lebenskontext gesehen. Ich freue mich auf eine spannende Diskussion über die Online-Fernsehzukunft.“

Mit der Digitalisierung und mit Big Data wird alles anders: Das klassische Fernsehen wird zum Auslaufmodell erklärt und die neue Zauberformel einer Online-Fernsehlandschaft heißt „Medienkonvergenz“: Fernsehen, Radio, Online oder Social Media sollen uns auf breiter Front bestmöglich und Zielgruppen adäquat erreichen. Es sollen die Jungen gewonnen und gehalten, die Kaufkräftigen gebunden und die Älteren nicht vergrault werden. Um dieses Ziel zu erreichen, stecken derzeit viele Sender in Strukturreformprozessen, investieren gleichzeitig in die Kommunikation via linearer und non-linearer Bewegtbildwelt.

In ihrem Beitrag „TVplus: Medienwandel bei den Jüngeren“ beschrieb Beate Frees, Leiterin der Online Forschung beim ZDF, die enorme Ausweitung und zugleich Fragmentierung des Fernsehmarktes und den damit einhergehenden „long tail“ Effekt bei der TV-Nutzung. Abhängig von Format und Zielgruppe könne eine zusätzliche relevante Leistung durch Online-Nutzung erreicht werden. Insbesondere bei der jüngeren Zielgruppe der 14-29jährigen ist eine konstant anwachsende Verlagerung vom klassischen Fernsehen zum Online-Nutzen klar spürbar.

Jan Rasmus, Redaktionsleiter Extra, investigative Formate und Dokumentationen bei RTL, zeigte anhand zahlreicher Beispiele eindrucksvoll, wie ein großer Privatsender zunehmend die Informations- und Kommunikationswege parallel zum Fernsehen über die Online-Medien bei der Produktion von Beginn an mitdenkt. So wandele sich TV von TeleVision zu TotalVideo. Da die Werbegelder der Aufmerksamkeit der Fernsehmärkte folgen, sei es eine existentielle Forderung der Fernsehveranstalter, dass für alle Anbieter insbesondere im Online-Bereich die gleichen Rechte und Voraussetzungen zum Werben geschaffen würden.

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